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Erschienen
Hier wird anständig gehext!
03/2004
Als uneingeschränkter Garant für fröhliches Kinderlachen und spannende Musikunterhaltung hat sich das Kölner Musical-Theater "Cocomico" in der Rennstadt bereits seit Jahren mit Aufführungen mit Janoschs Traumduo kleiner Tiger und kleiner Bär, mit Pipi Langstrumpf und mit dem kleinen Eisbären bewährt. Nun lockte das Musical zur erfolgreichen Kinderbuchreihe "Bibi Blocksberg" Anfang Februar erneut weit mehr als 600 Kinder, Mütter und Väter in die Hockenheimer Stadthalle und bescherte ihnen damit rund zwei Stunden uneingeschränkt gute Laune und riesig Spaß.

Bibi Blocksberg ist die berühmteste kleine Hexe Deutschlands und erlebt diesmal zusammen mit ihrer Hexenfreundin Schubia eine turbulente Geschichte: Nach einem verzwickten Vormittag in der Schule erfährt sie von der Klatschreporterin Karla Kolumna, dass der Bürgermeister Schloss Klunkerburg in ein Luxushotel für kinderlose Paare umbauen will. Das geht natürlich nicht! Vor allem, weil das alte Gemäuer ein beliebter Treffpunkt für die Hexen ist – und der Lieblingsspielplatz von Bibi und ihrer wilden Hexenfreundin Schubia. Den Traum vom Dienstwagen und dem schönen Geld im Stadtsäckel wollen die beiden Junghexen dem Bürgermeister austreiben – gegen den Rat der "ollen Schrumpelhexen" von der "Traditions-Union", Walpurgia und Mania.

Klar, dass sie sich dabei nicht immer an die Ermahnungen von Mutter Barbara - "Entweder wird hier anständig gehext, oder gar nicht: Nicht zum eigenen Vorteil und vor allem nicht einfach draufloshexen – sonst passiert noch was!" - halten können. Bibi und Schubia zaubern die seit 333 Jahren nach einem Superhexenspruch im Schlosspark herumstehende versteinerte Hexen-Rebellin Coronaria wieder frei – die dann aber nicht nur dem Bürgermeister gewaltig einheizt, sondern auch den beiden Jungehexen und Bibibs zur Hilfe herbeigeeilten Mutter mächtig Ärger macht. "Was haben wir getan? Wen haben wir befreit?" sind Einsichten, die ein wenig spät kommen.

Aber wie sollte es anders sein: Am Ende löst sich der ganze "Schrotthaufen voll Problemen" in Wohlgefallen auf. Die "Gruselgranate" Coronaria wird ganz sanft, als der Bürgermeister – nachdem er selbst kurz versteinert worden war –verspricht: "Schloss Klunkerburg bleibt, wie es ist und war – aber nur, wenn ich auch so bleiben darf, wie ich bin und war!"

Wie bereits die vorherigen Musical-Inszenierungen speist sich auch der Erfolg "Bibi Blocksbergs" aus drei Quellen: Ein einfallsreiches, buntes und vor allem wandlungsfähiges Bühnenbild, eine engagierte und bewegende Besetzung und mitreißende, abwechslungsreiche und dennoch leicht zugängliche Musik.

Letztere stammt aus der Feder von Cocomicos Haus-Komponist Uwe Vogel. Er mischt das Mitmachlied "1-2-3, kommt alle herbei" mit dem marschartigen "Wir Hexen brauchen unsere Tradition" und dem Rap "Bibi und Schubia legen los" und begeistert damit Kinder und Erwachsene gleichermaßen.

Auch in den Hautrollen finden sich alte Bekannte: Alexandra Gehrmann als Bibi brilliert mit einer vorwitzigen, natürlichen Art, Claudia Brand gibt die aufrührerische Schubia mit rebellischen Forderungen und Vorwerk-Fluggerät und Natascha Cham, die zuletzt im "Kleinen Eisbären" die Hauptrolle übernommen hatte, ist mit Bibis Mutter Barbara ins Erwachsenenfach gewechselt. Wie immer war auch ein buffohaftes Highlight eingebaut: Malcolm Walgate spielte den leicht trotteligen Bürgermeister mit beachtlicher Leichtfüßigkeit.

Dabei gelingt es dem Ensemble ganz hervorragend, die im Trickfilm so leicht zu realisierende Hexerei auch auf der Bühne gekonnt in Szene zu setzen: So wächst der Lehrerin Frau Müller-Riebensehl ein Elefantenrüssel, die Hexen scheinen wirklich durch die Lüfte zu fliegen und wer versteinert ist, der scheint eine wirkliche Statue zu sein.


Wieder einmal ist Cocomico ein perfekter Coup gelungen, der nur Gewinner kennt: Ein Stück Musiktheater, das Kindern gerecht wird, ohne dabei für Erwachsene uninteressant zu werden.

Vielleicht war auch deshalb manch einer der kleinen und großen Zuschauer fast ein bisschen wehmütig, als es schon nach zwei Stunden hieß: "Ene Meine Hühnerei, Schluss mit dieser Hexerei. Hex-Hex!"



Weitere Informationen im Internet unter http://www.cocomico.de.

Hier gibts den zugehörigen Radio-Spot.