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Erschienen
"The most beautiful voice" Lyambiko in Hockenheim
01/2004
Der zweite Teil der diesjährigen "Jazz- und Bluestage", die Anfang Dezember zum fünften Mal das Hockenheimer Kulturzentrum "Pumpwerk" in das vorübergehende Mekka der Musikbegeisterten verwandelte, brachte samstags mit dem Jazz-Teil Musik vom Feinsten und eine gehörige Überraschung: In den letzten 20 Jahren habe – das bestätigte auch Lothar Blank, der es als "Pumpwerk-Gründer" wissen muss - eine Jazz-Veranstaltung noch nie so viele Zuhörer in den Kulturtempel der Rennstadt gelockt wie das Konzert mit "Lyambiko" im Haupt- und Werner Goos und Knut Rössler im Vorprogramm. Tatsächlich war zwischen den dicht gedrängten Zuhörermassen kaum ein Durchkommen und die Stimmung produzierte zwar eine Luft zum Schneiden, aber dafür eine aufs Mitfiebern angelegte Offenheit, die ihresgleichen suchen kann.

Dabei wurde das Publikum hörtechnisch zunächst aufgebrochen: Der Funkjazz mit der Handschrift von Altmeister Werner Goos, einem wahrhaft begnadeten Virtuosen der E-Gitarre, der sein Instrument gerne bis an die Schmerzgrenze und bisweilen auch darüber hinaus ausreizt, und Saxophonist Knut Rössler, dessen freie Improvisation auch für Menschen, die dem Jazz wenig aufgeschlossen gegenüberstehen, zum echten Hinhörer wurde, avancierte zum perfekten Opener in einen Abend, der sicherlich einige neue Fans der inzwischen zur Nischenmusik zurückentwickelten Jazz- und Bluesszene rekrutiert haben dürfte. Mit verantwortlich dafür ohne Zweifel auch Drummer Joachim Fuchs-Charrier, der zusammen mit Bassist Daniel Kunz einen einfallsreichen und durchaus auch selbst schon fesselnden Hintergrund für die teilweise völlig losgelösten Freestyles von Goos und Rössler abgab.

Sicherlich aber der absolute Höhepunkt der diesjährigen Jazz- und Bluestage die nach Frontfrau Lyambiko benannte Formation, die die Süddeutsche Zeitung einstens schon "den Göttern des Jazz ganz nah" sah.

Tatsächlich ist die illustre Bühnengesellschaft eine unnachahmliche Visitenkarte für ihr Genre, die Barmusik der 40er und 50er, die mit einem deutlich coolen Touch im ersten Moment vielleicht unnahbar, bei genauerem Hinhören aber enorm fesselnd wirken kann: Am Piano der "american native" Marque Lowenthal, der - sein Instrument mal streichelnd, mal hämmernd - für höchste Spannkraft sorgt. In einer Art Odyssee aus Kroatien über Canada und China nach Deutschland gelangte der "meistbeschäftigte Bassist Berlins", Robin Draganic, an die Seite von Drummer Torsten Zwingenberg, mit dem er nicht nur in dieser Truppe ein Rhythmusduo bildet. Diesem ist es zu verdanken, dass das für die Atmosphäre so bestimmende Moment von Rhythmus und Dynamik in einer feindosierten, genau austarierten Mischung verabreicht werden konnte.

Keine Frage allerdings, dass im Zentrum allen Liebreizes bei dieser Combo die samtig-weiche, in ihrer Modulation so überaus biegbare Stimme der Deutsch-Afrikanerin Lyambiko steht; die erste Ausstrahlung, die die Sprödigkeit von Sabine Christiansen durchaus in den Schatten zu stellen in der Lage ist, scheint Teil der Show und ist längst vergessen, wenn sich der erste Ton wie eine süße Erinnerung in den Gehörgang eingegraben hat: Diese Stimme ist ein Sonnenaufgang an einem nebligen Novembermorgen, die den Eindruck vermittelt, sie sei von den Fesseln biologischer Ausstattungen völlig losgelöst und frei. Dabei ist sie als durchzugsstarke "Röhre" ebenso überzeugend, wie als zart schmelzende vokalistische Streicheleinheit. Sie verdient ihr Prädikat "The most beautiful voice in swing, latin and soul jazz" wirklich uneingeschränkt.


Bleibt am Ende der Dank an die Sponsoren Rhein-Neckar-Kreis und Eichbaum-Brauerei, die in diesem Jahr also nicht nur ein herausragendes musikalisches Ereignis ermöglicht haben, sondern eine Sternstunde des Jazz in der Rennstadt.



Weitere Infos im Internet unter http://www.lyambiko.de