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Erschienen
"Ein Traum" für Knallinger-Verehrer
01/2004
Wer kennt nicht die leicht vertrottelt wirkende Stimme am Telefon, die schon gern mal beim Piercing-Studio anruft, um dem bissigen Köter ein Zungenpiercing zu verschaffen, beim Gärtner, um aus einem Adventskranz einen billigen Grabschmuck für den eigentlich gar nicht betrauerten Nachbarn zu machen oder beim Reifendienst, um die Silikonbrüste der Ehefrau wieder aufzupumpen? Comedy-Star Jochen Kneifeld hat seine Kunstfigur "Heiner Knallinger" inzwischen zu einer festen Größe hiesiger Prominenz gemacht: Bekannter als der Kanzler – oder zumindest beliebter. Der gelernte Rundfunkjournalist hat den verschrobenen Pfälzer 1992 aus der Taufe gehoben und – so machte es einstens schon Karl Dall – mit seiner Hilfe die Angerufenen in die skurrilsten Situationen bugsiert. In Rekordzeit errang Knallinger Kultstatus, an den keine andere von Kneifelds Figuren heranreicht.

Im August erst wechselte der Radiomann von seinem bisherigen Heimatsender SWR3, der ihn groß gemacht hatte, zum sendestärkeren Radio-Regenbogen; mehr Sendezeit und ein umfangreicheres Marketing-Angebot für die Kunstfigur Knallinger seien die Beweggründe gewesen. Dort ist er fester Bestandteil der "Morning-Show" und hat auch eine eigene Sendung – jeden Samstag gehen in "Total durchgeknallt" seine Spaßanrufe über den Äther. Regenbogen promotet auch seine Tour durchs Land für seine neue sechste CD "Total durchgeknallt live".

Die volksweite Knallinger-Verehrung war denn auch deutlich spürbar, als KneifeldAnfang Dezemberin der Hockenheimer Stadthalle Station machte: Die um den kleinen Saal und einen Teil der Wandelhalle erweiterte Stadthalle war gut gefüllt mit Fans, die bereits vor Beginn des neuen Programms wussten: "Der Abend wird ein Traum!"

So hatte Kneifeld es leicht, die Massen zu begeistern, die ihm auch auf abenteuerlichen Pfaden blind folgten; so waren die eigentlichen Show-Einlagen fernab der Telefonstreiche mehr oder minder bekannte Reproduktionen comedytechnischer Stereotypen: Der ordinäre DJ Dieter, der seit 20 Jahren auftritt, aber nur mit Gogogirls ebenso wie "Mario aus Mannem", dessen Freundin "Jaquelin" ihren Hund vorm "Penny" gefunden hat – "den hot do jemand ogebunne, der hot den loswerre wolle."

Dazwischen streute Knallinger aufgezeichnete Kurzversionen seiner Anrufe, die nun tatsächlich den gesamten Umfang seiner phantastischen Telefonitis dokumentierten: Ob er bei der Mobbing-Zentrale als Täter anruft ("Die fliege all wie die Migge"), beim Pudelzuchtverband als Pudel-Neu- und Bullterrier-Ex-Besitzer ("So än Pudl brauch ä gonz harti Hond") oder bei der Versicherung, um sein Auto vorne Voll- und hinten Teilkasko zu versichern – Knallinger ist und bleibt ein absolutes Ideen-Feuerwerk. Bedauerlich aber, dass die Anrufe den sonstigen Showeinlagen zuliebe derart gekürzt wurden, dass die eigentlichen Gags allenfalls rudimentär erahnt werden konnten. Aber dafür gibt’s ja die CD und als "Appetithappen" wars zumindest dem Publikum genug. Zumal auch einige Live-Anrufe zu hören waren: Bei der geduldigen Telefonauskunft beispielsweise oder beim Hockenheimer City-Car, das eine schöne Frau für den einsamen Tontechniker "aufreißen" sollte – und mit der hübschen Steffi aus Reilingen, die am Ende der Show vorgeführt wurde, auch konnte.

Wirklich bemerkenswert: Knallinger geht auf Tuchfühlung mit seinen Fans, flaniert auch mal durchs Publikum, ruft die Geschwister von Gästen an, lässt abstimmen und mitmachen; das ist ein guter und ein unterstützenswerter Ansatz, wenngleich die sagenhaft schlechte Tonanlage, die Knallinger quasi "im Handgepäck" selbst mitgebracht hatte, dieses Unternehmen nicht eben einfacher machte. Dennoch hinterließ er ein absolut begeistertes Publikum, das seine uneingeschränkte Knallinger-Liebe in tosendem Applaus aufbranden ließ.


Am Ende bleibt die Feststellung, dass eine Live-Show mit Telefongags einfach schwierig ist und der Rest von Kneifelds Comedy-Nummern teilweise äußerst seicht ausfällt. Oder um es mit den Worten des "10.000-Euro-Anruf"-Kandidaten aus "Ofdersche" zu sagen, der die Auswahl zwischen Einladung zur Live-Show und Tonträger hatte: "Dann würd ich mich für die CD entscheiden." Ich mich auch.



Weitere Informationen im Internet unter http://www.knallinger.de