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Erschienen
Neues vom Geschlechterk(r)ampf? - "Twotones" in Hockenheim
03/2004
"Jetzt sitz ich hier, Liebster, und jetzt denk ich an Dich" – die Textzeile aus dem Heulsusen- und Schnapslied "Die Liebe, die Sonne, der Strand" des Blueskabarett-Duos "Twotones", das Mitte Februar im Hockenheimer Kulturzentrum "Pumpwerk" Station machte, umschreibt das Gefühl, das die Sängerin Anna Krämer und der Pianist und Rezitator Rainer Klundt hinterließen: "Ich seh Dich noch heute vor mir, als wenn Du von gestern wärst!"

"XY ungelöst – Neues vom Geschlechterk(r)ampf" heißt das aktuelle Programm, mit dem Krämer zum Duo gestoßen ist; sie ersetzt die schrille Ulknudel Petra Sauer, die zehn Jahre lang an der Seite Klundts die Bühnensau gegeben hatte.

Allzuviel "Neues" ließ sich am Ende aber doch nicht finden: Die selben Klischees, die gleichen Possen, bekannte Stereotype und altvertraute Rollenerwartungen wurden in "XY ungelöst" zu einem neuen Brei verarbeitet. Ohne Frage konnte sich die durchaus bemerkenswerte Begeisterung des Publikums kaum aus der Innovationskraft des Programms speisen. Die in ähnlicher Machart schon vielfach gehörte "Werberomanze" ("Dir kams drauf an, dass es mit dem Nachbarn klappt – aber doch nicht mir Doktor Best: Der sieht so krank aus, der schwimmt sogar in Milch"), das Getapere um prä- und postgeriatrische Angstzustände ("Wir werden alle älter – schöner werden wir dadurch nicht"), die melancholisch-frivolen Ansichten auf eine langjährige Beziehung ("kein Busch war vor uns sicher, keine Rückbank uns zu schmal") – alles irgendwie eben gerade nicht neu.

Die guten, überraschenden und spannenden Nummern waren dagegen die, die sich so gar nicht in das große Ganze einfügen wollten: Das in unschuldigem Spiel versteckte lüsterne Entdecken der Göre mit ihrem Cousin ("nun muss es der Maus gelingen, sich in Sicherheit zu bringen, da wo ihr so unentwegt meine Ehre hinverlegt") oder die Enthüllungen über die angebliche "Männerfreundschaft" zwischen Winnetou und Old Shatterhand, die jede Frau entdecken lässt: "Ich lach mir keine Rothaut mehr an, ich will nen Cowboy als Mann" – da waren Esprit und wirklicher Witz wieder vereint.

Wenn also nicht das Programm punkten konnte, dann müssen es die Mimen gewesen sein: Und tatsächlich hat die Kombination aus Rainer Klundts schnoddriger Boheme und Anna Krämers lebendiger Überdrehtheit einen gewissen Reiz in sich – zumal beide jeweils mit ganz außergewöhnlichen musikalischen Fähigkeiten daherkommen. Man darf dabei nicht vergessen, dass das Duo nicht mit Kabarett im klassischen Sinne antritt, sondern eher mit einer – im Optimalfalle witzigen – musikalischen Bühnenshow.

Klundts Vielfalt, sein entfesselter, bisweilen fast enthemmt wirkender Einfallsreichtum am Klavier können schon begeistern, ebenso, wie Anna Krämers stimmliche Präsenz, die sie in der Rennstadt ja schon vor vielen Jahren mit dem Musical "Human Pacific" an der Seite des damals noch unbekannten Xavier Naidoo unter Beweis stellte. Auch wenn sie bisweilen in etwas nerviger Art und Weise die exzentrische Rollenfärbung übertrieben haben mag ist sie stimmlich doch eine wirkliche Wucht: Mit dem ruhig-verträumten "SechzehnZehn", einer nachdenklichen Betrachtung, wenn "zwischen Wurst und Dosenbier ging verloren der letzte Traum", legte davon ebenso Zeugnis ab, wie der stimmungsvolle Abschiedssong: "Ihr ließt uns nur uns selber sein, wir danken euch dafür".

Umso bedauerlicher, dass sie mit dem bereits angesprochenen überzogenen Gehabe und weit ausladendem vokalartistischem Schnickschnack die Geduld der Zuhörer bisweilen etwas strapazierte: Wenn "Leidend, melancholisch" im Textbuch steht, ist damit nicht das Publikum gemeint!


Dennoch bleibt in der Gesamtschau der Beschluss von "Die Liebe, die Sonne, der Strand": "Ich trinke auf Dein Wohl!"



Weitere Informationen im Internet unter http://www.twotones.de.