2017
 
 
 

Rezensionen

Editorial
Gästebuch
Archiv
Links
Kontakt

Suchmaschine

 
Weitere Artikel nach
Autor
Weitere Artikel nach
Titel

 

 

Drucken | Kommentar erstellen

_____________________________

Erschienen
Chefaufklärer in Sachen türkischer Kultur: Django Asül im Hockenheimer "Pumpwerk"
10/2003
Er ist bekannt aus dem Fernsehen, häufiger Gast beim "Quatsch Comedy Club" und bei "7 Tage 7 Köpfe" – und ist dennoch den Kampf mit der hiesigen Kerwe unterlegen: Django Asül, der waschechte Niederbayer mit dem türkischen Pass musste sich Ende September im Hockenheimer Kulturzentrum "Pumpwerk" mit einem recht schmalen Publikum begnügen. Und das, obwohl der erfolgsverwöhnte "Bajuwaren-Ali" nach vier Jahren "Hämokratie" heuer mit einem neuen Programm aufwartete. "Autark" will er diesmal mehr als schon zuvor sein und malt sogleich seinem Auditorium aus, was er damit meinen könnte: "Das Meer. Man kann immer Richtung Horizont segeln und kann nie in Thüringen ankommen!"

Wieder plaudert sich der "Chefaufklärer in Sachen türkischer Kultur" durch den Abend, fängt Geschichten an, um sofort wieder abzuschweifen, weil sie allein dazu dienen, seine grandiosen Gags wie an einer Perlenschnur aufgereiht zu präsentieren. Und im Zuges dieser humoristischen Juwelierarbeit bekommt zwangsläufig alles, was Rang und Namen hat, ein Brett: Uschi Glas wird mit ihrer "praemortalen Erotik" zu "einer Art Seniorenküblböck – wobei, der Küblböck ist femininer". Bush-Berater Rumsfeld bekommt ein "M" mehr – "passt besser zur Gesamtlage". Und Gerhard Schröder avanciert zur "Antwort der SPD auf Dieter Bohlen".

Dabei kostet Asül den Vorteil, dass er In- und Ausländer in einer Person vereinigt und sich so manchen Extra-Kommentar herausnehmen kann, weidlich aus. Im Gegenteil zu seinen Eltern, die inzwischen eingebürgert sind, hat Django keinen deutschen Pass. Dafür sieht die Mutter den ganzen Tag türkisches Fernsehen – "beschäftigt sich also mit fremden Kulturen" – und der Vater gibt anonyme Hinweise an die Ausländerbehörden. Aber er habe es ja selbst so gewollt: Immerhin seien die Eltern Mieter bei ihm "und ich wollt keine Ausländer drinhaben!" Unter dem Schutz dieses "Ausländerbonuses" ist viel möglich: Da begeht dann Ralph Siegel "musikalischen Völkermord", die "Achse des Bösen" verläuft von Bin Laden über Sharon zu Jürgen Fliege und die beiden einzigen Möglichkeiten, wie es mit Deutschland aufwärts gehen könnte, wären "1.: Neuwahlen oder 2.: Heckenschützen" – was soll man anderes erwarten, von einem Menschen, der in der jüdischen Synagoge in Berlin die Wachmannschaften fragt, "Waren schon viele meiner Palästinensischen Brüder da?"

"Humor ham die net!" so musste er angeblich seinerzeit feststellen – ganz im Gegenteil zu der fast schon frenetischen Begeisterung, die dem Weißwurst-Türken in der Rennstadt entgegenschlug. Dabei kam ihm vor allem zugute, dass er insbesondere im ersten Teil seines Programms ein wahres Feuerwerk an brillanten Comedy-Einlagen abfackelte: Mit Seitenhieb auf den Kollegen vom Centercourt – Asül schlägt sich selbst nebenbei als Tennisprofi durch – gibt er vor, weibliche Fruchtbarkeit werde schon in "Beckerell" gemessen, er erklärt den Pavlovschen Reflex: "Wenn was öfters passiert, dann kann es sein, das das mal vorkommt" und stellt – Alice Schwarzer zum Trotz – fest: "Ekstase ist, wenn man eine Frau zum Kochen bringt".

Leider werden die absoluten Kracher des Kalibers "In Bayern liegen die Begriffe Erziehung und fahrlässige Tötung nah beieinander" im zweiten Programmblock deutlich spärlicher und Vorschläge wie "Blind dates für Taubstumme" sind dann allenfalls "ein einziger Versuch der Schadensbegrenzung". Zumal sich auch der bereits in seiner Person bestehende Witz, dass ein Türke Niederbayrisch spricht, mit den Stunden deutlich verbraucht. Im Gegensatz zu einigen wackeren Dauerkicherern aus dem Publikum scheint sich Asül dieser Tatsache selbst Bewusst zu sein: "Sie müssen nicht immer lachen – manchmal will ich einfach nur was sagen", so sein trockener Kommentar.


Ein Fazit zu ziehen ist schwierig: Alles in allem ist Django Asül mit "Autark" einmal mehr ein großer Wurf gelungen. Eine etwas ausgeglichenere Verteilung der ohne Frage zahlreichen Glanzstücke auf beide Programmteile würde aber die längen im zweiten Block deutlich verringern.

Django Asül im Internet unter www.django-asuel.de