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Erschienen
Traurig sein, ohne die Hoffnung zu verlieren - Jazz- und Bluesfestival in Hockenheim mit "Boogaloos" und Karen Carroll
01/2004
Zum fünften Mal sind Anfang Dezember die inzwischen legendären "Jazz- und Bluestage" im Hockenheimer Kulturzentrum "Pumpwerk" über die Bühne gegangen. Der Freitag Abend war dabei voll und ganz der blauen Note gewidmet: Vor einer zwar recht überschaubaren Zuhörerschaft, dafür aber in einer selten dagewesenen entspannten Atmosphäre gingen mit "The Boogaloo Kings" echte Blues-Helden an den Start.

Die Formation um Sänger und Bluesharp-Spezialist Didi Metzger alias "Mellow Yellow" hatte zwar auch einige Titel "geklaut", die meisten aber aus eigener Produktion aufgetischt. Das alles in einem Sound, der Herzen reihenweise höher schlagen ließ: Mit etwas fetzigeren Titeln brachten die Vier zwar auch Leben in die Bude, aber ihre Slow-Motion-Blues-Nummern waren einfach unschlagbar: Die markante Stimme Yellows, der schon mit Künstlern wie Angela Brown, Aaron Burton und Louisiana Red zusammen musizierte, die Gitarren-Klänge des Wahnsinns-Spielers J.-C. Doo Kingue', der viel Spaß an ausgefallenen Soli und verspielten Läufen zu haben schien und sich auch gerne einmal zu einem violinenhaften Jaulen oder einem fröhlichem Tremolo hinreißen ließ, die gediegenen Schlagzeug-Rhythmen von Altmeister Colin Jamieson, der bereits 18 Tonträger aufgenommen und unter anderem mit Country Joe Mc Donald, Ted Herold und Bill Ramsey gespielt hat, und schließlich die leichtfüßigen Bassklänge des Mannheimers Phil Hartmann ergaben zusammen eine Mischung, die manch wohligen Schauer über den Rücken jagte. Einzig nicht ganz stimmig waren die Zwischenansagen Yellows: Das unmotivierte Schnoddern passte so gar nicht zwischen die herrlichen Musikereignisse, die stufenlos von nachdenklich-verhangenen über brilliant-klare bis zu dirty angegrooveten Nummern reichten.

Nach der Pause betrat mit Karen Carroll eine Legende des Chicago-Blues die Szenerie. Es war zwar nicht mehr ganz der alte Glanz ihrer Mutter Jeane zu spüren, die sich als Singer-/Songwriter einen strahlenden Namen gemacht hatte, aber Karen hatte ihr Publikum in einer begeisternden Art und Weise im Griff. Zusammen mit der Pianistin und Sängerin Lilly de Louis bot sie in der Rennstadt eine ganz eigene, sehr persönliche, sehr spirituelle und vor allem sehr markante Interpretation von Gospels und Spirituals wie "Born in Betlehem" und – zu Ehren der "Gospel Queen" Mahalia Jackson - "Glory Halleluja". Etwas bedauerlich, dass dabei der Mainstream die Programmatik diktiert zu haben schien: So dominierten die allseits bekannten, inzwischen vielleicht etwas arg strapazierten Titel wie "Down by the riverside" und "Amen" Carrolls Part. Dabei präsentierte sie aber durchaus auch Highlights wie "Just a closer walk with Thee" oder der beschwingt-fröhliche Titel "Somewhere listening". Insgesamt konnte Carroll, stimmlich wie körperlich voluminös, mit einer erdig-rauen aber warmen und in ihrer Reichweite ganz bemerkenswerten Tiefe und einer halsigen und etwas schrillen, dabei aber nicht unangenehmen Höhe überzeugen und fesseln, denn sie transportierte damit – übrigens auch vokalistisch nicht unwesentlich unterstützt von de Louis – Rhythm and Blues in Rheinform und in tiefbetrübten, nachdenklichen und leidvollen Titeln mit einem unfassbaren emotionalen Engagement, sodass diese dennoch nie hoffnungslos wirkten. Sie offenbarte mit ihrer Musik – wenn man über den wirklich peinlichen Drumcomputer und das etwas lieblose Gitarrenspiel hinwegsehen kann – die Kunst des Blues: Traurig zu sein, ohne die Hoffnung aus den Augen zu verlieren.


Als dann zum Abschluss die "Boogaloos" mit Carroll und de Louis gemeinsam noch mehr Drive, noch mehr Durchzugskraft auf der Bühne entfesselten, war zumindest im Publikum, das auch nach dem Abgang der Bühnenstars noch minutenlang weiter konzertierte, eines klar: "God has smiled on me, he’s been good to me!"



Weitere Infos im Internet unter http://www.theboogalookings.de und http://www.alligators-of-swing.de/Karen.htm