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Erschienen
Sizilianischer Folk und Italo-Pop bei der "Italienischen Nacht" in Hockenheim
06/2003
Manchmal scheiden sich auch am Einigen die Geister. So zu erleben am letzten Mittwoch im April bei der "Italienischen Nacht in den Mai" im Hockenheimer Kulturzentrum "Pumpwerk", als den bemerkenswert vielen Zuhörern zunächst die auf traditionellen sizilianischen Folklore-Elementen aufgebaute Musik der aus Palermo stammenden Gruppe "Tammorra" präsentiert wurde und anschließend der in unserer Region wohlbekannte "Ramazotti von Hoggene" Matteo Di Maggio und seine Band "Nuova Epocha" italienische Popularmusik spielten.

Für manchen Fan der einen Richtung war die nicht weniger italienische Machart des anderen Stils direkt eine Zumutung; und das, obwohl der Italo-Folk auf der einen und der international weichgespülte Italo-Pop auf der anderen Seite sich durchaus ergänzen.

"Tammorra" ist ein sechsköpfiges Ensemble, das bereits seit etwas mehr als zehn Jahren sowohl auf Sizilien, als auch in ganz Europa große Erfolge feiert: Die Truppe um Leadsänger Salvatore Meccio hat sich mit großem Eifer der süditalienischen Tradition verpflichtet und produziert Folklore – aber ohne kulturelle Scheuklappen. So erlauben sie durchaus auch anderen musikalischen Strömungen einen gewissen Einfluss auf ihre Musik, so lange der Ursprung, die Wurzel und die Basis erhalten bleibt; "sonst müssten wir uns umbenennen", so die Band einmütig. Immerhin hat man als Namen das älteste Instrument der Insel gewählt: Die "Tammorra" ist eine Rahmentrommel mit Schellen, die mit bis zu 60 Zentimeter Durchmesser den nötigen Beat für die angeregte, fesselnde Tanzmusik des Südens liefert. Leider setzen die Sizilianer allerdings auch auf Elektronik, was ihrem Sound einen großen Teil der natürlichen Leichtigkeit raubt. Durch die große Besetzung haben sie dafür die Möglichkeit, ganz unterschiedliche Kulissen aufzubauen, vor denen sie ihre Lieder emporstreben lassen. Die Texte sind bisweilen von fast schon liebenswürdiger Belanglosigkeit, erzählen von den Händen, vom Leben an sich, einem Obdachlosen mit Radio und natürlich von einer etwas austauschbar wirkenden "Amore". Doch sind sie ja auch nicht zu einem Literaturwettbewerb angetreten, sondern überzeugen durch ihren Sound, der mit viel Nachdruck in einem percussionlastigen Grundton daherkommt. Gerade die reizvolle Mischung sehr traditioneller Lied- und Tanzelemente mit Einflüssen aus der spanischen, der zentraleuropäischen, aber auch der arabischen Musik produzieren einen charmanten, sehr vielschichtigen und spannenden eigenen Stil.

Anders als es beispielsweise Matteo tut, singen die Jungs nicht wirklich gut, sondern eher im Stil venezianischer Gondoliere – etwas rau, etwas unkultiviert manchmal, aber unheimlich italienisch. Und mit einer gehörigen Portion Klamauk, wenn Sänger und Tamburin-Meister Massimo Laguardia sich in ein altes Weibchen verwandelt.

Rund zweieinhalb Stunden mussten die Fans des "singenden Baggerfahrers" - manch ein Liebhaber der "Nuova Epocha" war schon etwas ungeduldig geworden - warten, bis Matteo sein Programm anschloss. Etwas über den pfiffigen Mann aus Apulien zu sagen, wäre in Hockenheim lächerlich. Viel zu sehr haben die Italien-Fans der Rennstadt ihren hauseigenen Mann aus dem Süden ins Herz geschlossen. Neben zahlreichen eigenen Titeln, die er im Vergangenen Jahr auf seiner CD "Noi per n momento" veröffentlichte, präsentierte Matteo zusammen mit Giuseppe Ciccia an der Gitarre, Giovanni Vitale am Keyboard und Daniel Leguini an den Drums auch große Titel seiner musikalischen Vorbilder Eros Ramazotti, Zuccherro, Nek und Adriano Celentano.


Trotz der widrigen Temperaturen waren die begeisterten Anhänger des Italo-Barden aus dem Häuschen, tanzten begeistert mit und setzten den Jubel, der sich bereits einstellte, als Matteo durch die Reihen ging, um sich auf seinen Auftritt vorzubereiten, bis hinein in den ersten Mai fort – so wurde die Italienische Nacht zu einem wahren Feier-Tag.