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Paul Carson
Erschienen
Tod in Dublin
03/2001
Ehrenwirth Verlag GmbH, Bergisch-Gladbach
334 Seiten / DM 39,80
Ein langes Messer steckt im Rücken der jungen Jennifer Marks, die ermordet in einem kleinen Park aufgefunden wird. Der Jogger, der ahnungslos über ihre Beine stolpert, ahnt noch nicht, was er mit diesem Fund auslöst.

Denn was den Fall besonders brisant macht und das internationale Interesse weckt: Das Opfer ist die Tochter des berühmten Herzspezialisten Dr. Marks, der erst vor kurzem aus Boston abgeworben wurde, um in Dublin die neugegründete Herzstiftung mit aufzubauen. Und an diese knüpft der neue Gesundheitsminister seine ganzen Hoffnungen...
Kein Wunder, dass die Emotionen aufwallen und die ermittelnden Beamten ganz schön unter Druck geraten. Aber so schwer kann es schließlich nicht sein, den Mörder ausfindig zu machen. Oder jagt man doch die ganze Zeit einer falschen Spur hinterher?

Gleichzeitig häufen sich merkwürdige Todesfälle im Mercy Hospital: Seitdem die neue Herzstiftung gegründet wurde, gibt es auffällig viele Patienten, die auf Grund eines völligen Verlusts ihrer weißen Blutkörperchen sterben müssen. Ein Zufall? Jedoch wurden alle ein paar Wochen zuvor auf der Kardiologie behandelt. Merkwürdig scheint ebenfalls, dass ihre Krankenakten unauffindbar sind. Doch es dauert nur eine Weile, bis der behandelnde Arzt die Zusammenhänge zu erahnen beginnt. Und dadurch gerät er in ernsthafte Schwierigkeiten. Und nicht nur er alleine!

Bis der Mordfall geklärt werden kann, vergehen für die Beteiligten viele schlaflose Nächte und wird manche Magentablette geschluckt - zum Glück ist das Lesen nicht ganz so strapaziös. Aber dennoch hält dieser Thriller, was er verspricht: Spannung mit intelligentem Hintergrund.

Geschickt lockt die Handlung den Leser mit auf falsche Fährten, lässt ihn im Unklaren über bestimmte Details und verleitet ihn somit zu voreiligen Schlüssen. Er muss sich genauso mit verschwundenen Informationen, verstockten Zeugen und benebelten Gehirnen auseinandersetzen, wie die unter Stress steheneden Beteiligten.

Zwar sind alle Themen, die der Autor geschickt zusammenwebt, nicht ganz neu: Kompetenzmissbrauch bei Ärzten, Machtgier bei Politikern, Drogenkonsum bei Jugendlichen gehören schon lange zum Erfahrungsalltag. Nichtsdestotrotz sind sie immer aktuell. Und da der Thriller mit Ausnahme des End- und Höhepunktes in sich überzeugend logisch und stimmig ist, verzeiht man ihm auch das etwas konstruierte Finale. Schade bleibt aber, dass ausschließlich die "ganz Bösen" einem dramatischen Abgang nicht entgehen können - vielleicht nicht ganz so realistisch!

Positiv fällt allerdings auf, dass der Autor konsequent seine zwei Handlungsstränge nebeneinander beibehält, die er erst ganz zum Schluss zusammenfügt. So bleibt lange unklar, wie die beiden mysteriösen Geschehnisse eigentlich zusammenhängen - wäre da nicht die kleine blaue Pille, müsste man fast meinen, sie hätten gar nichts miteinander zu tun.

Und so wird erst im allerletzten Kapitel das letzte Puzzlestückchen zusammengefügt, werden die letzten Vermutungen zur nachprüfbaren Realität, wird die Spannung gelöst. Man kann beruhigt das Buch zuschlagen und endlich einschlafen - es haben alle ihre gerechte Strafe erhalten. Oder die verdiente Belohnung.

Und dennoch: Es geht im alten Trott weiter...