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Erschienen
Bülent Ceylans "Döner for one" im Hockenheimer "Pumpwerk"
12/2003
Er ist eine illustre Mischung aus Kemal Öztürk und Hausmeister Krause, eine Kreuzung zwischen Dorftrottel aus Mannheim und Superman vom Bosporus: Bülent Ceylan gastierte Anfang November gleich zwei Mal vor ausverkauftem Haus im Hockenheimer Kulturzentrum "Pumpwerk".

Sicherlich: Wer Standup-Comedy anpreist, der geht nicht eben mit intellektuellen Höchstleistungen hausieren; aber ein Abend voll systematisierter Dämlichkeiten zum "Einfach mal nur Ablachen" kann doch auch ganz erholsam sein. Ceylan trifft nach gehörigen Erfolgen mit seinem Vorgängerprogramm "Produzier’ mich net" auch aktuell mit "Döner for one" wieder ins Schwarze seines zugegebenermaßen etwas speziellen Publikums. So schüttete sich auch Hockenheim aus über Wortspielereien im Sinne der animalischen Bordsteinschwalbe "Mach mir den Hengst, Du Sau!", brüllte sich weg über zwischen Fein-, Hinter- und Unsinn schwankenden Pointen wie "Der Mannheimer liegt nicht viel – weil er bodenständig ist!" und vermischte orgiastisches Schenkelklopfen mit frenetischem Applaus beim Ceylan-Song "In Mannem steht ein Wasserturm".

Auch wenn in "Döner for one" ohne jeden Zweifel eine gewaltige Portion "The same procedure as every year" mitspielt und ein gehöriger Teil der Gags nicht nur von einer durchaus hinnehmbaren Seichtigkeit, sondern von geradezu archaischer Abgedroschenheit geprägt waren, muss man Ceylan zumindest zugute schreiben, dass er sich nicht einfach auf der bloßen Kanack-Spraak-Welle ausruht, sondern auch andere Charaktere einbaut: Den tumben Mannheimer Prototyp "Harald", den er erstaunt darüber sinnieren ließ, warum eigentlich bei den Mannheimern "nur 98 % dafür verantwortlich sin, dass die restlichen 2 % so än schleschde Ruf hewwe", den typisch orientalisch angehauchten Geschäftsmann "Aslan", der eine Steuerprüfung allenfalls am "Ford Transit in die Hof" akzeptiert und ansonsten Schadenfreude über all diejenigen verbreitet, die - "Börsespesialist durch einmal lese Bild am Sonntag" – "gespendet habe ihre Sparbuch an die Telekom". Etwas stark vom Regisseur des Programms Geriet Schieske angehaucht der rabiate Klischee-Türke "Hasan", der nicht nur "kann Paranüsse knacke mit die Arschbacke", sondern der sich auch genüsslich auslassen konnte über den Grund für weiblichen Neid auf männliches Stehpinkelritual: "Fraue könne gar nix im sitze pinkle, … alla guud, in die Hallebad!"

Zwischen das insgesamt relativ leicht vor sich hinplätschernde Gemisch aus Parodie, Wortspiel und Kanack mischte Ceylan auch das ein oder andere echte Bonbon. Kurze Gedankensplitter nach der Machart "Arzt verliert Zulassung, weil er beim Sex mit mehreren Patienten erwischt wurde – Schade, war än guude Tierarzt". Darauf reagierte das Publikum mit größtmöglicher Heiterkeit und schaute ungemein gelassen darüber hinweg, dass aus Ceylans "Manchmal muss ich über meinen eigenen Scheiß lachen" eine Art Dauereinrichtung geworden war.


Man könnte also beruhigt feststellen: Zahlendes Publikum befriedigt - Mission erfüllt, Miss Sophie.



Weitere Informationen im Internet unter http://www.buelent-ceylan.com.