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Erschienen
KZ-Schergen im Streik
07/2003
Was für ein Monat! Zuerst reiten die Wessis ihre geliebten ostdeutschen Schwestern und Brüder mit ihrem aberwitzigen Streik mal wieder so richtig in die Scheiße, dann müssen wir unseren beliebtesten TV-Moralapostel als an ein Sodom und Gomorrha aus Koks und Nutten verloren abhaken. Und zum Schluss attestiert uns Pate Berlusconi unser schauspielerisches Talent, wenn er uns für die Paraderolle des KZ-Schergen empfiehlt. Was für ein Monat!

Aber von vorn: Es ist schon ein besonders eindrückliches Beispiel für die Funktionsweise der Marktwirtschaft, wenn man einen Arbeiter- und Bauernstaat erst so richtig an die Wand fahren lässt, damit man ihn sich anschließend für 'n Appl und 'n Ei unter den Nagel reißen kann. Dann treibt man durch konsequenten Reformstau die Arbeitslosigkeit auf Werte jenseits der 20 % bei gleichzeitiger Kürzung der Sozialleistungen. Und um die Demütigung perfekt zu machen - für Perfektion sind wir schließlich bekannt - vernichtet man zum Schluss konsequent auch die letzten Arbeitsplätze; natürlich nicht, ohne gleichzeitig über die angeblichen Sozialschmarozer abzulästern. Wie brachte es dereinst unser aller Kanzler mit treffenden Worten auf den Punkt: "Es gibt kein Recht auf Faulheit in dieser Gesellschaft."

Ein Recht auf Dummheit scheint es aber zu geben. Jedenfalls fällt kaum eine andere Erklärung für die systematische Verrücktheit, die sich vor wenigen Wochen noch vor Ostdeutschen Betrieben abgespielt hat: Da werden wegen der mangelnden Streikbereitschaft der Ossis eigens extra aufgebrachte Massen herbeigekarrt, die - in bayrisch-fränkischem Akzent - für die Rechte der ostdeutschen Mitarbeiter eintreten und ganze Werke dicht machen. Beim friedlichen Fahnen-Schwenken ist es allerdings nicht geblieben. Ganz im Gegenteil mussten sich die Arbeiter vor Ort, die so gar keinen Streik-Bedarf gesehen haben, von den finanziell gut abgesicherten Wessi-Streikposten dafür beschimpfen lassen, dass sie versucht haben, ihre Arbeitsplätze zu retten. Wessi zwingt Ossi zum Glück - dass man sowas noch erleben darf. Schade nur, dass Gewerkschafts-Boss Peters, der gerade in seinen Karriere-Herbst einbiegt, dabei eine ähnlich peinliche Figur machte, wie ein Pfadfinder, der einer älteren Dame über die Straße hilft - auch wenn die nicht will. Manchmal kommt es anders, deshalb war es nichts mit dem großen Gewerkschafts-Sieg. Die organisierten Genossen mussten - zugegebenermaßen etwas gewaltsam - gezeigt bekommen, dass Dummheit Grenzen kennt. Glücklicherweise.

Tja, dann die Sache mit Michel Friedmann. "Weiße Nase, statt weißer Weste" - das ist hart! Damit ist der moralische Niedergang der Republik besiegelt. Wenn selbst Friedmann Dreck am Stecken hat! (Für unsere Freunde von der Korinthenkacker-Front: Dieser Satz war nicht bildlich zu verstehen - Prostituierte bringen menschlich bisweilen deutlich mehr Größe mit, wie ihre Kunden, die ja bekanntlicherweise gerne aus den gehobenen politischen Kreisen kommen.) Da muss sich ein armer bescheidener Mann plötzlich diese Häme gefallen lassen - inklusive Gerichtsakten, die beim Pizzabäcker Korrektur gelesen werden. Immerhin waren es nicht die Staatsanwälte, denen die Panne passiert ist, sondern Friedmanns eigener Anwalt. Der steht immerhin noch treu zum ehemaligen Schlächter der Worte. Ganz im Gegensatz zu Lebensgefährtin Bärbel Schäfer. Die hat den Eindruck, dass ein Paar Huren zwischen ihr und Michel stehen - kann sie ja gleich in ihrer eigenen Talkshow auftreten: "Mein Freund hat mich verlassen und was haben die eigentlich, was ich nicht habe?!"

Die Deutschen sind Schweine - das bekommen wir schon mehr als 50 Jahre täglich gesagt. Aber dass es jetzt plötzlich nicht mehr die Israelis sind, die uns wann immer sie Zeit haben zwischen zwei Palästinensern, die sie mit Raketen und Granaten beschenken müssen, permanent aufs Brot schmieren, dass wir elende Verfolger sind, das ist heftig: Gerade die Italiener, die sich ja "seinerzeit" absoluten Ruhm verdient haben, kommen mit einem an Impertinenz kaum noch zu übertreffenden Spruch. Da hat Silvio Coleone Berlusconi seine EU-Ratspräsidentschaft ja perfekt angetreten. Man darf also gespannt sein, was diesen Monat noch auf uns wartet - Kriegserklärung oder Badestrand?


Egal, Hauptsache der Stoff geht nicht aus.