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Erschienen
Backstreet-Boys für Pseudo-Iren: "Paddy goes to Holyhead"
01/2004
"Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne", so grüßte unsere Zeitung in ihrer diesjährigen Weihnachtsanzeige ihre Leser. Dem Zitat von Hermann Hesse schien auch die Formation "Paddy goes to Holyhead" bei ihrem jüngsten Auftritt im "Pumpwerk" am vergangenen Samstag nacheifern zu wollen: Erstmals präsentierte man sich in einer völlig neuen Besetzung im Hockenheimer Musentempel. Das Publikum war den neuerlichen Eskapaden der Irish-Folk-Band mit gemischten Gefühlen teils gefolgt, teils hat man sich an die alten Idole gehalten: Nur rund 200 Besucher sprechen dabei auch in der Rennstadt eine deutliche Sprache und lassen einen Anschluss an ehemalige Erfolge nicht zu.

Seit Anfang des Jahres ersetzt der amerikanische Gitarrist und Singer/Songwriter Mark Patrick den bei den Fans äußerst beliebten Frontmann Harald Schmidt, der inzwischen mit einem Soloprojekt und einer neuen eigenen Band ebenfalls nur mit mäßigem Erfolg durch die Lande tingelt (http://www.paddy.de) – eine Art "Harald-Schmidt-Sterben" scheint 2003 um sich zu greifen. Daneben stehen der Fiddler Jens Kempgens, Bassist Wolfgang Ritter und Pianist Rüdiger Kist nun unter dem längst zum Markenzeichen gewordenen "PGTH" auf der Bühne. Aus wenigstens halbwegs "alten Zeiten" bleibt nur Drummer Kalle Spriestersbach übrig.

Um es gleich vorweg zu nehmen: Einem Großteil der Konzertbesucher hat sowohl der neue Look, als auch der neue Sound durchaus gefallen. "Gefallen" ist auch genau der richtige Ausdruck für den inzwischen mit "Red letter days" auch auf CD gepressten neuen "Paddy-Style", der kuschelweich gespült deutlich mehr am Mainstream orientiert ist: Alles geht, alles gehört dazu. Auf diesem Weg ist PGTH aber die authentische eigene Note abhanden gekommen – das dämpfte die Begeisterung einiger Besucher doch recht spürbar.

Die 1988 von Harald Schmidt gegründete Band konnte in wenigen Jahren zum unangefochtenen Stern am Irish-Folk-Himmel aufsteigen. Grund dafür war ohne Frage zum einen die ganz spezielle Bühnenshow, die die Urbesetzung mit Teufelsgeier Mathias Kohlmann (inzwischen beim etwas zweifelhaften Gothic-Dark/Wave-Folk-Projekt "Zuckerbrot und Peitsche") und Andreas Reich am Akkordeon bot. Vor allem aber der ganz eigentümlich charakteristische, erdig-naturbelassene Sound jener Tage, den PGTH durch alle Umbesetzungen durchzuhalten vermochte, war Glanzlicht und Aushängeschild. Eben dieser ist nun verloren gegangen: "Weichgespülter Folk-Pop" war über die Musik, "Backstreet-Boys für Pseudo-Iren" über die Band zu hören.

Tatsächlich fiel sofort der deutlich veränderte musikalische Grundcharakter auf: Afro-Rhythmen und sehr viel mehr Pop-Elemente glätten den einst so kantigen klanglichen Habitus. Vor allem "Klassiker" wie "The Dragon" oder die Paddy-Hymne "Here’s to the people" machen die Unterschiede ganz deutlich hörbar, die vor allem in der schlanken und weichen Stimme von Patrick und den deutlich zurückhaltenderen Fiddel Kempgens zu suchen sind. Daneben scheint der Sound insgesamt etwas unausgefeilt und breiig, was aber hauptsächlich an der Technik liegen dürfte, die ebenfalls nicht mehr in den Händen von Kult-Mischer "Pyro" liegt.

Dennoch bot auch dieser Life-Act einige Höhepunkte: Das sich recht traditionell gebärdende "Fill my Glas" und der traurig-schöne und dabei so hoffnungsfrohe Titel "Done 4 U", mit dem PGTH die Unterstützung für das Wiesbadener Kinderhospitz "Bärenherz" (http://www.baerenherz.de) verband.


Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass der "Zauber des Anfangs" der Formation sicherlich besser gelungen wäre, wenn man sich – spätestens mit dem Ausscheiden von Harald Schmidt - auch einen anderen Namen gegeben hätte. Denn die jüngste Version von "Paddy goes to Holyhead" ist nicht mehr, für was der Name steht.



Weitere Infos zur Band unter http://www.pgth.de