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Erschienen
WeissKreuz
05/2003
Ehapa Verlag, Berlin
5 DVDs / je ca. € 23,-
Die vielen Manga- und Anime-Cons zeigen es deutlich: Wer Manga liest kommt nicht daran vorbei, sich auch einmal einen Anime anzuschauen. Der echte Fan nimmt dann gerne die japanischen Originale. Aber wer versteht die schon? Momentan ist die deutsche Fangemeinde noch recht klein und vor allem nicht unbedingt die kaufkräftigste. Also heißt die Devise bei manchen Produktionen "Kosten sparen". Deutsche Untertitel sind wesentlich günstiger als eine komplette Lokalisierung mit einer Menge verschiedener und hoffentlich auch guter Sprecher. Man erinnere sich nur an die ersten Animes bei VOX mit nur zwei schlechten Sprechern – das war garantierter Grusel und Gänsehaut allein schon wegen des deutschen Tons. Aber zurück zu den Untertiteln. Sogar Public-Domain-Programme wie "Virtual Dub" ermöglichen es den Fans, ihre Lieblingsfilme am heimischen Computer zu untertiteln. Auf diesem Wege werden selbst bislang weitgehend unbekannte Perlen einem größeren Publikum zugänglich gemacht.

Eine solche Perle ist die erste Staffel der Serie WeissKreuz. Vier natürlich saumässig gutaussehende Jünglinge, jeder mit einer tragischen Hintergrundgeschichte, kämpfen gegen das Dämonische. "New Kids on the Block" meets John Sinclair. Und es funktioniert. EMA veröffentlicht die 25 Folgen auf fünf DVDs. Das ist bei mehr als € 25.- pro DVD keine billige Sache. Dafür bekommt man jedoch einen perfekt gemachten Herz-Schmerz-Spannung-Mystik-Mix.

Innerhalb der Folgen entwickelt sich die Serie. Neben den anfänglichen WeissKreuz kommen noch deren Antipoden Schwarz und die Frauen-Bösewichter Schreiend dazu. Es gibt Verbindungen zwischen den Figuren, und auch die guten WeissKreuz bleiben nicht unbefleckt. Besonders der Schluss ist perfekt inzeniert und die mittlerweile zu Fans gewordenen Zuschauer werden mit ihren Tränen ab der dritten DVD etliche Taschentücher durchweichen ...

Die Zeichnungen können sich natürlich nicht mit Filmen wie "Strider" oder Ausnahmeerscheinungen wie "Neon Genesis Evangelion" messen. Dazu gibt es dann doch zu plumpe Autos und einfach schnell gemachte Hintergrundzeichnungen. Aber die Story stimmt. Die deutsche Lokalisierung leider nicht. Da sind EMA bei ihrem Erstling auf dem Markt der deutschen Anime-DVDs deutlich zu viele Schnitzer passiert. Der Eindruck einer Fan-Dub lässt sich nicht verleugnen. Fehler wie nicht lesbare oder zeitversetzte Untertitel dürfen bei einer Profi-Produktion nicht unterlaufen. Aber genau das gibt es in diesem Falle nicht eben selten. Auch die Qualität der Übersetzung wird in Fankreisen häufig kritisiert. Wobei ältere Fernseh-Geeks bei Sätzen wie "Könne Sie mir ein Gebinde winden – Ein Gewind kann ich gerne binden" angenehm an "Die Zwei" erinnert werden. Keine Sprachauswahl und keine Extras – nicht der Standard.

Man muss sich also überlegen, ob man sich die deutschen DVDs oder die vieleicht besser untertitelten englischen Folgen anschafft. Wer Englisch nicht wirklich fließend beherrscht wird aber auch dort nicht mehr verstehen als bei der EMA-Version. Dann doch lieber den bald kölner Verlag hinter der Manga-Power unterstützen.


EMAs Anime-Erstling ist ein Story-Hammer für Herz-Schmerz-Spannung-Mystik-Fans mit deutlichen Anfängerfehlern.