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Erschienen
Hänsche und Vali erfinden Gypsi-Jazz noch einmal neu
03/2004
Auf unbändigbare Weise brach sich am letzten Februar-Samstag im Hockenheimer Kulturzentrum "Pumpwerk" die Freiheit Raum: Zwei auf die Siebzig zugehende Musiker setzten sich an die Spitze einer revolutionären Bewegung, die musikalische Fesseln abstreifte und sich ganz einer ungewohnten Freiheit hingab. Hänsche Weiss und Vali Mayer, die bereits mehrfach in der Rennstadt zu Gast waren, reaktivierten so ihre viel zu lange schlafende Zelle tonaler Freiheitskämpfer.

Es war eine fast unheimlich wirkende Konzentration, die das Begeisterte Publikum dem Duo entgegenbrachte. Eine leere Bühne, eine Gitarre, ein Bass – mehr braucht es nicht, wenn Genius die Hand anlegt. Dabei verzichten die beiden Ausnahmemusiker auf jede Show, jedes Gehabe: In ganz normaler Straßenkleidung stehen sie auf der Bühne, so als, wären sie gerade zufällig vorbeigekommen, hätten die Instrumente vorgefunden. Warum nicht? Man könnte doch mal eine kleine Einlage bieten ... Vielleicht ein kleines Geburtstagsständchen für Vali, der just seinen 68. feierte.

Ganz im Kontrast zum bescheidenen Auftreten der beiden Musiker ihre hochkarätige Darbietung: Hänsche ist ein Gott an den sechs Saiten, denen er rassiges ebenso abgewinnt, wie Swing und Soul – mal wild, mal in der Melancholie typischer Zigeunermusik. Überhaupt kann Weiss sein großes Vorbild Django Reinhardt kaum verleugnen. Dessen nach unbedingter Freiheit strebende Interpretation, sein ganz eigener Stil, der sich Mitte des vergangenen Jahrhunderts als so prägend für den europäischen Jazz erwies, ist auch Weiss und seinem Partner ins Blut gegeben. Vali Mayer begnügt sich am Bass nicht nur mit einer Begleiterfunktion, sondern greift ganz aktiv, manchmal gar deutlich dominant, in die Interpretation ein.

Im Zusammenspiel verwandelt sich das Duo des guten Tons in ein ganzes Orchester: Hänsche streichelt die Gitarre sanft, Vali trommelt und kratzt an seinem Bass herum – alle Schattierungen der Pallette verdichten sich zu einem farbenfrohen, fesselnden Bild.

Dabei kreieren die Beiden einen ganz eigenen, sehr markanten Stil, der sich zunächst natürlich aus einer ungeheuerlichen Virtuosität speist, zum anderen aber auch aus einer besonders humorvollen Spielweise, einer stets augenzwinkernden Sicht auf die Dinge und einem ganz charakteristischen Charme. Auch wenn sie immer wieder bekannte Melodien einfließen lassen – ein echtes Schmankerl ihre Interpretation von "Ein Männlein steht im Walde" – variieren sie das Beliebte zu wilden Tongewittern, zerpflücken sie mal schelmisch grinsend, mal todernst in ihre Einzelheiten, um sie in neue, ganz eigene Formen zu gießen. So erfinden die beiden den Gypsi-Jazz noch einmal.


Nach einem berauschenden Abend bleibt die Lehre: Hänsche und Vali sind zwei, mit Gitarre und Kontrabass sinds schon vier, wenn jetzt noch zwei kleine Verstärker dazukommen, sind es sechs – das reicht doch für eine tolle Combo.



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