2017
 
 
 

Rezensionen

Editorial
Gästebuch
Archiv
Links
Kontakt

Suchmaschine

 
Weitere Artikel nach
Autor
Weitere Artikel nach
Titel

 

 

Drucken | Kommentar erstellen

_____________________________

Servais
Erschienen
Das Beil und das Gewehr Teil 1
02/2004
epsilon Verlag Mark O. Fischer, Pinneberg
56 Seiten / EURO 10,-
Ruhig ist das erste Adjektiv, das dem Leser nach Anschauung dieses Comics in den Sinn kommt. Es lebt von seinen Naturdarstellungen. In diesem Punkt ist der Zeichner Servais mit Auclair zu vergleichen. Und dieses Comic beginnt auch gleich mit einem unberührten Wald, Rotwild und einem aufgescheuchten Vogel.

Warum weint das junge Mädchen, das von einem alten Mann in eine einsame Hütte getragen wird? Die Mutter des Mannes scheint viel zu wissen. Sie leitet auch den Sprung in die Vergangenheit mit dem Blick auf ein Hochzeitsfoto ein. Der Leser nimmt in einer fast unbeteiligten Art und Weise an einer verwickelten Geschichte um Zigeuner, Nazis, Liebe und Geld teil. Sie wird ohne richtigen Spannungsbogen erzählt, was aber seltsamerweise nicht langweilig wirkt. Servais malt ein Sittengemälde des dörflichen Belgien in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts. Eine Frau kostete drei Hunde, eine Badewanne war eine Sensation und Urin kann man als Hefeersatz einsetzen. Neben der Geschichte einer Handvoll Menschen sind die Nebensächlichkeiten fast das Interessanteste an diesem Comic. Die Nazis sind hier nicht in der Rolle des Urbösen, sie nehmen eigentlich nur Komparsenrollen ein. Das ist mal wirklich erfrischend anders.

Aber wie schon geschrieben, es sind die Naturdarstellungen, die faszinieren. Mit den Menschen hat es der Zeichner nicht so. Die wirken alle etwas steril und ein paar Mal mischt sich auch eine falsche Perspektive in die ansonsten fast akribisch wirkenden Bilder.

Es geht um einen Mord, zumindest geht die Polizei von einem Verbrechen aus. Der in ärmlichen Umständen groß gewordene Robert heiratet die wesentlich ältere Marie-Astrid. Sie verfügt über genügend Geld, um ihm ein Leben in bescheidenem Luxus und ohne Arbeit zu sichern. Doch dieses Leben macht den Mann aus dem Wald trübsinnig. "Was macht das schon", scheint sein Leitspruch geworden zu sein. Dann ist die alte Frau plötzlich verschwunden. Hat Robert sie umgebracht?

Die Übersetzung hat einen steifen Charakter und ist an einigen Stellen nicht schlüssig. So ist von einem Schäferhund die Rede, obwohl die alte Frau einen Jagdhund besaß. Auch sind die Zeiten im Polizeiprotokoll nicht richtig. Aber das kann ja ein Fehler des Beamten gewesen sein.


Dieses Comic ist die Antithese zum Action-Genre. Nicht ohne seine eigenen Reize und angenehm ungewohnt. Epsilon macht mit dem Zweiteiler "Kaffee mit Milch" von Servais weiter, Teil zwei der vorliegenden Geschichte kommt später. "Das liegt an der kostensparenden Gemeinschaftsproduktion", so die Aussage des Verlages. Wir bedanken uns für die Antwort aus erster Hand.