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Frédéric Boilet
Erschienen
Yukikos Spinat
11/2003
Ponent Mon S.L., Spanien
144 Seiten / € 14,-
Leise Liebesgeschichten sind selten. Boilet erzählt in einer Tagebuch-Manier von seinem Leben und seiner Liebe in Japan. Der französische Zeichner wurde von einem japanischen Verlag eingeladen, um dort einen Manga zu zeichnen. Das dieses Comic im Land des Lächelns nicht veröffentlicht wurde ist nur eine Randnotiz. Dennoch schwebt über der Geschichte eine fast Wertersche Freiheit, ohne Grenzen und ohne Aufgabe.

Der Leser wird voyeuristischer Zeuge. Yukiko heißt des Zeichners Muse. Sie ist aber in einen Anderen verliebt. Doch der ist für die Angebetete momentan nicht erreichbar. Das ist Boilets Chance. Und er ist erfolgreich. So darf der Betrachter mit Boilets Fingern über Yukikois nackten Körper streifen. Doch es endet nicht in der immer währenden Liebe. Der Band endet mit Boilets Gedanken und Erinnerungen, als er im Zug eine unbekannte Frau anspricht.

Zu Beginn beeindrucken die abgezeichneten Polaroids, doch der Fotoeffekt ist bald eben nur ein Effekt und verliert seine Wirkung. Statt dessen bemerkt man einige unnatürliche Gesichter. Ein lebendigeres Spiel mit Realität und dessen Wahrnehmung/Verfremdung wären auch der Geschichte angemessen gewesen. Eine vergebene Chance, und das verzeiht das Leben leider nicht.

Gelegentlich ist man amüsiert über die Probleme eines Menschen, der ob seiner französischen Herkunft des Buchstaben „H“ nicht mächtig ist. Aus dieser Tatsache erwachsen einige Wortwitze. Aus dem Bauchnabel wird ohne „H“ im Japanischen eben der titelgebende Spinat, oder aus dem Nachnahmen Yukikos ein Fuß. Nett aber nicht mehr.


So ist Yukikos Spinat ein leicht erotischer Blick in Boilets Zeit in Japan. Nichts weltbewegendes, aber vielleicht einen Tick zu persönlich. Man beendet das Buch mit einem angenehm bewegten und unterhaltenem Gefühl, mit einem Hauch der Scham, so tief in eine fremde und sehr real wirkende Welt eingedrungen zu sein.