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Lomp
Erschienen
Terrorjesus
05/2004
28 Seiten
Da hat mal wieder einer seine Lebensgeschichte zu Papier gebracht. Muss das sein? Sollte man nicht lieber sein eigenes Leben leben? Was nutzt es, von einer enttäuschten Liebe zu lesen? Warum müssen sich Sätze wie „Ich liebe Dich nicht. Und ich möchte nicht, daß Du dir Hoffnungen machst“ immer wieder wie Salz in alten Wunden brennen? Warum muss man immer wieder daran erinnert werden, das man ein Wurm ist?

Lomb erzählt in „Terrorjesus“ ein Stückchen Pubertät. Sätze wie „Gestern Abend? [...] Da waren wir bei ihrem Freund“ tuen weh. Es ist nicht so schmerzhaft wie so etwas sagen zu müssen, denn es ist fast versöhnlich, dass so etwas einen anderen geschieht. Schadenfreude kommt aber dabei nicht auf, denn zu leicht kann es einem selber so gehen, wenn man nicht ohnehin schon einmal in solch einer Lage war. Da tut es gut, Leidensgefährten zu haben. Auch wenn man sie nur lesen kann.

Lomb erzählt so genau wie ein redseliger Freund. Das macht er in unterschiedlichen grafischen Stilen. Es beginnt mit dem fast schon üblichen spartanischen Semi-Funny oder wie auch immer. Keine Hintergründe, einfach wirkend aber hier wirkungsvoll. Der Name des Bändchens wird sicher von der Frisur der Hauptperson herrühren. Die formlosen Spaghetti-Harre waren wirklich mal hipp – haben die schon immer so dämlich ausgesehen?

Die nächste Design-Studie ist voller Perspektiven. Plötzlich gibt es sogar richtige Bewegung. Blätter fliegen im Fahrtwind. Ein harter Bruch, der sich aber nicht auf die Geschichte auswirkt. Das erscheint unausgegoren, sinnlos. Aber Lomb erzählt trotz der veränderten Grafik seine Looser-Story unbeirrt weiter.

Nach einer Rückkehr zum alten Stil dann Manga-Style. Es wird sogar etwas abgehobener. Lombs Bildsprache ändert sich drastisch. Der Trottel mit den langen Haaren wird zum langweiligen Stück Stein, das von niemandem beachtet wird.

So enden 28 Seiten sehr melancholisch, aber es bleibt eine poetische Ruhe im Magen zurück. Keine Aufmerksamkeit heischenden Ausraster, keine Lösungen – Lomb bleibt ein angenehm menschlicher Looser. Laut Internetseite ist er momentan in Südamerika oder so.


Terrorjesus ist sicher ein Comic aus der „Selbsttheraphie“-Ecke. Nett anzuschauen, nett zu lesen. Ausprobieren (wenn man es findet). Irgendwie eigentlich ein kleines Schmuckstück, weil sich der Leser trotz des Schlüssellochblicks nicht als Spanner fühlen muss.