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Garth Enis / Darick Robertson
Erschienen
The Punisher Born
06/2004
Panini Verlags GmbH, Nettetal
100 Seiten / EURO 10,50
Kommentar:

Ich habe es noch nie verstanden, warum Amerika aus seinen verlorenen Kriegen (Vietnam, Korea, Bürgerkrieg) immer wieder Profit schlagen darf. Man stelle sich nur einen deutschen Rambo vor, der die letzten Kriegsgefangenen aus Moskau herausballert und zum blutigen Ende mit dem erhobenen Arm den Deutschlandgruß dem Filmvolk entrichtet.

Das ist fst so unvorstellbar wie eine „Die tollen 40er“ Show mit Thomas Gottschalk in Wehrmachtsuniform und Anke Engelke mit dem goldenen Mutterkreuz.

Aber der schon erwähnte amerikanische Muskelmann und dann irgendwie doch Kriegsgewinner ist erlaubt und nicht der einzige stolze Soldat mit den Stars und Stripes auf dem olivgrün.

Manchmal tragen diese Vergangenheitsbewältigungen den Deckmantel des „Anti-Krieg-Films“, aber wo ist der Unterschied zwischen blutiger Propaganda und nicht funktionierender Abschreckung? Leider dringt die Lust am Scharmützel auch immer wieder in die Welt von Superman & Co. Nick Fury durfte ja erst vor kurzem Gedärme durch den Dschungel schleifen, Auswüchse wie GI Joe, Haunted Platoon und verwandte militante Sprechblasen bleiben uns deutschen Lesern bisher glücklicherweise vorenthalten.

Doch nun zum Comic: Passend zum in den Startlöchern stehendem neuen Punisherfilm wird mal wieder eine Origingeschichte eines beliebten Helden neu geschrieben. Frank Castle wurde nicht erst bei der Ermordung seiner Familie zum Vigilanten, jetzt beginnt seine Historie in Vietnam. Na wie passend.

Blutspritzender Zeichner ist Darick Robertson, der seinen Drang nach rohem Fleisch schon im grottigen Nick Fury Collection unter Beweis stellte. Autor ist der durch seinen zynischen Humor bekannte und beliebte Garth Ennis, der aber auch schon bessere Tag erlebt hat.

Natürlich wird es hart und blutig, natürlich überlebt Frank und natürlich sterben alle anderen. Das ist so spannend wie die Ansprache des Bundespräsidenten zu Silvester.

Wer dem Comic Gutes abgewinnen will kann sagen, das der Krieg im amerikanischen Comic noch nie so schonungslos gezeigt wurde wie hier. Der Krieg lässt keine Gewinner zu, und das wird packend erzählt. Wer aber dem Teufel Krieg in die Sprechblase sehen möchte, dem seien aktuelle Comics aus dem ehemaligen Jugoslavien empfohlen, zum Beispiel Psychonaut1 von Aleksandar Zograf. Die sind selten bunt, selten spannend aber schon fast zu authentisch.


Krieg ist Scheiße und bunte Bilder machen ihn nicht schöner und ich glaube nicht an die Wirkung eines „Anti“ vor dem Kriegs-Abenteuer.