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Erschienen
Mystische Spannung und zauberhafte Atmosphäre - "More Maids" und "An Tor" in Hockenheim
04/2004
Am "felsigen Tor" trafen Mitte März "mehr Mädchen" zusammen, um ihrem Kult zu huldigen. Das Hockenheimer Kulturzentrum "Pumpwerk" war gehüllt in einen Hauch gälischen Flairs, als die beiden Formationen "An Tor" und "More Maids" den Zuhörern, die in beachtlicher Zahl erschienen waren, mit ihren an irische Traditionen angelehnten Sounds, die bei gleichen Wurzeln, aus denen sie entsprangen, doch sehr individuell und charakteristisch daherkamen, zu Leibe rückten.

Die Fünf von "An Tor" erfüllten ihre Rolle als "Vorgruppe", also als Einheizer und Stimmungsmacher eigentlich ganz hervorragend: Mit einem recht unverfälschten, wenngleich klar "eingedeutschten" Stil fanden sie große Nähe zu irischen Traditionals. Dabei konnten sie durch ihren druckvollen Sound und den dirty groove, den sie mitbrachten, eine heimelige Kneipen-Atmosphäre erzeugen. Das war vor allem das Verdienst von Frontmann Nils Nolte, der keine besonders schöne, aber eine markante und eingängige Stimme vorweisen kann. Die ruhige Ballade "She’s like a swallow" wurde so zu einer Ode an die irische Seele. Insgesamt wirkt "An Tor" allerdings etwas gehemmt und neigt in Jigg-Sets etwas zur Mechanisierung. Dennoch hatten sie das Publikum am Ende ihres einstündigen Programms eigentlich in beste Stimmung versetzte – schlossen dann aber mit einer durchaus verdienten aber viel zu langsamen Ballade ab.

Deshalb fanden die "More Maids" auch keinen "Hexenkessel" vor. Das aber tat dem Abend keinen Abbruch, denn die drei "Mädchen" hatten schon nach wenigen Sekunden ihr Publikum absolut sicher im Griff. Dabei sind die Ladies auf den ersten Blick so gar nicht das, was man sich unter "irish folk" vorstellt: Gudrun Walther, die rassige Rotmähne am Akkordeon, an der Fiddel und vor allem am Mikrofon kommt dem Klischee noch am ehesten gleich. Die Sängerin und Bouzouki-Instrumentalistin Barbara Steinort dagegen umgibt - ebenso wie die Flötistin Marion Fluck - eher ein Hauch von Bürokauffrau.

Sobald aber der erste Ton der drei erklang, waren alle Zweifel weggeblasen. Zumal sie sich auf wohlbekanntem Terrain bewegten: Der letzte Auftritt der "More Maids" in Hockenheim liegt erst ein Jahr zurück.

Gemeinsam produzierten die drei "Mädels" einen spannungsgeladenen Sound, der unausweichlich mitreißen muss. Wenn sie auch die irischen Traditionen nicht ganz verleugnen können, gelingt ihnen eine charmante Neuauflage, die völlige Eigenständigkeit für sich reklamieren kann: Sanfte Instrumentierung, individueller drive und vor allem fesselnde Stimmen sind das Erfolgsrezept der "More Maids".

"The lovers Ghost" oder "Let us the rose" machte Gudrun Walthers klares und biegsames Organ zu einer wahren Hymne – mit der entsprechenden Hingabe bei der Beschreibung eines jungen Mannes.

Etwas erdiger, dafür aber auch deutlich markanter die Stimme von Barbara Steinort, die Titeln wie "Appy Morey" einen Anklang von Verruchtheit, aber auch von bodenständiger Verbundenheit mitgab. Die Schwarze der holden Dreihaarfarbigkeit, Marion Fluck, hielt sich zwar weitgehend im Hintergrund, doch sind es gerade ihre Beiträge, die den perfekten Sound der "Maids" ausmachen: Ihre sphärisch anmutenden Backgroundvocals und die akzentuierenden Querflöten- und Tinwhistle-Einschübe.


Nach fast zwei Stunden hatten die "More Maids" das Hockenheimer Publikum einmal mehr verzaubert: Die drei brav wirkenden Mädchen hatten den nötigen Biss, eine gehörige Portion Charme, der aber zu keinem Zeitpunkt das nötige Maß fehlender Ernsthaftigkeit vermissen ließ, vor allem aber einen perfekten, durchdringenden, emotional höchst aufgeladenen Sound. So verbreiteten sie mystische Spannung und eine zauberhafte Atmosphäre.



Weitere Informationen im Internet unter
http://moremaids.deund
http://www.an-tor.de