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Erschienen
Moebius Ausstellung in Karlsruhe
Von Comiclegenden, Comicfans und durstigen Studenten
02/2004
Badischer Kunstverein, Karlsruhe
Die Eröffnungsrede (ca. 10 min) als RealPlayer-Stream
Knigges Vortrag über Moebius als RealPlayer-Stream (ca. 20 min)


Am Freitag, den 16 Januar, wurde die Ausstellung „Welten“ mit Exponaten des Comic-Künstlers Jean Giraud aka. Moebius in Karlsruhe in den Räumen des Badischen Kunstvereins eröffnet.

Wer ist dieser Jean Giraud? Ein Comic-Gott! Seine Westernserie „Leutnant Blueberry“ gehört zu dem Besten, was die neunte Kunst zu bieten hat. Als Moebius gönnt er sich die Freiheit, auch mal abstruse oder auch mal völlig sinnlose Geschichten zu veröffentlichen.

Die Ausstellung zeigt aus allen Sparten seines Schaffens Werke. Original-Comic-Seiten, eine Serie von fertigen Albumseiten, großformatige schwarz/weiß Bilder voller ornamentaler Texturen, abstrakte und enorm plastische Farbklumpen und vor allem seine Carnets.

Das beeindruckenste ist der große Raum im ersten Stock. Auf den ersten Blick fast leer, nur die Wand mit den beiden Eingängen bieten einige aufgehängte Bilder. Das Wichtige hier zeigt sich erst auf den zweiten Blick: In der den Raum umgreifenden Abbmauerung liegen die Einzelblätter von Girauds Carnets. Kleine Kunstwerke, die schnelle skizziert erscheinen und dennoch die grafische Größe des Franzosen proklamieren. So ist der Besucher gezwungen, den ersten Eindruck – sei es die des leeren Raumes oder die des vermeintlich trivialen Medium Comic – zu überwinden und sich den Werken absichtlich zu nähern.

Girauds Bilder sind von einer erkennbaren Handschrift, aber bei weitem nicht austausch- oder vorhersehbar. In Frankreich arbeitete er beispielsweise an einer Spezial Nummer der Zeitschrift Geo mit, in der Comiczeichner Landschaften porträtierten. Nicht nur einfache Landschaftsbilder sonder zumeist liebevolle Huldigungen an die Menschen in ihrer heimischen Umgebung. Auch die dabei entstandenen Aquarelle sind Teil der Ausstellung, genauso wie drei Fernsehmonitore, auf denen in Videos dokumentiert wird, wie Girauds Enbtwürfe für die Filme „Tron“, „Abyss“ und „Das fünfte Element“ umgesetzt wurden.

Die Besucher der Vernissage wurden durch einen Vortrag von einem Elefanten des Genres in das Thema eingeführt. Andreas C. Knigge, Verleger und Autor, referierte in lockerer Art über das Werk Girauds. Hier vermisste man den Franzosen, der sich später – als das nur zum kostenlosen Wein gekommenen Laufpublikum sich zur Tränke begeben hatte – ausführlich einer kleinen Gruppe an Interessierten auslieferte. Auch nach dem fast zweistündigen Signiertermins am Nachmittag signierte der sechsundsechzig Jährige fast vergnügt wirkend Ausstellungskataloge und Geldscheine.

Zum Ausstellungskatalog: Es ist ein A5 großer Hardcoverband mit vielen zum Teil farbigen Abbildungen und drei längeren Aufsätzen von namhaften Autoren. Die Strichzeichnungen wirken in diesem Format sehr gut. Leider kann man das von den farbigen Seiten nicht sagen. Das holzhaltige Papier sorgt zwar für einen edlen Habitus, die in den Originalen so lebhaften Farben werden aber leider gebrochen. Wie durch eine zu dunkle Sonnenbrille trauern die in der Ausstellung so erfrischenden Bilder fremdartiger Welten zu traurigen Farböden.


Die Ausstellung läuft noch bis zum 07.03. 2004 in Karlsruhe. Einmalig, sehenswert und vielleicht lesen nach dem Besuch ein paar mehr Menschen Comics oder haben zumindest eine etwas erweiterte Meinung zum Thema Comic. Denn Comics sind ein Abbild der Literatur: Mal bedeutsam, mal einfach nur unterhaltend und manchmal sogar innovativ.

Unsere Bildergalerie zeigt Impressionen der Vernissage

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Die Bildergalerie: