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Erschienen
Gemütlich "än Schobbe zobbe" - Pfälzer Comedy-Duo "Spitz&Stumpf" im "Pumpwerk"
03/2004
Seit Jahren schon schnorrt er sich durch, der cholerische Friedhelm "Friedel" Spitz, ehemaliger Abteilungsleiter bei der "Anilin", der inzwischen aber alle BASF-Phasen durch hat: Nach "Basic Manager" (Lehrling), "Assistant Manager" (Handlanger) und "Support Director" (Fahrzeuginstandhaltung in der Waschstraße) macht er nun ganz auf "Frühpensioniert" – genug Zeit also, um seinem besten – und wie dem bedachten Zuschauer bald aufgeht einzigen – Freund Eugen "Eicheen" Stumpf, seines Zeichens Weinbauer, Winzer und bester Abnehmer in Personalunion, weniger mit Tat als vielmehr mit Rat zur Seite zu stehen, respektive auf die Nerven zu fallen.

Als Duo "Spitz&Stumpf" gastierten die beiden Originale, die das ehemalige Schimpfwort "Pfälzer" wieder zu einem Prädikat gemacht haben, am letzten Abend des Januar im vollbesetzten Kulturzentrum "Pumpwerk" in Hockenheim, wo sie mit ihrem Programm "De Deiwel will’s" die ganze Bandbreite Pfälzer Seele vor dem erstaunten und begeisterten Publikum entfalteten: "Dischbediere" und dabei gemütlich "än Schobbe zobbe".

Bernhard Weller alias Spitz ist dabei der Kopf des Ganzen: Der Schauspieler und Regisseur, der ehemals aus Stuttgart zuwanderte, gibt in einer erstaunlich authentischen Weise den cholerischen Besserwisser, aber auch den paranoiden Angsthasen, der gleichzeitig gerne aufschneidet, während Götz Valter als Eugen eher den treudoofen aber mitunter bauernschlauen Antagonisten mimt und dabei inzwischen eine derart lebendige Mimik entfaltet, dass man sich bisweilen an den Gesichtsakrobaten und "Meister des dummen Gesichts" Albin Braig erinnert fühlt – erst im Zusammenspiel entfaltet sich das unterhaltsame und komische Moment dieser Paarung.

Weit über zwei Stunden erzählte das Duo Geschichten vom "Schorsch", der "kommunale Gerüchteschleuder", von der "Mathild", dem "Hoina, dem Owwadummbabbler" und vor allem dem "Paul", dem Ringer aus Schifferstadt, der dem Friedel an den Kittel will – "alles Seeschbeidl".
Spitz bringt sich an die Grenzen zum eigenen Herzinfarkt, als er mit hochrotem Kopf die "Handyritis vum Hoinz" nachexerziert, der erst kürzlich nach einem "Abruf in Anwesenheit" das Ladekabel für immer aussteckte.
Eugen singt sich in der Manier von Hans Mosers "Reblaus" in sein früheres Leben als "Woimiggl" ("Weinfliege"). Überhaupt sind die Lieder ein fester Bestandteil im Bühnenschaffen der beiden Mundart-Comedians: "Mit’m Schobbe Woi werds glei annerscht soi" und der italienische Hit "Latte frecco", bei dem Friedel als "Pälzer Ramazotti" eigentlich nur den Text von einer Milchtüte absingt, sind strahlende Beispiele dafür.

"Spitz&Stumpf" ist Mundart-Kabarett vom Feinsten, eine gelungene Mischung aus Schauspiel, guten Texten und eine exakt abgestimmte Prise Slapstick: Ungekröntes Highlight dabei die jüngste Sendung des Hobby-Biologen Eugen bei "Südpfalz-TV Büchelberg" (sprich: "Bischlbersch"). In der Folge "Wickler und Spanner" befasst sich "Stumpfs Tierleben" auf ganz spezielle Weise im unfreiwilligen Selbstversuch mit dem von Friedel neu entwickelten - weil selbst bei der "Anilin" geklauten - Sexuallockstoff "Spitzo Sexon": "Für den menschlichen Orgasmus völlig ungefährlich" aber durchaus in der Lage, zwei an sich brave Pfälzer in rasende "Weibscha"-Jäger zu verwandeln.


Kein Wunder also, dass das begeisterte Publikum am Ende des Programms frenetisch Zugaben forderte – und dann mit dem Schlager "Duddesupp" noch einmal ein weiteres Highlight erlebte.



Wer den Auftritt verpasst hat, kann ihn am 04. und 05.02. im Alten Stadtsaal in Speyer nachholen. Für Spitz&Stumpf-Einsteiger ist der Zusammenschnitt aller bisherigen Programme als "Cuvée" empfohlen, der am 20.02. im Mannheimer "Schatzkistl" gegeben wird. Und für alle eingefleischten Fans schließlich bleibt bis zum Start des neuen Programms am Ende diesen oder am Anfang nächsten Jahres die Homepage unter http://www.spitzundstumpf.de.