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Erschienen
Explosives Spiel mit Farben, Mustern und Strukturen - Elsbeth Lang stellt in Neulußheim aus
04/2004
"Auch wenn man länger schaut, gibt es immer noch was Neues zu entdecken" – den Spaß am Unbekannten, manchmal auch am Unerwarteten gönnt die Schriesheimer Malerin Elsbeth Lang ihren Gästen, die Anfang März in bemerkenswerten Massen das Neulußheimer Kulturzentrum "Alter Bahnhof" im wahrsten Sinne des Wortes bevölkerten. Nicht nur die Vernissage zur Ausstellung "Leben" zog ein bemerkenswertes Publikum an, auch an den folgenden Tagen der Ausstellung konnte man sich über mangelnden Besuch nicht beklagen.

Tatsächlich hat der Neulußheimer "Kunstpapst" Wolfgang Treiber mit Lang eine ganz außergewöhnliche Künstlerin bereits zum zweiten Mal in der inzwischen renommierten Kunstausstellung präsentiert.

Die vor fünfzig Jahren in Eberbach geborene Elsbeth Lang setzt sich schon fast die Hälfte Ihres Lebens sehr intensiv mit der Malerei auseinander, hat durch wichtige Impulse an der Europäischen Akademie in Trier, aber auch durch zahlreiche namhafte Künstler in Heidelberg und Stuttgart einen sehr eigenständigen, lebhaften Stil entwickelt, lehrt inzwischen selbst an der VHS Weinheim. In mehreren Einzel- und Guppenausstellungen, von denen insbesondere die großen Einzelausstellungen 2002 in Weinheim und 2003 in Schwäbisch-Hall besondere Erwähnung verdienen, konnte sie sich einen Namen machen, der weit über die Region hinaus bekannt ist.

18 zum Teil großflächige Exponate hat die Künstlerin nach Neulußheim gebracht. Dabei pendelt sie zwischen figurativer und abstrakter Malerei, findet aber auch fesselnde Verbindungen zwischen beidem. In "Skizzen" durchdringen sich drei Einzelstudien und setzten sich dadurch miteinander in Dialog. Diese Zwiesprache dehnt die Künstlerin durch die besondere Einbeziehung der Struktur, aber auch durch das den Blick packende Spiel mit natürlichen Formen und Mustern auf den Betrachter aus. Mit diesem Bild markiert Elsbeth Lang eine Programmatik für den größten Teil der gesamten Ausstellung: Verschlungene menschliche Leiber, nur mit wenigen Pinselstrichen angedeutet, die trotz der ihnen eigenen Individualität zu festen und unauflöslichen bildnerischen Einheiten verschmelzen finden sich immer wieder in den meist erdfarbenen Bildern der Künstlerin. Dabei löst sie das Konkrete fast bis zum völlig Abstrakten auf, belässt aber genau so viel Rest, um sicher genug die Phantasien des Betrachters gelenkt zu entfesseln. Bestes Beispiel dafür ist das in warmen Orangetönen gehaltene "Tanz". Durch die starke Rhythmisierung, durch die Wechselwirkung der nur schemenhaften Figuren aufeinander, aber vor allem durch ihr explosives Spiel mit Farben und Mustern gelingt es ihr, vor Vitalität und Kraft strotzende Werke zu schaffen, denen sich der Betrachter kaum zu entziehen vermag.

Damit gepaart ist ein besonderes zeichnerisches Geschick. Dieses macht sie mit zwei Exponaten zum Gegenstand der Betrachtung, die auf den ersten Blick so gar nicht in die Ausstellung zu passen scheinen, die aber letztlich eine gewaltige Basis für das malerische Werk darstellen. Zwei mal zwölf "Minutenskizzen" vermitteln einen Eindruck davon, wie lebendig sie ihre Umwelt festzuhalten mag – Realitätssplitter aus einem kleinen Büchlein, das die Künstlerin auf Schritt und Tritt begleitet und die so eine ganz eigene, fast alltäglich wirkende Kunst darstellen.

Etwas schwächer sind die vollständig abstrahierten Werke, von denen Lang auch nur zwei präsentiert. Der Tryptichon "in Bewegung" mag zwar noch durch die bereits beschriebene Spannung aus Farbe, Form und Struktur überzeugen, lädt das Auge auch durchaus zu einem Spaziergang ein, die Botschaft aber, die Geschichte, hat sich zusammen mit den konkreten Anhaltspunkten aufgelöst und erscheint nur noch als nebulöse Überschrift.


Dessen ungeachtet bleibt ein sehr massiver, sehr tiefgehende Eindruck von der Ausstellung zurück, die sich ohne jeden Zweifel in die Gruppe der Highlights der letzten Jahre einzureihen vermag.