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Enki Bilal
Erschienen
32. Dezember
02/2004
Ehapa Verlag, Köln
70 Seiten / EURO 18,-
Kommentar:
Danke Ehapa! Nach der drastischen Reduzierung/Fokusierung auf Disney/Asterix/Lucky Luke des Comicprogramms war es nicht selbstverständlich, das der neue Bilal in der selben Aufmachung und Qualität bei uns in Deutschland veröffentlicht würde. Aber seit dem Sommer ist er da und schiebe die Lektüre dieses Comics vor lauter Ehrfurcht vor einem der ganz großartigen des Genres immer wieder vor mir her. Zu viel meiner Pubertät habe ich mit auch und vor allem seinen Comics verbracht. Die Art, an den politischen und menschlichen Zuständen Kritik zu üben haben mich immer begeister. Wie geht man an solch ein Schwergewicht heran? Zuerst habe ich den Band andächtig durchgeblättert. Dank der Verbindung des Computers mit der Stereoanlage muss man ja nicht alle Stunde die CD wechseln, also genügend Zeit sich ganz dem Vorgänger „Der Schlaf des Monsters“ und diesem Album zu widmen. Erst mehr als zwei Stunden später war ich begeistert und erneut erneut bei meinem Fazit der besprchung des ersten Teils „ ... ein ähnlich gutes Stück neunte Kunst wird man schwer finden.“




Dezember ist die Fortsetzung von „Der Schlaf des Monsters“ und der zweite Teil der aktuellen Trilogie des Zeichners/Autors Bilal. Wieder werden wir Leser in eine bizarre Welt der Zukunft entführt. Nich mehr ganz so düster wie in Teil eins, aber dafür ein Stück perfider.

Das Thema rund um die Adlerstätte, einem mysteriösem Artefakt auf der Erde, wird weitergeführt. Nike ist einer der zehn Zeugen, die sich in einer Höhle einige Knochen ansehen dürfen. Alle Zeugen, darunter viele religiöse Führer, haben danach die selben Fragen und zeichnen trotz unterschiedlicher zeichnerischer Begabung identische Bilder.

Ein weiteres Grundthema ist Dr. Warholes kranker Sinn für Kunst. Nike wird auf eine Vernissage eingeladen, die sich als inszeniertes Massaker herausstellt.

Die Geschichte ist wie zu erwarten spannend und schlüssig erzählt, das man zu Beginn nicht so richtig weiß, was Nike gerade tut hat eine Erklärung und zum Schluss gibt es nach einer fast wie ein Epilog wirkender Passage die Erinnerung daran, das es noch einige offene Fragen gibt.

Die Zeichnungen der beiden veröffentlichten Bände der als Trilogie geplanten Story wirken trotz der fünf Jahre, die zwischen ihnen liegt, wie aus einem Guss. Bilals Kreide-Technik ist einfach ein Hingucker. Seinem Stil treu bleiben und dennoch nicht sich selbst wiederholend – das schafft nicht jeder.

Neben dem scheinbar sehr wichtigem Accessoire Blut, das hier mal klebt, mal schwebt und mal spritzt, wird Bilals Affinität zum Thema Religion immer prägnanter. Schon früher waren seine Protagonisten gerne Bischöfe, aber da schienen sie eher augenscheinliches Zitat der unterschiedlichen Gruppierungen unserer Gesellschaft zu sein. Also gleichwertig neben Polizei und Politik. Schon in seinem schonungslosen „Sarcophag“ wurde die Rolle des Spirituellen auf eine besondere Stufe erhoben. Hier werden alltägliche Lebensweisheiten („Heckenschützen sind Arschlöcher“) neben philosophische Anstöße (die schrittweise Entleibung Warholes, Nikes Klone, der Tod als Kunstwerk) gestellt. Vielleicht ist das Dreigestirn der Hauptpersonen auch als klerikales Zitat gedacht.

Bilal gelingt es, das alles in einer schon lange nicht mehr gesehen Leichtigkeit in eine Abenteuer-Geschichte zu präsentieren. Spannend bis zum Schluss, nicht ohne gefühlvolle Atempause, ermunternder Verwirrung und nicht zu plattem Cliff-Hanger auf den letzten Seiten.


Trotz des hohen Preises und dem unverhohlenen Fortsetzungs-Charakter des Bandes pure Leselust.

Zum Vorgänger hatten wir auch ein immer noch lesbares Interview des Ehapa-Verlages veröffentlicht.