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Lewis Trondheim
Erschienen
Mister O
03/2004
Reprodukt, Berlin
32 Seiten / EURO 8,-
Trondheim ist ein fauler Kerl, sagt er über sich selbst. Und hiermit hat er diesem Satz Nachdruck verliehen. Der „Held“ ist ein Kreis mit vier Strichen dran, die Umgebung ist ein Spalt und die Story dreht sich um die Versuche des Os über diesen Spalt zu kommen.

Sogar in der Seitenaufteilung hat sich Trondheim nichts einfallen lassen. Es sind auf jeder Seite 60 Panels (also so viel wie in einem durchschnittlichen Image-Heft ;0), keines weniger und niemals mehr.

Wenn man die Geschichten liest, jede Seite bildet eine abgeschlossene „Geschichte“, dann kommt einem unwillkürlich der Werbespruch einer nicht ganz so bekannten Schokoladenfirma in den Sinn: „Keine Mark für die Werbung, alles in die Schokolade“. Hier hieße das: „Keine Idee für Schnickschnack, alle Energie in die Story“. Denn die hat es in sich. 30 mal versucht das Männchen über den Spalt zu gelangen und erst auf der letzten Seite gelingt ihm das auch. Aber auch hier quält der perfide Humor des nicht besonders großen Franzosen seine Erfindung – aber diese Tragödie sollte jeder selber lesen. Da werden selbst gestandene Anaboliker weinen.

30 mal Schadenfreude, Irrsinn und vorhersehbare aber so nicht erwartete Wendungen – und dennoch nicht langweilig. Das ist einfach witzig und wenn man so will, erzählerisch ein Meisterwerk.

Will Trondheim damit versteckte tiefere Inhalte vermitteln? Vermutlich nicht.

Und endlich mal eine Übersetzung, an der man nicht mekern kann, denn weder Mister O noch einer der wenigen aber ebenso kärglich gezeichneten anderen Figuren verlieren auch nur eine Silbe. Vereinzelt mal ein Symbol, aber das ist dann auch international verständlich.

Trondheim hat neben den Zeichnungen auch die Koloration selbst übernommen. Mit modernsten Mittel, wie er auf der Buchmesse 2002 erzählt. Alles eingescannt und in Photoshop eingefärbt. Dabei sucht man Lensflares oder Texturen vergebens, solche von Beltran bekannten Augenwischerein wären hier auch völlig fehl am Platze gewesen.

Weil die Einseiter so gut sind wie sie sind, bleibt eigentlich nur ein Wunsch übrig: Eine Seite im A0 Format als Poster!


Anschauen – kaufen – schmunzeln bis zum Schluß! Eine fast nicht zu durchbrechende kausale Kette.