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Erschienen
"Dhalia" mit zwei neuen Musikern im Hockenheimer "Pumpwerk"
06/2003
"Das Alte ist vergangen, alles ist ganz neu!" In dieser fast schon sakral anmutenden Art und Weise hat sich die Formation "Dahalia" Anfang Mai im Hockenheimer Kulturzentrum "Pumpwerk" präsentiert: Obwohl viele Fans gehofft hatten, dass nach der letzten Umbesetzung ein etwas ruhigerer Konsolidierungskurs bei der Band Einzug halten könnte, mussten sie erneut einen schweren Schlag verkraften – Simone Freimüller, die als letzte noch wacker die Qualität und den Stil der ehemaligen "Wild Silk"-Freunde bedient hatte, geht nun auch eigene Wege. Damit ist die vielgeliebte Ära einer feststehenden Koordinate im Folkgeschäft endgültig zu Ende gegangen. Zumal die verbliebenen "Silks" Berk Demiray und Rainer Burgmer offenbar den neuen Sound der Band gehörig mit vorangetrieben haben. Als neue Besetzung für die Vocals ist Andrea Linzke zu "Dahlia" gestoßen; den Platz von Freimüller füllt sie allerdings bei weitem nicht aus. Nach derzeitigem Stand der Dinge wird sie die sympathische Sängerin mit der sphärischen Stimme auch niemals wirklich ersetzen können: Bei allem Respekt vor der klanglichen Qualität ihres Organs muss nach diesem ersten Auftritt in der Rennstadt ein unüberwindlicher Abstand zu Simone Freimüller konstatiert werden. Selbst der von ihr selbst in die Truppe eingebrachten Titel "Song for Ireland" unterstrich nur, dass Andrea Linzke ohne das schmeichelnde Echo, das man über ihre Stimme gelegt hatte, kaum auskommen würde: Von der natürlich reinen Kraft alter Tage ist den wenigen verbliebenen langsamen Titeln kaum noch etwas anzumerken. In den Höhen besteht kaum noch Spielraum, die unbestritten sehr hübsche Linzke arbeitet verzweifelt mit deutlichem Druck gegen dieses Manko an, verfällt dabei aber leider in eine etwas halsige, bisweilen auch nasal geprägte Färbung. Insgesamt werden dadurch alle Gesangsparts etwas erdiger, den beschwingten Fluss alter Tage ersetzt sie durch pointierte, auf Phrasen fokussierte Rhythmik.

Wenngleich langjährige Begleiter und Fans der Formation und ihrer Vorläufer diesen ganz offenkundigen Abfall in den Vocals auch bedauern mögen – er fügt sich nur ein in eine ganz generelle Verschiebung in der musikalischen Ausrichtung "Dhalias". Man hat sich, das war bereits beim letzten Konzert im Januar festzustellen, vom traditionellen irischen Gepräge abgewandt und einen spürbaren Schwerpunkt auf rhythmisierte Tanzmusik mit mehr arabischem und zentraleuropäischem Einschlag gelegt. Dafür zeichnet fraglos auch der Percussionist Bergo Ibrahim verantwortlich, der einen ganz neuen Drive verordnet hat. Betrachtet man das inzwischen eingetretene Ergebnis, dann fügt sich auch die Geigerin Helen Mannert, die einstens Teufelgeiger Mathias Kohlmann ersetzte, gut ins neue Bild: Insgesamt macht man mehr Druck, bietet einen angeheizten Dance-Sound – die "Celtic Dreams" bleiben dabei allerdings weitgehend auf der Strecke und finden sich im Großen und Ganzen nur noch auf den Plakaten wieder. Ein passagenweise dirty Groove verdrängt die langsamen Träumereien, harte rhythmische Elemente den zarten Schmelz.

Das wird insbesondere durch den weiteren neuen Mitspieler auf der Bühne unterstützt: Der Drumcomputer hat bei "Dhalia" Einzug gehalten. Und das nicht zu knapp. Über das elektronische Touchpad hämmert Ibrahim den Zuhörern einen Beat ein, der sicherlich der allgemeinen Anregung dienlich ist, gleichzeitig aber auch einen guten Teil der "handmade music" übertüncht. In Titeln wie "Battlefield" oder "Bretonischer Tanz" überlässt man in fast effekthascherischer Weise dem elektronischen Spielzeug weitgehend das Feld.

Es gibt keinen Zweifel: Die Musik, die "Dhalia" präsentiert, ist nicht mehr jung und alternativ, sondern mehr denn je am Mainstream orientiert. Entsprechend sieht es im Publikum aus, das reifer und gesetzter geworden ist. Dennoch: Auch wenn der neue Stil der Formation alles Individuelle der einzelnen Musiker weitgehend egalisiert hat, war die Stimmung bei den Zuhörern gut. Enthusiastische Chöre zum neuen, aber längst zur Legende gewordenen "Maschero" gaben das nötige Zeugnis davon ab.


Nach diesem Konzert steht fest: "Wild Silk" ist endgültig vorbei und kein Mensch darf mehr beide Formationen in einem Zusammenhang nennen, ohne seine absolute Beliebigkeit zu outen.



Weitere Informationen zur Band im Internet unter http://www.dhalia.de

In Reminiszenz an Simone für alle Fans:





Information für alle Simone-Freimüller-Fans: Sie wird voraussichtlich beim Jubiläumskonzert der "Neuen Barden" am 23. Oktober 2007 in der Kongresshalle Augsburg auftreten!