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Andreas Herberg–Rothe
Erschienen
Das Rätsel Clausewitz. Politische Theorie des Krieges im Widerstreit.
06/2003
Wilhelm Fink Verlag, Paderborn
254 Seiten / € 30,60
Clausewitz . Ein Name, ein Begriff, eine Formel. "Krieg als Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln."

Allerdings ist Clausewitz mehr als diese Primärassoziation. Das zeigt der Berliner Politikwissenschaftler Andreas Herberg-Rothe in seiner veröffentlichten Habilschrift zum militärtheoretischen Lebenswerk des preußischen Generals Carl von Clausewitz. Herberg–Rothe zeichnet darin in meisterlicher Manier den Entwicklungsweg der clausewitz'schen Militärtheorie anhand der Wendepunkte der napoleonischen Kriege nach. Jena, Moskau, Waterloo. Darüber hinaus - und das gehört unzweifelhaft zu den Stärken dieses Buches - führt der Autor den Leser tief in die Gedankengänge Clausewitz ein. Der Politikwissenschaftler schildert die "Lebensatmosphäre" und die für Clausewitz entscheidenden Prägungen. Dies waren unter anderem Humboldt und die in der damaligen Zeit vorherrschende wissenschaftliche Vorgehensweise Hegelscher Lehre mit These, Antithese und Synthese. Von den hegelschen Methoden ausgehend, zeigt Herberg–Rothe, wie tief die Gedankengänge des frühen 19. Jahrhundert von Gegensätzen geprägt waren und erklärt daraus die unterschiedlichsten Interpretationsansätze des clausewitz'schen Werkes. Der Wissenschaftler "entlarvt" in seiner differenzierten, sachlich abwägenden Art die "Kritiker" des Generals Clausewitz, die in ihm einen Wegbereiter des "totalen Krieges" sahen, auf vorzügliche Weise.

Die militärtheoretisch-wissenschaftlichen Streitereien um Begrifflichkeiten löst der an der Humboldt–Universität lehrende Akademiker dadurch, dass er sich die Mühe macht, zeitgenössische Lexika zu zitieren, um damit die damalige Interpretation von Begriffen zu verdeutlichen. Der Leser erfährt ferner - obwohl dies nicht die Intention des Buches ist - etwas über die Biografie des Generals und seine innersten Antriebskräfte, die im Buch verstreut zu einer Bereicherung führen.

Wer von diesem Buch eine Art "Anleitung zur Kriegsführung mit Schlachtplänen" erwartet, wird enttäuscht werden. Herberg–Rothe zeigt nur auf der Makroebene die Entwicklung der Kriegsführung von der Antike über dem Mittelalter bis zum "Blitzkrieg" im 20. Jahrhundert - und dies auch nur in wenigen Sätzen.

Eine Auseinandersetzung mit der Frage, ob und wie Clausewitz im 21. Jahrhundert noch eine Rolle spielt, bildet den Abschluss der Arbeit.

Bleibt für uns noch die Anmerkung, ob der Titel "Das Rätsel Clausewitz“ besonders geschickt gewählt ist. Herberg–Rothe schildert Clausewitz jedenfalls so umfassend und detailliert, dass beim Lesen dieses wahrhaft zu empfehlenden Buches nicht einmal das Gefühl aufkommt, es könne noch ein größeres "Rätsel" geben. Trotz seines hochwissenschaftlichen Anspruches ist dem Autor auch im Narrativen etwas Großartiges gelungen. Das Buch ist glänzend geschrieben und auch für den Laien gut verständlich. Die Zusammenfassungen am Ende jedes Kapitels sind dabei sehr dienlich.


Herberg-Rothe hat nicht nur ein Buch unter den vielen Veröffentlichungen zu Clausewitz geschrieben. Er hat ein Standartwerk zum Militärtheoretiker Clausewitz herausgegeben, das nur schwer überboten werden dürfte.

PK