2017
 
 
 

Rezensionen

Editorial
Gästebuch
Archiv
Links
Kontakt

Suchmaschine

 
Weitere Artikel nach
Autor
Weitere Artikel nach
Titel

 

 

Drucken | Kommentar erstellen

_____________________________

Erschienen
Erotischer Streifzug durch "Bessere Zeiten" - Elly Lapp in Hockenheim
04/2003
"Frauen sind keine Engel", das stellte Anfang April im Hockenheimer Kulturzentrum "Pumpwerk" die Chansonette Elly Lapp mit ihrem gleichnamigen Programm erneut unter Beweis: Ein lasziver, erotisch-verführerischer Streifzug durch bekannte Chansons eigentlich längst vergangener Tage.

In einem eng anliegenden schwarzen Lederkleid, mit rauchzart dahingehauchter Stimme und mit dem entsprechenden Repertoire versuchte die Mannheimerin, die sich in unseren Breiten bereits einen beachtlichen Ruf erwerben konnte, knisternde Spannung frivoler Natur zu erzeugen.

Beachtlich dabei das stimmliche Potential, frei regulierbar zwischen sanfter Anschmiegsamkeit mit warmer und weicher Färbung in einer fesselnden, erdigen Grundstimmung und pointierter, raubtierartig aggressiv unterlegter "Femme-fatal-Röhre". Kein Wunder, dass Konstantin Wecker sie seinerzeit auswählte, um die Titelmelodie zum Fernsehfilm "Kir Royal" zu singen. Und kein Wunder, dass ihre Fans mit großer Treue zu Elly Lapp stehen.

Das Programm eine Sammlung von Liedern vom Leben – mit all seinen anzüglich-lästerlichen Seiten. Von einer ganz eigenen und durchaus auch eigensinnigen Interpretation des in der Vergangenheit schon zigfach neuaufgenommenen Brel-Titels "Ne me quitte pas" ("Bitte geh nicht fort") über den "Gigolo" und eine ganze Batterie von Brecht/Weill- und Hollaender-Revivals bis hin zur Parade alter Musikhighlights der Damenrunde Zarah Leander ("Nur nicht aus Liebe weinen"), Marlene Dietrich ("Mein Mann ist verhindert") und natürlich Margot Hielscher mit dem Titelsong zum Programm "Frauen sind keine Engel". Dabei bot Elly Lapp keine reine Imitation, sondern gab gerade den altbekannten Stücken einen ganz eigenen Hauch; dass damit natürlich nicht nur eine gute Portion Authentizität, sondern bisweilen auch etwas vom Liebreiz der alten Melodien verloren geht, musste insbesondere an Hilde Knefs grandiosem "Für mich solls rote Rosen regnen", aber auch am Schlager der Andrew-Sisters "Bei mir bist du schön" festgestellt werden.

Am Klavier begleitet wurde Lapp vom Pianisten Frank Steuerwald. Der Herr der Tasten beschränkte sich aber nicht auf schnödes Begleiten, sondern verlieh den Titeln einen guten Teil ihres jeweiligen Charakters – fingerfertig, vor allem aber extrem feinfühlig für Stimmungen und Nuancen.


Wenngleich die Präsentation vielleicht etwas zu wünschen übrig ließ: Der Abend mit Elly Lapp war ein gelungener, angenehmer Rückblick in Zeiten, von denen viele reifere Menschen behaupten, sie seien besser gewesen.