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Erschienen
Progressive Pop-Rock-Jazz-Asia-Fusion mit "Kraan"
03/2004
"Back to the roots – die Zweite": Nachdem Pumpwerk-Chef Lothar Blank eine Woche zuvor mit Purple Schulz eine rennstadteigene "Comebackshow" ins legendäre Hockenheimer Kulturzentrum geholt hatte, schaffte er Mitte Februar mit einem Auftritt der Formation "Kraan" den ultimativen Flashback und konnte erneut die besondere Klasse des Frühjahrsprogramms unterstreichen.

Dicht gedrängt füllten die Fans das ehemalige Wasserwerk inklusive Vorraum und allen Unkenrufen zum Trotz war nicht der Hauch von Geriatrie zu spüren: Die aus dem Ulmer Raum entstandene Kultband der frühen Siebziger um den späteren "Tab Two"-Bassisten Hellmut Hattler und Gitarrist und Sänger Peter Wolbrandt lockte auch dreißig Jahre nach ihren größten Erfolgen noch junge Musikfans hinter dem Ofen hervor. Alt kann man bei so einer Musik, die ungefiltert durch Mark und Bein geht, ohnedies nicht werden.

Damals wie heute lieferten sich die beiden unangefochtenen Ausnahmemusiker wahrhafte Instrumentalschlachten mit Keyboarder Ingo Bischof und Drummer Jan Fride. Zusammen produzieren sie eine Art melodiösen Rock, versetzt mit frechem Rhythmus und ungewöhnlichen Jazz-Elementen. Dabei steht der freien Improvisation ausreichend Raum zur Verfügung, um einen ganz eigenen, ganz charakteristischen und ganz einzigartigen Sound zu kreieren: Wenn Hattler meint, "Kraan" wäre "eine der speziellsten Bands, die es überhaupt gibt", hat er damit absolut recht.

Genug Zeit, um sich aufeinander einzuspielen, hätten sie ja gehabt – aber nie gebraucht. Von Anfang an war klar, dass "Kraan" von mehr zusammengehalten wird, als der reinen Freude an der Musik; echte Seelenverwandtschaft überträgt sich auch heute noch ungetrübt in ein unnachahmlich großes Ganzes aus der Sparte Pop-Rock-Jazz-Asia-Fusion.

Und auch das muss gesagt werden: Was einstens als besonders progressiver Musikstil Weltruhm erlangte, erfreut sich noch heute einer erstaunlich unkonventionellen Frische und ist seiner Zeit einmal mehr einen guten Deut voraus - "Kraan live" von 1975, eines der 14 Alben der Band und unbestritten eines der besten Rockalben der damaligen Dekade und der jüngste Auftritt im "Pumpwerk" stehen sich an innovativer Präsenz in nichts nach.

Das ist umso erstaunlicher, als die Band nach wie vor in einem bemerkenswerten Originalzustand daherkommt – nicht nur, dass die Besetzung noch zu zwei Dritteln dem Siebziger-Ursprung entspricht, auch der satte Sound hat nichts von seinem Glanz verloren. Er ist noch einen Hauch elektronischer geworden, aber auch deutlich melodiöser. Dazu tragen vor allem Bischofs Keys bei, die noch so künstlich klingen, wie zur guten alten Röhren-Zeit. Vor allem aber: Sie reißt – gerade im auf Massenmarkt getrimmten Umfeld unserer kommerzialisierten Musik-Maschinerie – mehr mit denn je. Bei "Kraan" zählt nicht der schöne Schein, sie verzichten ganz auf den großen Bühnenact und geben sich auch sonst recht wortkarg – ihre Konzentration gilt ganz dem guten Ton und dem authentischen Sound. Auch das eine wohltuende Ausnahme im Business.

Wer nicht die feine Seismologie der Rockbegeisterten hat, würde das leichte Kopfnicken der Massen im Takt missverstehen: Die tiefgründige Begeisterung, die von den Jungs auch in Hockenheim ausgelöst wurde, brach sich aber in den wenigen kurzen Pausen des ansonsten pausenlos wilden Konzerts in lautem Jubel Bahn.


Das vierte Comeback von "Kraan" eröffnet allen Musikliebhabern einmal mehr die Chance, den inzwischen vom Einheitsbrei etwas eingestaubten Horizont zu erweitern – "Back to the roots" und "Auf zu neuen Ufern".



Weitere Informationen im Internet unter:
http://www.kraan.de
http://www.germanrock.de/k/kraan/
http://www.hellmut-hattler.de
http://www.wolbrandt.de