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Erschienen
Marvel Monster Edition #1: Marvel Mangaverse
07/2003
Panini Verlags GmbH, Nettetal
228 Seiten / € 20,-
"Ich schmeiss mich weg", würden die Berliner Kollegen sagen. Marvel Mangaverse ist die beste Mischung aus lustig, spannend und überraschend, welche die deutschen Comicläden seit langem erreicht hat. Manga ist in aller Händen und wer am Markt bleiben will, braucht einfach Kulleraugen. Dabei ist die Situation in Amerika bei weitem nicht so drastisch wie bei uns. Aber dennoch ist das Haus der Wunder dieses Wagnis eingegangen und hat in bester "What if ..."-Manier seine Helden in eine andere Realität versetzt.

Man darf von diesem dicken Brocken also unbekannte Versionen bekannter Helden erwarten. Hulk, Rächer, Fantastische Vier, Punischer, X-Men, Spinne und Ghostrider also mit Kulleraugen und gelegentlichen Speedlines. Das Ergebnis ist lesenswert. Den Anfang macht Ben Dunn. Der Routinier ist ja in Deutschland auch im Eidalon-Verlag publiziert und das zu Recht, denn seine Bilder sind einfach schön. Allerdings eigentlich nicht so richtig Manga. Zu rund, zu amerikanisch und nicht immer perfekt genug, aber dafür eigenständig und sehenswert. Er bebildert die beiden Rahmenhefte, die dieses CrossOver der besonderen Art einschließen. Die Experimente mit der Negativ-Zone haben Hydra zu einer ultimativen Waffe verholfen. Aber die Waffe explodiert und reißt Millionen mit in den Tod. Prinz Namor will das Chaos ausnutzen und beginnt eine Invasion der Oberfläche. Diese Bedrohung kann abgewendet werden, aber die Menschen können nicht lernen. So baut Banner an einem zweiten Brunnen, der die Energie der Negativzone anzapfen soll. Namor verbündet sich mit Baron Strucker. Zusammen wollen sie die Erde unterwerfen. Aber Strucker will eigentlich nicht den Atlantern die Welt zu Füßen legen, sondern den alten Göttern, die in der Negativ-Zone zu leben scheinen. Am Ende kann der böse Plan natürlich vereitelt werden. Wer hätte Anderes vermutet?

Was bei solchen Alternativ-Universen oder Elseworld-Geschichten am meisten Spaß macht, ist die Frage, wie die Autoren die bekannten Charaktere verändert haben. Und das fängt diesmal gleich toll an. Tony Stark ist ein Mädchen und der Ur-Eiserne ist ein Haushaltsroboter. Dr. Strange trägt eine Uniform der Waffen-SS und der Hulk ist größer als der Eifelturm.

In dieser Art und Weise geht es auch weiter. Die Rächer bekommen die ultimativen Fahrzeuge, die sich wie bei den Power Rangers zu einem Riesenroboter verbinden können. So richtig zum Schreien wird es, wenn die Kampftechniken ihre eigenen Namen bekommen. "Rächendes Gesetz" feuert den Bruststrahl des Ultimativen Rächers ab und "Schild des Zorns" baut einen Energieschirm auf. Diese Sequenz ist furios in Szene gesetzt. Im Manga-Stil aber amerikanischer Lesegeschwindigkeit, bunt mit flachen Schatten wie in den Simpsons und Frisuren wie bei Dragonball. Aber es wird noch besser: Die Fantastischen Vier sind in "Dark Minds"-Manier eine eher zerstrittene Kampfgruppe, die Energieanzüge zu riesigen Geschöpfen formen kann. Das Ding haut natürlich mit Steinen zu und die Unsichtbare hat einen unsichtbaren Riesen unter ihrer Kontrolle.

Die Storys der X-Men und von Ghostrider sind eher schwach, vor allem letzterer ist für die Rahmenhandlung nicht wichtig. Das ist aber immer noch besser, als die Seiten mit dem Punisher. Die Übersetzung ist einfach eine Unverschämtheit und selbst Google bringt besseres Deutsch zustande, als das hier geboten wird. Zudem sind die Zeichnungen schlecht und die Story ist unwichtig. Lieber rausreißen, als sich darüber ärgern (für unsere cineastisch vorgebildeten Leser eine kleine Anspielung auf ein filmisches Meisterwerk: "Oh Captain, mein Captain").

Die Spinne dagegen hat ein tolles Abenteuer, das verdammt an den zweiteiligen Wolverine/Deathblow-Crossover erinnert. Seitenkomposition und Zeichenstil abstrahieren die Vorgabe und lassen Spidy und Venom verdammt asiatisch daherkommen. Die X-Men sind wieder eher schwach, aber machen dennoch Spaß. Doch alles ist vergessen, wenn in der finalen Episode Ben Dunn mal wieder alle Register zieht. Struckers Dämonen-Chef sieht dabei dem Herrn Trigun aus Titans Zeiten verdammt ähnlich, ist wohl als Hommage mit eingebaut.


Mangaverse macht Spaß und verbindet Japano-Klischees mit Comic-Mainstream-Plattitüden zu einem verdammt lesbaren und unterhaltendem Ganzen. Nicht immer nur Licht, denn der Punisher wandelt im traurigsten Dunkel der Lokalisierungs-Sünden, aber sonst das pure Vergnügen für Action-Comic- und Anime-Fans.