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Erschienen
War doch alles nicht schlecht...
09/2003
Was erwartet den deutschen Fernseher, wenn die hirnerweichenden "Es war nicht alles schlecht"- Shows Quoten machen? Ein wild applaudierendes Publikum, wenn Thomas Gottschalk "Heil Hitler" ruft?

Sicher, es war nicht alles schlecht. Rotkäppchensekt und die Autobahnen, Blockwarte und Arbeiter der Woche, Hitlerjugend und FDJ – es war nicht alles schlecht. Die Idee der gleichgeschalteten Jugend hat sich ja auch bewährt. Und vor allem die Dummheit zieht sich wie ein rotes Band durch die Geschichte mindestens zweier deutscher Staaten. Und immer mit dabei der mündige Bürger. Es scheint, als läge das Glück dieser Erde auf dem Rücken der Pferde und in der Vollbeschäftigung. Ob irgend etwas Sinn macht oder nicht verkommt zum Schnörkel, und jahrelanges Klagen wird zur wohligen Erinnerung. Wenn das so weitergeht wird Schröder noch zum Superkanzler, aber erst, wenn er schon lang abgedankt hat - denn es war ja nicht alles schlecht.

Da fällt dem geneigten Denker auch noch die Mauer ein und der Todesstreifen, die waren ja wohl wirklich nicht schlecht, oder? Welcher Marketing-Depp hat eigentlich dieses deutsche Wahrzeichen abreißen lassen?

Wenn es nur der Konjunktur etwas besser ginge, dann könnten die Aktien wieder steigen, die Firmen immer noch Arbeiter entlassen, um die gute Konjunktur nicht zu gefährden, und man könnte mehr Mittel zum (Mauer)-Aufbau Ost bereitstellen. Endlich würden Ossis und Wessis Hand in Hand an einem großen Werk zusammenarbeiten. Das wäre doch wirklich nicht schlecht. Und in zwanzig Jahren kann man sich dann wieder in memoriam daran erinnern, als man noch Nachbarn aus Sachsen oder Dresden hatte. Eigentlich waren die ja auch nicht alle schlecht.

Erst wenn der andere Teil Deutschlands wieder mehr Medaillen bei Olympiaden gewinnen würde, täte es den Sofa-Sportlern etwas weh - aber man muss halt Prioritäten setzten.