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Francois Jullien
Erschienen
Der Umweg über China. Ein Ortswechsel des Denkens
10/2003
Merve Verlag, Berlin
194 Seiten / 13,60
"Über den anderen Globus", wie Leibnitz im frühen 18 . Jahrhundert über China schrieb, führt der französische Sinneloge und Philosoph Francois Jullien in das Denken und die Kultur des Reichs der Mitte ein. Warum China? Der Hochschullehrer nennt die Heterotopie, das Anderssein des Ortes, welcher bis in die jüngere Vergangenheit kaum Kontakte mit dem indo-europäischen Raum hatte und eine andere Form von Intelligibilität entwickelte als Hautgründe für seine intensive Beschäftigung mit China.

Julliens Intention geht aber weiter. Er möchte von Ostasien aus die Ausgangsbedingungen der europäischen Vernunft befragen und zitiert den Philosophiekollegen Levi Strauss, der die Lehre des Andersseins der Wahrnehmung von Außen als die von Innen prägte.

Schwerpunkt der Arbeit bleibt aber China. Der Autor arbeitet heraus, dass in China anders als im westlichen Denken der Individualisierungsprozess mit dem größeren Potential der gegenseitigen innerwestlichen Konfrontation im Vordergrund steht. China kennt eher das Allusive , Schräge , welches in Kategorien des Weges , Prozesses , Ablaufes denkt. . Ein Grund für das Allusive nennt Jullien zugleich . Es ist ein Vorgehen , welches durch seine Indirektheit dem Gelehrten die Möglichkeit bietet , Dinge zu sagen welches in einem Land das nicht in der Tradition der Redefreiheit steht sonst schwerer fallen würde .

Konfrontation und Harmonie sind wiederkehrende Themen in Julliens Buch . Der europäischen Vernunftidee mit ihrem Hang zur Modellbildung , dem Konkreten wird die Charakteristik der chinesischen Rationalität der inneren Kohärenz , der Regulierung der Dinge gegenübergestellt . Dies bedeutet , dass die chinesische Moral keine starre Regeln kennt und der Weise sein Verhalten dem Ablauf des Prozesses anpasst und reguliert.



Francois Jullien gelingt in diesem Buch : „ Der Umweg über China . Ein Ortswechsel des Denkens“ dem Leser auf verständlichere Weise in Denkgewohnheiten und Kultur Chinas einzuführen . Hilfreich auf diesem Weg des leichter Erfassbaren ist sicherlich der Aufbau des Buches . In neun abgeschlossenen Aufsätzen bzw. in Form von Interviews mit Jullien , die wiedergegeben werden ,ist der Philosoph durch das Frage –Antwort – Spiel in eine Position des Zusammenfassbaren gebracht worden . Auch die vielen Wiederholungen der Kernaussagen im Verlauf der Texte führen zur Verdeutlichung chinesischen Denkens . Kritikwürdig scheint meineserachtens die Thematisierung der Zielführung des Umwegs über China zur Wiederentdeckung und Erneuerung des europäischen Denkens . In dieser Frage bleibt Jullien schemenhaft und hat vielleicht noch nicht zu Antwortmöglichkeiten gefunden.


Wer sich für das chinesische Denken interessiert, sollte Francois Julliens"Umweg über China", erschienenen im Merve Verlag Berlin lesen.