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Erschienen
Savoir vivre im Pumpwerk
04/2004
Eigentlich ist die in der Rennstadt gern gesehene und schon mehrfach frenetisch gefeierte Chansonette ein sicherer Termin; umso verwunderlicher, dass beim jüngsten Auftritt der Sängerin Julie André Anfang März das Publikum im Hockenheimer Kulturzentrum "Pumpwerk" bequem sitzen konnte.

Dem Konzert selbst tat das keinerlei Abbruch: Die warmherzige und charmante Julie bot gemeinsam mit ihren Musikern rund drei Stunden Chanson vom Feinsten.

Dabei setzte sie mehr als bislang auf eigene Titel. Natürlich waren auch die großen französischen Vorbilder vertreten, Jacques Préverts "Les feuilles mortes", das vielgehörte "Les moulin de mon coeur" als Paradebeispiel für den Reiz der französischen Musik, und natürlich Charles Trenet, Jaques Brels "Ne me quitte pas" und die unsterbliche Edith Piaf (unter anderem mit "Mea culpa" und dem verträumt-spielerischen "Le pommier à pommes" in einer deutschen Fassung). Dazwischen mischte die kleine Formation weitere bekannte Highlights wie den Zarah-Leander-Knaller "Er heißt Waldemar". Vor allem aber punktete man mit eigenen Kompositions- und Textbonbons.

Mit dem Eigenprodukt "Les yeux fermés" nahm man Brels später präsentiertes "Bitte geh nicht fort" vorweg und ließ wie aus "Sans elle" in unbändiger Fülle hervorquellen, für was Julie André so beliebt ist: Die spezielle Melange aus energischer Zugewandtheit und inbrünstiger Melancholie. Diese bittersüße Fröhlichkeit generiert die in England geborene Tochter eines ungarischen Akrobaten und einer deutschen Balletttänzerin aus einem freudigen Juchzen auch in tiefer Traurigkeit. Dabei entspringt jedem ihrer Lieder, ja, jedem ihrer Töne das ganze pralle Leben mit allen Höhen und Tiefen.

Andrés Authentizität wurde beim Auftritt auch von den Instrumentalisten unterstützt: Als kongenialer Partner am Klavier unterstützte Hans Jörg Widmer die interpretatorischen Eskapaden und den warmen Grundton der Sängerin. Am Bass Arno Sälzer, der bereits mit Fretless, Chris Norman, Xavier Naidoo und den "No Angels" musizierte; bisweilen etwas zu dominant tat sich Sälzer vor allem durch seine einfallsreiche, von Ideen sprühende Grundlage hervor. Eher akzentuierend und sehr verschmitzt am Akkordeon Markus Schrammhauser, der den verhinderten Laurent Leroi vertrat.


Gemeinsam produzierten die Vier einen Abend, der nicht nur den Hauch von Frankreich in die Rennstadt trug, sondern der in tiefen Zügen das "savoir vivre" des Nachbarn atmete: "Des coeurs merci bien".