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Ernst Klee
Erschienen
Das Personenlexikon zum Dritten Reich
Wer war was vor und nach 1945?
02/2004
S. Fischer Verlag, Frankfurt/M.
736 Seiten / € 29,90
Die Bibliographie zum Nationalsozialismus umfasst zehntausende Bände und ihre Zahl schwillt alljährlich weiter an. Kein Zeitabschnitt in der deutschen Geschichte ist dermaßen umfangreich aufgearbeitet worden. Dennoch gibt es Bücher, die Standards setzen und für die Bibliographie zur NS–Vergangenheit in Zukunft unentbehrlich sein werden. Ernst Klees "Personenlexikon zum Dritten Reich" ist ein solches Standardwerk. Das Lexikon skizziert in 4300 Artikeln Personen, die im nationalsozialistischen Staat in Politik, Partei mit Gliederungen, Verwaltung, Kirchen, Justiz, Kultur, Medizin, Wissenschaft, Polizei und Wehrmacht Akteure waren und dadurch die Geschehnisse im Staate mitbestimmten. Es ist sozusagen das "Who is Who" des "Dritten Reiches". Alphabetisch angeordnet sind die Kurztexte sehr informativ mit Lebensdaten, Funktion im Hitlerreich, Einstellung zur NS-Ideologie. Bei den Personen, die den Umbruch 1945 physisch überstanden haben, zeichnet Klee auch den Lebensweg nach 1945 nach. Dies ist sicherlich die verdienstvollste Aufgabe dieses Buches und in dieser wissenschaftlichen Güte einmalig.

Klee schreibt selbst in der Einleitung, dass es manchmal schwierig zu verifizieren sei, ob die Schreibweise der Personen und die genauen Lebensdaten korrekt sind, da sie in den verschiedenen Akten nicht genau übereinstimmten. Gewisse Fehler können selbst Laien beim Durchblättern des Lexikons entdecken: Unter B. wie Bismarck steht bei den Enkeln des Reichsgründers, sie wären Nachkommen des Reichspräsidenten Otto von Bismarck gewesen - Bismarck war Reichskanzler, Reichspräsidenten gab es erst nach dem Ende der Monarchie 1918. Lektoren, Lektoren, was macht ihr nur? Artikel zu den bekanntesten Personen des NS-Staates wie Adolf Hitler sind eher kurz ausgefallen, während eine Person wie der Denker Martin Heidegger einen fast doppelt so langen Artikel in Anspruch nehmen kann.

Klee beschäftigt sich seit Jahren mit den Medizinern im Dritten Reich und hat damit bereits Maßstäbe gesetzt. Seine Artikel über die Mediziner sind entsprechend aufschlussreich. Personen aus der Kultur kommen in diesem Lexikon eher am Rande vor. Wer sich dafür interessiert, sei auf Carl Zuckmayer, "Geheimreport" aus dem Jahr 2002 verwiesen.

Im Anhang des Lexikons befindet sich ein ausführliches Literatur- und Abkürzungsverzeichnis.


Ernst Klee hat mit diesem Personenlexikon ein epochales Werk geschaffen. Der S. Fischer Verlag hat mit der Publikation dieses Meisterstücks bewiesen, dass er nach wie vor zu den führenden anspruchvollen Verlagshäusern unserer Republik gehört.