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Erschienen
Die Deutschen haben gelernt
04/2003
In Bagdad fallen Bomben. Jede Nacht und inzwischen zigtausende. In Deutschland und überall gehen die Menschen gegen den offensichtlich übergeschnappten US-Präsidenten auf die Straße und skandieren die Parole vom ewigen Frieden.

Ist das nicht eventuell ein wenig zu einfach gedacht: Bush müsste nur aufhören, und schon wäre der Friede in der Welt wiederhergestellt?

Versuchen wir es ausnahmsweise einmal mit Tatsachen: Richtig ist, dass bei jedem Krieg zahllose unschuldige Opfer betroffen sind, getötet, verletzt, verstümmelt, ausgebombt, auf der Flucht, traumatisiert, fürs Leben gezeichnet.
Richtig ist auch die Erfahrung, am Ende werden alle nur draufgezahlt haben - einen Preis, der nicht mit allem Öl der Welt aufzuwiegen ist.
Davon wird aber aus der Vergangenheit noch keine Lüge. Nicht aus den zwölf Jahren, in denen Iraks Diktator Saddam Hussein mit den Vereinten Nationen die gesamte Welt an der Nase herumgeführt und zum Affen gemacht hat, indem er eins um das andere Mal Resolutionen ins Leere laufen ließ, indem er alle Strafen und Maßnahmen umgangen hat. Die UN verhängte ein Wirtschaftsembargo und in der Wüste schossen die Fabriken wie hierzulande die McDonalds-Filialen aus dem Boden. Alle redeten von Abrüstung und doch fanden sich bis in den Stunden vor dem Krieg immer wiede rneue "vergessene" Waffen in den als Palästen getarnten Depots des Despoten.

Krieg ist ein schmutiges Geschäft und wer ihn betreibt, kann nicht mit einer weißen Weste davonkommen. Das wird auch George Walker Bush erkennen, wenn er - gleichsam als Sündenbock für die jahrzentelange verdeckte und offene Kolonialpolitik der USA einen hohen Preis zahlen muss. Die Bomben-Desperados aus Washington haben in der Vergangenheit nicht lange gefackelt, wenn es darum ging, angeblich feindliche Machthaber abzuservieren und durch eigene Strohmänner zu ersetzen - blöd nur, wenn die dann ebenfalls nach kurzer Zeit im sternengebannerten Sattel aufgemuckt haben. Es ist nicht das erste Mal, dass Amerikanische GIs in die Kanonenrohre der höchstselbst gelieferten Waffen starren müssen - die Rübe müssen am Ende doch immer die anderen hinhalten.

Der deutsche Bundeskanzler hat - man darf es mit Fug und Recht sagen: ausnahmsweise - in dieser Frage Volkes Stimme gehört. Das beweisen die unermüdlichen Lichterketten-Fetischisten, die alltäglich die Straßen in ein friedvoll glänzendes Lichtermeer tauchen. Aber er ist damit auch den einfachen Weg gegangen. Nichts hören, nichts sehen, nichts sagen: Drei Affen in einer Person verkörpert. Respekt.
Klarer Fall, wir Deutschen haben aus unserer Geschichte gelernt. Wir würden heute Russland nur noch im Sommer angreifen, wir würden es gar nicht selber machen, sondern allenfalls unseren amerikanischen Freunden Überflugrechte über das Deutsche Reich... Pardon... Territorium einräumen und ihnen anschließend auch nich unsere Friedenstauben-Kamikaze auf den Hals hetzen: "Ich wasche meine Hände in Unschuld". Was ist nämlich die Alternative, die wir zum Krieg anzubieten haben? Hussein weitermachen lassen wie gehabt? Weiter den aus Bagdad allenfalls belächelten Eiertanz mit Waffeninspektoren ohne Befugnisse vorführen und selbst das letzte Quäntchen Glaubwürdigkeit verspielen? Wer sich nicht selbst in die Tasche lügt, dem fallen die Bilder blaubehelmter UN-Soldaten ein, die sich in der Vergangenheit mit den eigenen Waffen in Schach halten lassen mussten, weil die UN ja von ihrem Gewaltmonopol keinen Gebrauch machen will.

Die Friedensengel, die hierzulande zu Tausenden aus den SChulen auf die Straßen strömen haben eine schwere und verzweifelte Mission, aber sie argumentieren an der Sache vorbei. Richtig ist, dass nur der Sicherheitsrat einen kriegerischen Eingriff legitimieren kann. Richtig ist auch, dass das Weltpolizeigehabe der Amerikaner allenfalls ein schöner Schein für tatsächliche ökonomische Begehrlichkeiten ist. Aber wo bleiben die Alternativen? Wollen wir weiße Tücher schwenkend zuschauen, wie einDiktator sein Volk unterdrückt, andere Völker bedroht und dabei mit den Verienten Nationen Katz und Maus spielt? Wollen wir weiter riskieren, dass die zugegebenermaßen auch von Deutschen Firmen gelieferten Waffen weiter darauf warten, ihre unheilbringende Fracht über die Meere und Wüsten zu jagen? Wo sind die Alternativen, die all die sicher gutgläubigen und idealistischen Pazifisten präsentieren: Make love not war?!

Die Amerikaner werden die dunklen Seiten gerade dieses Krieges zu spüren bekommen, wenn sie ihr Waterloo erleben, eingekesselt zwischen vernichtender öffentlicher Meinung und aussichtslosem Straßenkampf.
Bedauerlich dabei sind nur zwei Erkenntnisse: Den Preis zahlen am Ende immer die anderen. Aber wir alle haben im Grunde kein besseres Geschäft anzubieten.