2017
 
 
 

Rezensionen

Editorial
Gästebuch
Archiv
Links
Kontakt

Suchmaschine

 
Weitere Artikel nach
Autor
Weitere Artikel nach
Titel

 

 

Drucken | Kommentar erstellen

_____________________________

Erschienen
Künstler mit bildreicher Sprache: Dieter Huthmacher in Hockenheim
10/2003
Er ist einechtes "Allroundtalent": Maler, Karrikaturist, Grafiker, vor allem aber auch Liedermacher, Lyriker, Poet. Daneben noch Produzent und Herausgeber – Dieter Hutmacher, der "be-geisterte" Multiprofessionelle aus Pforzheim macht im September/Oktober im Hockenheimer Rathaus Station. Die Rennstadt bietet in Zusammenarbeit mit dem Verkehrsverein seit vielen Jahren mit der Ausstellungsreihe "Kunst im Rathaus" bildenden Künstlern eine Plattform für ihre Objekte; inzwischen leider nur noch einmal im Jahr – vielleicht etwas dürftig in einer Stadt, die "mit Kunst im öffentlichen Raum nicht gerade gesegnet ist", wie Oberbürgermeister Gustav Schrank im Rahmen der Vernissage am vergangenen Sonntag mit Bedauern feststellte.

Diesmal also der Huthmacher. Ein Poet mit Charme und verschmitztem Humor, sowohl in der Musik, als auch in der bildenden Kunst. Ein Mann, der der Aufmerksamkeit, die er durchaus verdienen würde, mit seinen leisen, schelmischen Tönen fast ein wenig aus dem Weg zu gehen scheint. Den Respekt, den man dem Künstler entgegenbringt, kann man an der illustren Gästeliste ablesen: Zur Eröffnung kamen der ehemalige Hockenheimer Manfred Adelmann, der lange Zeit in verantwortlicher Position bei SWR2 war und die Ausstellung mitvermittelt hatte, der ehemalige Professor des Künstlers in der Kunst- und Werkschule Pforzheim, Prof. Werner Weißbrodt und die Werkeinführung hielt der Kulturdezernend der Stadt Calw, Prof. Uli Rothfuss M.Sc.

Dieter Huthmacher ist seit den 1970-er Jahren auf den Bühnen im ganzen Land unterwegs als ein feinsinniger, stets aber auch schlitzohriger Liedermacher. Als solcher hat er – vor allem im Duo "Die Huthmachers" - unzählige Preise abgeräumt und als Solist inzwischen sechs CDs aufgelegt. Auch seine malerisch-künstlerische Karriere war von frühen Erfolgen gekennzeichnet: 1970 erhielt er ein Stipendium der Akademie Rom "Villa Massimo", noch heute die größte und bedeutendste Einrichtung zur Förderung deutscher Künstlerinnen und Künstler durch Studienaufenthalte im Ausland.

Die vierzig Holzschnitte und Aquarelle, die ab sofort im Rathaus zu sehen sein werden, zeugen von der Hintergründigkeit, in der Huthmacher zu schaffen pflegt: "Er gestatet Äußeres und bringt sein Inneres hinein", so charakterisierte Rothfuss es. So entsteht beim zweifarbigen Holzschnitt-Zyklus "Hermann Hesse", den er für seine Programm "Nur ein Dichter wollt ich werden" mit Lieder über den bekannten Autoren abgedruckt hat, ein ganz anderes Bild von dem oft als eigenbrödlerisch und verschlossen dargestellten Literaten.

Fast immer ist Huthmachers Kunst gegenständlich; er versucht nicht den gewagten Tanz über den oft trügerischen Grat der abstrahierenden Botschaften, sondern lässt seine Aussagen klar und deutlich vor den Betrachter ziehen; dennoch wird er dabei nicht langweilig oder beliebig, sondern er fesselt ganz ohne die Mystik des Unerklärlichen – das ist eine Qualität, die in der Kunstszene gerade wieder Boden zu gewinnen scheint, die aber durchaus noch nicht wieder üblich geworden ist.

So lässt er in seinem Auqrell "Dorf, mit Kontakt nach oben" den hellen Strahl des Himmels auf die "Guten" fallen, spielt gerne mit den Verzauberungen der Optik, wenn er zwei "Hahnschreie" von der Seite zu einem "Eulenschweigen" vereint oder lässt den tumben deutschen Michel sich in "Stufe um Stufe wachsen" von Sockel zu Sockel aufschwingen – pikanterweise in einem Gamskostüm.

Am subtilsten aber seine Holzschnitte, denen das Karrikatureske nicht abgeht. Im "Fuchsdieb" kehrt er den alten Kinderreim vom "du hast die Gans gestohlen" einfach um, in "Richter und Partner" lässt er den irdischen Urteilsverkünder mit dem jenseitigen Unheilsverkünder (Teufel) zwiesprache halten, der "Jongleur" zeigt ein Huhn, das die Eigenen Eier durch die Luft wirbeln lässt und von was soll Schneck im "Schneckentraum" wohl nächtens träumen – von Schnecken-Wölkchen.

Es gelingt dem Künstler, seine ureigensten Wahrheiten an den Mann zu bringen, den Betrachter einzunehmen mit eben dem Versuch, gar nicht so einnehmend zu sein. Die Botschaft bindet, weil sie dem Betrachter die Freiheit lässt, selbst über Gut und Böse, Richtig und Falsch zu entscheiden.

Bedauerlich ist allenfalls, dass die das Ernsthafte betonenede Seite Huthmachers nicht so recht zum Vorschein treten will. Dazu ist der Betrachter doch etwas zu sehr mit Schmunzeln beschäftigt. Die zartfühlende, wenn nicht pessimistische, dann doch nachdenkliche und bisweilen auch etwas traurige Seite, die Dieter Huthmacher in den Liedern, mit denen er die Vernissage selbst umrahmte, durchaus anklingen ließ, gerät so zu sehr in den Hintergrund.


Bei dieser Gelegenheit muss auch angemerkt werden, was sich die Rennstadt mit dem Liedermacher, der eigentlich ein Konzert für den Sonntag Abend geplant hatte, entgehen ließ – es bleibt nur die Hoffnung, dass man den Poeten mit der bildreichen Sprache doch noch einmal nach Hockenheim ins Pumpwerk wird bewegen können.

Die Ausstellung ist zu den Dienstzeiten des Rathauses noch bis zum 10. Oktober zu sehen.

Die Homepage des Künstlers: www.doppelfant.de.