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Erschienen
Conneko: Manga und Anime Con in Ludwigshafen
07/2003
ConNeko, Ludwighshafen
Für die japanischen Comics und Zeichntrickfilme interessieren sich immer mehr Menschen und es existiert längst eine sehr lebendige Fan-Szene, die sich bei ihren Treffen zusammenfindet. Mit der "Conneko" hat auch Ludwigshafen seine eigene Con, die mit vielen guten Ideen und begeisterten Helfern zwei Tage Wahnsinn auf die Beine gestellt hat.

Das erste, was dem ungeübten Con-Besucher auffällt, sind die vielen kostümierten Menschen. Das Ludwigshafener "Haus der Jugend" stand also ganz im Zeichen der Fans von "Final Fantasy" oder "Angel Sanctuary". Fünf Euro Eintritt, da macht sich der Veranstalter keine Illusion, ist zwar unglaublich und einmalig günstig, aber bestimmt nicht kostendeckend. Und dennoch gab es das übliche Programm - und das sogar noch rund um die Uhr. Zwei Räume nur für Video-Vorführungen, einen Videospiel-Raum mit den unvermeidbaren Tanz-Spielen, einen kleinen Händlerraum und die Bühne, auf der Karaoke zelebriert und die Fan-Kostüme präsentiert wurden. Wer nach mehreren Stunden dann müde wurde, konnte es sich in der Turnhalle im mitgebrachten Schlafsack gemütlich machen und neue Energie für den nächsten Tag sammeln. Eine tolle Idee!

Im Händlerraum war auch ein Tisch mit den Spielen "Mage Knight" und "Heroclix" vertreten. Leider wollten sich die Welten der Spieler und die der Anime-Fans nicht mischen und so hatten die Spielefans eine ruhige und leider fast ungestörte Zeit. Dabei gab es als Give-Away eine Heroclix "Hulk"-Figur. Mehr Betrieb gab es am Bring&Buy-Tisch. Hier konnte man ein paar Sachen deutlich günstiger ergattern, als beim Händler. Halt "von Fans für Fans".

Höhepunkt ist bei diesen Veranstaltungen natürlich das CosPlay. Die Kostüme werden unter Darbietung kleiner Theaterstückchen präsentiert. Manches ist nur für eingefleischte Kenner der Szene verständlich und lustig, aber auch der Laie darf dann und wann einmal schmunzeln. Sei es gewollt - oder auch ungewollt. So wussten die Zuschauer nicht so recht, ob das fünfmalige Starten des Gitarre-Duos nun geplant war, oder einfach in der Nervosität der Akteure begründet lag. Trotz des schon oben erwähnten lächerlichen und eher symbolischen Eintrittspreises gab es dennoch ein paar Preise für die Sieger. Einige Cosplay-Beiträge waren sogar professioneller als die eine der beiden Showgruppen. Über "Katsuai" gab es nur Positives zu hören, wirklich schlimm wurde es aber dann gegen Abend, als das Gitarren-Duo sein Können erneut unter Beweis stellen wollten - und es erneut nicht schafften. Oder war es mongolischer Obertongesang?

Der zweite Tag begann mit dem Vortrag "Japan und seine Popkultur" des japanischen Konsuls in Frankfurt, Masaki Okada. Bei dem Titel erwartete man einen sehr förmlich gekleideten alten Mann, doch der im Karo-Hemd erschienene Herr Okada redete lebendig und mit vielen Beispielen – die dann vom wissenden Fachpublikum auch mit Beifall bedacht wurden –, begleitet von der aktuellen japanischen Popkultur. "Deutschland und Japan haben schon immer gute Beziehungen gehabt, und wenn Manga und Anime diese Verhältnis verstärken, freut es mich", begründete der Konsul sein Engagement. Sein Lieblingsmanga sei "Monster", das konnte man in der anschließenden Podiumsdiskussion zum Thema "Manga und Anime in der Öffentlichkeit" erfahren. "Deutsche Kultur ist Pflichtfach an japanischen Schulen, und jedes Kind kennt Goethe, Schiller und Schopenhauer" – das kann man von deutschen Kindern nicht sagen, welcher Erwachsene hierzulande kennt schon japanische Philosophen? Konfuzius zumindest ist Chinese gewesen. Da besteht also eine Bildungslücke, nicht nur in puncto Schopenhauer.

Zwei Tage Manga und Anime – das hinterlässt geschaffte Veranstalter, die sich jetzt erst einmal ausschlafen und dann fürs nächste Jahr planen – Verrückte eben. Aber die Welt würde sicher besser sein, wenn es mehr solch friedlich Verrückte gäbe!


Unsere Bilder zeigen:

Das Con-Logo
kostümierte Besucher
den japanischen Konsul aus Frankfurt
ermatteter Fan

Die Podiumsdisskussion gibts auch als RealPlayer Stream zum anhören.