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Erschienen
"Menschenbilder" in packender Direktheit - Theo Ofer stellt in Neulußheim aus
06/2004
Eine besonders bemerkenswerte Ausstellung hat Mitte Mai im Neulußheimer Kulturzentrum "Alter Bahnhof" den Reigen mit Vorstellungen herausragender Künstler fortgesetzt: Die "Menschenbilder" des pfälzer Malers Theo Ofer sind ein hervorragendes Beispiel für eine Bewegung, die in den vergangenen Jahren vermehrt dem auch handwerklichen Können in der Kunst größeren Raum zu verschaffen sucht. Dabei gelingt es dem 77-Jährigen Harthausener auf erstaunliche Art und Weise, künstlerischen Anspruch und vielsagende Botschaft mit einer Bildsprache zu verbinden, die sich direkt und nicht erst über die mehr oder minder fachkundige Interpretation durch Professionelle auch dem Laien mitzuteilen vermag.

Der "Maler, Musiker und Menschenfreund", wie Marianne Treiber, die in Vertretung ihres Mannes die Werkeinführung hielt, Ofer umschrieb, wählt dabei den direkten Weg zu Auge, Geist und Herz seiner Betrachter; bei aller Reduktion belässt er seinen Werken einen realen Bezug, abstrahiert nicht bis zur Unkenntlichkeit und setzt Symbolhaftes sparsam und äußerst zielgenau ein: Er verliert sich nicht in autistischer Künstlichkeit, sondern offenbart sich und seine Sicht der Dinge für alle.

Dabei hatte alles so ungünstig angefangen. Auf Veranlassung seiner Eltern, die einstens für ihren Filius keinen "Hungerleiderberuf" wünschten, machte er eine Banklehre; doch schied er so früh wie möglich aus diesem Beruf wieder aus und nutzte seinen Ruhestand für ein "zweites Leben". Es mag mit eben dieser Auffassung seiner eigenen künstlerischen Laufbahn zusammenhängen, dass der brillante Geschichtenerzähler nicht in den Niederungen pritschelnder Renten-Maler unterging, sondern sich mit einem höchst vitalen künstlerischen Ausdruck in ungeahnter Präsenz dem Hier und Heute zuwenden konnte – zahllose Ausstellungen, Malersymposien und die Vetretung im Münchner "Haus der Kunst" sind lebendige Zeugen dieser Zugewandtheit.

Die Ausstellung in Neulußheim zeigte mit den Aquarellen nur einen kleinen Ausschnitt aus dem rund zwanzigjährigen Schaffen des Malers, der durchaus auch großformatig und in Öl und Acryl arbeitet.

Was beim Gang durch die Werkschau zuerst auffiel: Die unbedingte Direktheit der mehr als 30 Bilder, die Ofer durch die fast ausnahmslos im unvermittelten Zwiegespräch plein air entstandene skizzenhafte Motivwahl erreicht. Jeder seiner Momentaufnahmen wohnt so das Augenblickliche inne, nie erhebt der Maler Anspruch auf Abschließendes und Engültiges.

Durch die Reduktion auf das unbedingt Notwendige lenkt er einerseits die Blicke seiner Betrachter entlang einer durchaus gewollten Komposition, andererseits eröffnet er weite Räume, in denen das Auge des Betrachters auf eigene Faust Streifzüge unternehmen kann.

Das "Duo I+II", ein Doppelbild in Tusche, atmet die Vitalität und Spannkraft, die Ofer der Musik entlehnt hat – er "bannt" die dargestellten Musiker nicht auf das Papier, sondern lässt ihnen durch seinen hingeworfen scheinenden Strich, der aber dennoch geprägt ist von Präzision und Konvention, ihre Lebendigkeit.

Mit fast beängstigender atmosphärischer Dichte, die Ofer durch die Arbeit mit Farbe und Struktur erreicht, lässt er mit "Landshut" die Stadt schattenhaft über der ebenfalls fast aufgelösten Menge aufstreben.

Besonders beeindruckend das Doppel "Sienna Erinnerungen I + II": Eine Reihe Portraits unter den ausladenden Kreidezeichnungen der großen Stadt, die sich ins Nichts zu verlieren scheint, belassen dem Betrachter Raum für eigene Erinnerungen und Bilder.


Künstler wie Theo Ofer sind es, die der Kunst einen respektablen Raum in der Mitte der Gesellschaft verschaffen und sie zurückholen aus Elfenbeintürmen und Nischen.