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Verschiedene
Erschienen
Die Perry Rhodan Comics
04/2004
Perry als Comic, das begann 1967 mit der Nummer eins der Serie Perry Rhodan im Bild. 27 Hefte lang erzähltem man sehr Nahe an der Romanvorlage die ersten Geschichten um Perry, Bull und die Mutanten. Wie Perry das Raumschiff der Arkoniden entdeckte, Thora lieben lernte, die Welt einte usw. Immer mit dabei als eigene Serie im Heft die Abenteuer von Gucky, als er noch ein normaler Mausbiber auf Tramp war und als zweite Co-Serie Atlans Zeitabenteuer. Die Zeichnungen waren – schlecht. Gemessen an Highlights wie Flash Gordon, der schon dreizig Jahre früher bessere Comics sein Eigen nennen durfte oder der tagtäglichen Arbeit von Curt Swan zu dieser Zeit. Grobe Zeichnungen in Bonbonfarben und nur selten Hintergründe aber irgendwie in puncto Ausdruck und Storytelling dennoch vielen modernen Fließbandproduktionen überlegen.

Über ein Jahr verlässliches Sprechblasenfutter für Weltraumjunkies. Aber die Leser wollten neue Abenteuer.

Und die bekam Deutschland mit der nächsten Serie „Perry unser Mann im All“. Nahtlos an die erste Serie anschließen, anfangs auch mit dem vertrauten Zeichner-Team aber mit jetzt neuen Geschichten. Die sehr kindlich orientierten Gucky Geschichten wurden weggelassen und die Perry Geschichten waren jetzt abgeschlossen. Zwar hielt man sich immer noch sehr eng an die Romane, aber mit jeder Nummer wurde der Comic eigenständiger. Das waren noch Zeiten. Heute liest sich einer der Leserbriefe von damals recht amüsant: “Teuer! Verdammt teuer, eure Rhodan-Anstecknadel. 5 Mark! Aber ich wollte nicht so lange warten und habe mir gleich 5 Hefte Nr. 1 gekauft. So wert und teuer ist mir Perry!“

Die Serie kam in knapp sieben Jahren auf 129 Hefte und durchlebte einige drastische Änderungen. Die erste datieren die Chronisten auf Band 37. Was weniger auffiel war, dass die Atlanstories nicht mehr im Heft waren. Denn das neue Heft sah einfach anders aus: Ein neues creatives Team brachte eine eigentlich nicht mehr erkennbare Seitenaufteilung und ein völlig schamlos kopierndes Zeichner Team Names Giolitti. Da fliegt das Raumschiff der französischen Serie „Valerian und Veronique“ mit halbnackten Mädels im Gimenez-Stil durch wirre, wie aus einem LSD Rausch stammende, Farbwirbel. Die Liste der kopierten Vorlagen ist lang und namhaft: Das Ding der Fantastischen Vier, der Silver Surfer, der gleich Vorlage für ein ganzes Volk wurde, Corto Maltese und und und. Es wurde auf jeden Fall nicht langweilig. Bei den eigentlich unbekleideten Damen war es dann auch nicht verwunderlich, wenn Raumschiffe mal wie Vibratoren aussahen. Sex war ein Thema, Weltraumabenteuer das andere – zusammen ergaben diese beiden Grundkomponenten zusammen mit der erwähnten Unbekümmertheit der Zeichner eine einmalige Serie. Mit abgeschlossenen Geschichten auf 28 Seiten und Hefte übergreifenden Storyarcs macht diese Zeit der Perry Comics heutigen Bildabenteuern einiges vor. Besonders sehenswert waren die meist doppelseitige Miniposter in der Heft Mitte. Einen Extra-Bonbon bekamen die Leser mit den UFO-Minicomics, die einigen Nummern beilagen. In schwarz/weiß/blau wurden die Geschichten der englischen Fernsehserie nacherzählt. Hier kam ein mehr realistischer Zeichenstil und eine traditionelle Seitenauteilung zum Einsatz.

