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Erschienen
Pschyrembel - Wörterbuch Naturheilkunde
und alternative Heilverfahren
03/2001
Gondrom Verlag GmbH, Bindlach
324 Seiten / DM 19,80
Ausdrücklich an "Mediziner, Angehörige der Heilberufe und breite Kreise der interessierten Bevölkerung" wendet sich das bei Gondrom in Lizenz erschienene Nachschlagewerk zur Naturheilkunde und den sogenannten "Alternativen Heilverfahren".
In 3000 Begriffen wird versucht, ein umfassendes Bild zu zeichnen eines durchaus nicht unumstrittenen Zweigs der Medizin, der sich so ausdrücklich von der "Schulmedizin" abzugrenzen trachtet. Dabei, auch darauf weist das Vorwort besonders hin, wird die Erfahrungsmedizin seit Anbeginn des menschlichen Daseins betrieben und bildet bei genauerer Betrachtung eine feste Basis auch für die Schulmedizin. Große und bekannte Namen wie Hippokrates, Paracelsus, und natürlich der unangefochtene Wasserheilkunde-Papst Sebastian Kneipp sind mit den Naturheilverfahren eng verknüpft, obwohl sie nicht zwangsläufig im Widerstreit zur Allopathie gesehen werden dürfen. Das mag daran liegen, dass nach wie vor die Abgrenzung der Naturheilkunde zur Schulmedizin schwer fallen mag. Im vorliegenden Wörterbuch versucht man sich an einer Definition, nach der unter Naturheilkunde die "Lehre von der Behandlung und der Vorbeugung von Krankheiten unter Einsatz von der natürlichen Umwelt entnommenen und naturbelassenen Heilmitteln (physikalische Reize, alimentäre Faktoren, pflanzliche und auch natürliche Arzneistoffe sowie psychosoziale Einflussfaktoren)" zu verstehen sein soll, die im Gegensatz steht zur Schulmedizin als "Bezeichnung für die allgemein anerkannte und an den medizinischen Hochschulen gelehrte Medizin im sinne einer angewandten Naturwissenschaft". Das Roche Lexikon der Medizin, das sei ergänzend hinzugefügt, weist darauf hin, dass Naturheilverfahren auch von Nichtärzten durchgeführt werden dürfen.

Wie auch immer man sich persönlich zur Naturheilkunde stellen mag: Zweifelsfrei gewinnen alternative Heilverfahren deutlich an Boden; verunsicherte Patienten suchen dort ebenso Hilfe, wie Menschen, die der Schul- und vor allem der Apparatemedizin aus ideologischen Gründen skeptisch gegenüber stehen.

So mag sich das Wörterbuch letztendlich an vorrangig zwei Nutzerkreise wenden: Wie bei den Psychologen und Psychotherapeuten das grüne "Klinische Wörterbuch" zum Standard im Bücherregal gehört, so soll das auch bei Naturheilkundlern sein, wenngleich es mit seinen 410 Seiten natürlich nicht ganz so schwergewichtig daherkommen, wie der klinische Pschyrembel, der rund 1850 Seiten mehr ins Gefecht schickt.
Die zweite große Lesergruppe werden die Laien sein, die sich entweder selbst in Behandlung in einer alternativmedizinischen Praxis befinden oder die Grenzerfahrungen mit der Schulmedizin gemacht haben. Zur Orientierung also zunächst, dann aber auch zur Festigung des erworbenen Wissens.
Schließlich - und auch dieser Effekt sollte auf keinen Fall übersehen werden - ist es ebenso wie in der Schulmedizin wichtig, dass den "Göttern in Weiß" auf die Finger geschaut wird. Das aber kann nur, wer über die gängigen Verfahren und die eingesetzten Mittel orientiert ist.

So finden sich von der "Abhärtung" bis zur Zungendiagnostik die wichtigsten Schlagwörter naturheilkundlicher Lehre vereint; rund 200 Befindlichkeitsstörungen, Symptome und Erkrankungen werden in teilweise sehr ausführlichen Artikeln umschrieben und Behandlungsalternativen aufgezeigt.
In seinem Vokabular schafft der Naturheilkunde-Pschyrembel den schwierigen Spagat zwischen wissenschaftlicher Fundiertheit und guter Verständlichkeit in einer bemerkenswerten Art und Weise - übrigens weitaus besser, als das im Klinischen Wörterbuch der Fall ist. Das spricht für eine sehr effektive Zusammenarbeit zwischen der Wörterbuchredaktion und dem wissenschaftlichen Beirat, in dem sich übrigens auffallend viele Vertreter der Psychiatrie und Psychosomatik finden.

Gar nicht Pschyrembel-like allerdings hat man Abbildungen und Grafiken nur sehr sparsam beigegeben. Hierauf wäre der Anschaulichkeit zuliebe bei künftigen Überarbeitungen noch einmal ein größeres Augenmerk zu richten.

Ganz im Gegensatz dazu die Werbung. So findet sich die exakt gleiche Promotion für Pschyrembels Therapeutisches Wörterbuch insgesamt sechs Mal; das ist nicht nur störend, sondern auch absolut unnötig.


Der Pschyrembel Naturheilkunde ist in jedem Falle ein sehr praxisnahes Nachschlagewerk, das zwar - wir wagen dem Klappentext diesbezüglich zu wiedersprechen - nicht in jeden Haushalt gehören mag, das aber in jedem Falle dem interessierten Laien, vor allem aber den behandelnden Fachleuten wärmstens anempfohlen sei.