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Kazo Koike / Gôseki Kojima
Erschienen
Lone Wolf & Cub
Band 1
09/2003
Panini Verlags GmbH, Nettetal
ca. 300 Seiten / EUR 9,99
Das ist ein Klassiker!! Okami ist ein ehemaliger Samurai der mit seinem Kind und einem Leiterwagen durch das Japan des 17. Jahrhundters reist. Er ist ein Auftragskiller und setzt auch immer wieder seinen unmündiges Kleinkind ein, um seine Aufträge zu erfüllen. Die Extremen gehen aber weiter, denn abgetrennte Gliedmaßen und eindeutige Sex-Szenen sind diesem Comic nicht fremd. Lone Wolf & Cup ist ein Manga, aber ganz bestimmt keine Unterhaltung für Kinder. Statt dessen werden im ersten Band in neun in sich abgeschlossenen Kapiteln, harte aber intelligente Geschichten um Ehre, List und auch Heimtücke erzählt. Es erinnert einige Male an Geschäfte mit dem Teufel, denn nicht immer erhalten die Auftraggeber genau das, was sie sich vorgestellt hatten. Okami erfüllt seine Aufträge manchmal unblutiger als geplant. Er setzt sein Wissen um politische Zusammenhänge und moralische Pflichten ein, um einem größeren Ziel zu dienen. So erfährt der Leser eine Menge über japanische Geschichte und Traditionen. Kampftechniken, das Wissen um sie, und militärische Strategien stehen häufig im Mittelpunkt der Geschichten. Zu Beginn erscheint die Figur des Okami noch sehr linear. Seine Herkunft ist zunächst noch unbekannt und das macht ihn nur noch interessanter. Doch mit jedem Kapitel wird der Charakter intensiver und facettenreicher geschildert.

Die Zeichnungen sprechen die selbe klassische Sprache, mit der auch die Story überzeugt. Unspektakulär und eher einfach, so ist der erste Eindruck. Und auch im Laufe der fast dreihundert Seiten des ersten Bandes erweisen sich die Bilder nicht nur als funktionell, sondern können immer wieder durch präzise wenn auch zurückhaltend präsentierte Striche faszinieren. Das wird das erste Mal deutlich, als Kojima eine Herde durchgehender Pferde als genau das darstellen kann, was sie für die Story bedeuten: Eine todbringende Waffe. Gewaltige Muskeln und eine den Horizont ausfüllende Front erzeugen den Eindruck einer unausweichbaren Wand der Vernichtung. Fast spartanisch im Strich, ohne Grautöne, nur Linienschraffuren. Einfach und meisterlich.

Der Band wird durch Begriffserklärungen und einen Aufsatz über die politischen Hintergründe der Zeit komplettiert. Lone Wolf & Cup spricht nicht die bisherige Zielgruppe der Mangas an, dieser Comic ist für ein älteres Publikum gemacht. Die werden auch gut bedient, wenn sich sich nur auf die ungewohnte, dem Manga typische Leserichtung von „hinten nach vorne“ einlassen können. Nach der ersten unvollständigen Veröffentlichung bei Carlsen bringt nun Panini den einsamen Wolf und sein Junges auf den deutschen Markt. Auch in Amerika brauchte die Serie einen zweiten Anlauf. Bei den Italienern sind die Mangas immer etwas teurer, aber dreihundert Seiten für zehn Euro sind immer noch fair. Da hatte Carlsen vor knapp zehn Jahren noch ganz andere Preise.


Hoffentlich findet die Serie nun endlich die Anerkennung, die sie verdient. Größtes Hindernis wird das Vorurteil der älteren Leser gegen das Prädikat „Manga“ sein. Aber Lone Wolf & Cup ist einer der wenigen Beweise dafür, das Manga weit mehr ist, als der bei uns gut vertretene Manga für Kinder und Jugendliche.