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Erschienen
"Du bisch eh nur de Passage" - Marcel Adam in Hockenheim
06/2004
"Uff de Durchrääs" machte Anfang Mai der lothringer Liedermacher und Chansonier Marcel Adam mit seiner neuen CD "Da Passage" im Hockenheimer Kulturzentrum "Pumpwerk" Station. Das Publikum füllte das ehemalige Wasserwerk bis auf den letzten Platz – ein schlagender Beweis dafür, was für eine unbeirrbare Fangemeinde sich die Franzosen in der Rennstadt errungen haben. Die bereits vor Beginn der Veranstaltung begeisterten Zuhörer hatten eigentlich auch auf die elsässer Kabarettistin Huguette Dreikaus gewartet, die aber wegen einer Krankheit in der Familie absagen musste. Das "Wir wollen für Huguette hoffen, dass es nicht so schlimm ist und wir sie hier bald wieder sehen" kam deshalb auch mehr als von Herzen.

Adam und seine beiden Kollegen vom Ensemble "Au bout du monde" einen kompletten Abend lang zu hören war dennoch keine Notlösung, sondern im Grunde auch eine Option für das nächste Jahr: Adam gelang es nämlich auch mit einem aus dem Stehgreif zusammengezimmerten Programm, die Gäste zu fesseln und in die rechte Stimmung zu bringen. Der Musiker erzählte in der Tradition der früheren fahrenden Sänger Geschichten und Geschichtchen aus seiner Heimat, die seine zärtliche Verbundenheit zum Landstrich zwischen Frankreich und Deutschland zum Ausdruck brachten. Natürlich waren beim Spontan-Repertoire auch viele immer wieder gerne gehörte "alte" Titel dabei: Die liebevolle Besinnung auf die gute alte Zeit mit "De Brunne", die sanft-melancholischen Ansichten über das Alter mit seinen Höhen und Tiefen mit "'S Onna", oder das Gebet für ein Freudenmädchen "Lyane '98". Besondere Erwähnung verdient der Mitmach-Song "In de Weschküch liet ä Katz" – es ist nicht eben gewöhnlich, wenn ein Musiker bereits mit dem dritten Lied einen kompletten Saal zum beherzten Mitsingen animieren kann.

Neben den alten Gassenhauern brachte Adam auf seiner seit dem letzten Herbst erhältlichen vierten CD einige ganz außergewöhnliche Lieder mit, die er an diesem Abend einem frenetischen Publikum präsentieren konnte. Da mischten sich der schmissige Hit-Aspirant "Ich wär so gern a Südamerikoner" mit einer – im Mundart-Umfeld durchaus auffallenden – hochdeutschen Interpretation des Karat-Liebeslieds "Das kann keiner so wie du", der historischen Enthüllung über den wahren Ursprung bajuwarischer Volkstradition "De lothringer Jodeler", der Revanche einer misshandelten Ehefrau "Mir honn de Gottfried beerdischt" ("die Familie war so üwwermäßisch trurisch, mir han uns dodefür dodgelacht") und dem Flamenco "L'Espagne", der allerdings zunächst in einem Lachanfall des Trios unterging. Aber was kümmerts eine große Familie, in der man sich bei diesem Konzert durchaus zuhause fühlen konnte.

Ebenfalls gut im Rennen um die Nachfolge des Adam-Dauerbrenners "Hans im Schnoogeloch" der Titelsong der CD: "De Passage", ein zärtlich-nachdenklicher Titel mit viel Tiefgang und einer augenzwinkernden Moral: "Pack känn so schweri Bagage, du bisch eh nur de Passage".


Als das traditionelle "Von guten Mächten" zum Schluss des Abends erklang, war einmal mehr klar: Marcel Adams Konzerte sind keine voneinander zu trennenden Einheiten – die Zeit bis zum Auftritt im nächsten Jahr wird nichts mehr sein, als eine etwas längere Pause.



Weitere Informationen im Internet unter http://www.marcel-adam.de.