Es ist nicht verwunderlich, das dieser andere Perry bei den Romanlesern, die ihren Rhodan eher als konservativen Helden kannten, nicht so richtig ankam. So entwickelten sich Jahre lang zwei Fangemeinden um den selben Charakter. Ein weiteres Highlight aus jenen Tage waren die Aufziehkampfroboter, die in einer Öllache ausrutschen - was in den Romanen undekbar gewesen wäre .

Doch das freie Liebesleben hatte auch für die Weltraumfahrer einmal ein Ende. Ab den 70er Bänden bekamen die Bilder wieder Rahmen und die Mädels wieder etwas Farbe auf die Haut. Die Qualität der Zeichnungen war schwankend, mal steif und gezwungen, mal actionreich und gekonnt – und dann ein Weltraum Hingucker selbst ohne blanke Brüste.

Den nächsten nicht zu übersehenden Einschnitt gab es mit Nummer 106. Mehr Seiten, einen erweiterten redaktionellen Teil, die wieder im Heft enthaltenen Atlanstories wurden nun in dem von den UFO-Inserts bekanntem schwarz/weiß/blau gebracht und das Ende des Heftes brachte eine SF-Kurzgeschichte, die nicht im Perry Rhodan-Universum spielte. Die Bilder wurden wieder handzahm. Witzig ist, das die leichten Raumanzüge wieder das Design aus den ganz alten Perry Comics bekamen. Was den Heften fehlte, war die Hintergrundgeschichte. Wären nicht die auf einander aufbauenden Atlan-Geschichten gewesen, man hätte ein verpasstes Heft nicht bemerkt. Einige Zweiteiler konnten die Kontinuität der großen Zyklen vor allem der popigen Hefte nicht ersetzten. Mit Heft 129 ging dann die erste große und bis heute nicht wieder erreichte Zeit des Perry Rhodan Comics zu Ende.

Und viele Fans trauerten und wurden alt – alt und zahlungskräftig. Das führte zu mehreren Nachdruck-Serien. Zuerst brachte der HJB Verlag die Comics als Hardcoveralben auf den Markt. Zuerst auf 500 Alben limitiert. Ab Band Nummer zwei wurde die Auflage wegen der großen Nachfrage verdoppelt – was zu 500 Bänden mit einem etwas seltsamen Eindruck wie folgendem führte: „# 952 [von er auf ...] 500 limitierten und numerierten Auflage“.

Aktuell druckt der Norbert Hethke Verlag die „Perry unser Mann im All" Hefte als Faksimile für etwas über 15 Euro pro Stück nach. Das ist bei nahe an dem Preis, den man für originale und meist leicht verfledderte Hefte zahlt.

Der vorerst letzten Teil des Unternehmens „Perry Rhodan Comic“ war eine vierteilige Miniserie 2002/2003. Doch hier ging einiges schiefDer amerikanische Zeichner hatte wohl nicht so richtig Lust und obwohl er im Image-Stil zeichnen kann, lieferte Altstaetter hier eine lieblose Auftragsarbeit, die er noch nicht einmal fertigstellte, und sie auf seiner Hompage auch unter den Tisch fallen lässt. Das vierte Heft ist großteils von Jamal Igle gezeichnet. Hier vertauschte man auch noch den Text einer Seite (unser Bild) – wenns mal schief läuft, dann richtig. Zudem war der zweimonatliche Veröffentlichungsrythmus für eventuelle junge Neuleser zu lang. Dennoch kauften viele die Hefte und mit Dirk Schulz hat man ja schon gute Erfahrungen mit deutschen Zeichnern gesammelt, so dass man auf ein weiteres Comic aus dem Hause Pabel-Moewig hoffen darf – vielleicht diesmal komplett aus deutscher Hand. Der Preis pro Heft war übrigens EURO 3,-, etwas mehr als die schon erwähnte Perry Anstecknadel.


Unbedingt einmal ansehen. Diese Serie hat alles was man sich wünschen kann: Schlechte Hefte, super Hefte, Perry, Sexepil, UFO, Atlan ...