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Erschienen
Eindrücklich und mitreißend die "frohe Botschaft" gesungen - "Golden Harps" in Hockenheim
04/2004
"Wir sind nur aus einem Grund hier: Wir haben eine Person gefunden, die uns so glücklich macht, dass wir davon singen müssen!" Das herzliche Bekenntnis der aus dem Schwarzwald angereisten Religionslehrerin Dorothea May hätte ein perfektes Motto für den Auftritt der Gospel-Formation "Golden Harps" am 20. März 2004 in der Hockenheimer Stadthalle sein können: "Gospel sind Evangelium, weil sie von Jesus Christus sprechen", so der Prediger Herbert Ullrich vom Veranstalter, der "Evangelischen Gemeinschaft Hockenheim" – die "Innere Mission" wird hier nach wie vor als wichtige Aufgabe angesehen. Entsprechend stand der rund zweistündige Musikabend ganz unter dem Zeichen des Kreuzes.

Glauben wurde dabei als "frohe Botschaft" präsentiert, in der Spaß und aus tiefstem Innern kommende Ausgelassenheit keineswegs fehlen müssen, sondern ganz im Gegenteil unbedingter Bestandteil sind.

Die "Golden Harps" sind rund 30 Sänger und Instrumentalisten aus Lahr in der Ortenau, die seit rund fünf Jahren regelmäßig bei Auftritten im ganzen "Ländle" die Menschen förmlich aus den Sitzen reißen – begeisterte und begeisternde Rhythmen, Klänge und Texte sind ihre Spezialität.

Auch in Hockenheim sind weit über 300 Gäste nicht nur der Einladung gefolgt, sondern auch den "Golden Harps" in ihr musikalisches Feuer. Dabei steigerte der Chor um den musikalischen Leiter Friedhelm Matter im Verlauf des Programms nicht nur das Tempo, sondern vor allem den "Spaßfaktor".

Zum Auftakt wählte man sehr intensive Titel, die durchaus als Einladung verstanden wurden: Das breit angelegte, sehr harmonisch aufgebaute "Who will call Him King of Kings" oder das sanft-weiche "My life is in Your hands" unterstrichen die emotionale Seite des Chores und die vielfältigen Fähigkeiten der Begleitband. Sie machten aber auch deutlich, dass der Stil, den die Formation pflegt, eine stark "eingedeutschte" Version des Contemporary-Gospel ist. Bewusst habe man auf die "Klassiker" verzichtet, die mit "O happy day" in den Zugaben kurz aufblitzten. Auch musikalisch sind die "Golden Harps" weit von den schwarzen Wurzeln entfernt – dabei aber nicht weniger eindrücklich und mitreißend; in der allgemeinkirchlichen Arbeit würde man wohl am ehesten "Jugendchor" dazu sagen.

Gegen Ende des Programms baute man den Call-and-response- und den Clap-your-hands-Anteil weiter aus, riss das Publikum in Titeln wie "We’ve got a right" und "God dis moving" förmlich mit in den Strudel der frenetischen Musik.

Ein Pfund, mit dem die "Golden Harps" ausgiebig wuchern konnten, sind die wirklich hervorragenden Solisten, die sich in ihren Reihen finden. Daniel Oertels kantige erdige Stimme machte "Holy, holy" zu einem rassigen Titel, die klare und feine Stimme von Beate Kern transportierte viel Inbrunst und Überzeugungskraft in "There is non like You" und Reinhold Weber brachte darüber hinaus auch eine bemerkenswerte Bühnenpräsenz mit. Unangefochtener Star des Abends aber war die quirlige Felicitas Reith, die nicht nur höchste emotionale Spannung aufbauen konnte, sondern die perfekt die typischen Gospel-Stilmittel des dirty singing, shouting und – wenn ein Titel einmal seinen Höhepunkt erreichte - auch des screaming im Griff hatte. Dabei war sie mal sanft singendes Chormädchen in "Holy is the Lamb", mal energisch und durchzugsstarke Röhre in "Breaking of day". Reith litt deshalb auch weniger unter der Technik, als die anderen Solisten: Statt auf die Anlage der Stadthalle zu setzen, hatte man eigenes Soundequipment mit dabei, das - insgesamt etwas unterdimensioniert und nicht perfekt ausgesteuert – keinen rechten Gesamtklang aufkommen lassen wollte.


Zurück blieb dennoch ein begeistertes Publikum, das mit minutenlangem Applaus immer neue Zugaben forderte und der Wunsch, die "Golden Harps" bald wieder hören zu können.



Weitere Informationen im Internet unter http://www.goldenharps.de
und http://www.ev-gemeinschaft-hockenheim.de.