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Erschienen
Von Schlappekickern und Präsidenten
07/2004
Die Griechen sind im Endspiel um die Fußball-Europameisterschaft. Ein tröstlicher Ausgang für die in den letzten Jahren nicht eben erfolgsverwöhnten deutschen Fans desprofessionellen Herumkickens: Mit Otto "Rehakles" steht wenigstens ein Deutscher im Endspiel um die begehrte Trophäe.

"Tante Käthe" Rudi Völler dagegen hat die Ballpumpe in derBundesauswahl nach der an Peinlichkeit kaum zu überbietenden Deklassierung der Nationalelf durch die Zweitbesetzung der Tschechen endgültig aus der Hand gelegt. Ob damit dem deutschen Fußball allzuviel geholfen sein wird, bleibt fraglich. Letztendlich ist klar: Auch ein Schumacher kann keinen Grand-Prix gewinnen, wenn er in einem Lada antreten muss. Oder, um es auf die aktuelle Schfrage zu übertragen: Könnte ein anderer Trainer, egal ob der nun Hitzfeld, Daum oder wie auch immer heißen mag, optimistisch in Richtung WM blicken - mit einem Stall voll Schlappekicker als "Spielermaterial"?

Erschwerend kommt hinzu, dass Otmar Hitzfeld bereits müde abgewunken hat. Ob daran vorrangig sein angeblich "leerer Akku" oder das Grausen, das den bedachten Zuschauer beim tranigen Gebolze der millionenschweren Nationalspieler packen muss, schuld sind, bleibt auf ewig sein Geheimnis. Weitere Enttäuschung also für all die, die mit ihrem "allein Hitzfeld kann den deutschen Fußball retten" Völler erst vertrieben hatten. Also Daum? Der hätte zumindest etwas Aufputschendes in seiner Trainertasche; vielleicht können sich unsere gutbezahlten Fußball-Millionäre ja mit einer Bahn Koks etwas schneller bewegen?

Oder ein verzweifelter Befreiungsschlag? Mit den bisherigen Trainern hat es ja nicht eben einen Aufwärstrend gegeben - obwohl das alles angebliche "Profis" waren. Warum also schon wieder einen Profi ranlassen, obwohl sich dadurch nichts zu ändern scheint. Vielleicht wäre ein Trainer aus der Provinz nicht eben das falsche: Einer, der die verweichlichten Helden der Stollenschuhe nicht anfasst, als wären sie Lords, sondern das macht, was schon lange fällig gewesen wäre - Ihnen gewaltig in das verlängerte Rückgrat zu treten.

Vielleicht könnte er sich ein Beispiel an unserer poltischen Bundesauswahlnehmen: Der eben erst vereidigte neue Bundespräsident Horst Köhler hat bereits in seiner Antrittsrede nicht mit offener Kritik in alle Richtungen gespart. Der Regierung hat er abverlangt, die Reformen beherzter voranzutreiben, die Opposition ermahnt, nicht als Blockierer aufzutreten und statt dessen die eigenen Konzepte offen und klar auf den Tisch zu legen. Und selbst mit dem "Fußvolk", das sich allzu gerne als allzeit mosernde Masse in die Schmollecke zurückzieht (bestes Beispiel waren jüngst die Europawahlen), ging Köhler durchaus deutlich ins Gericht. "Jammern nützt keinem", so der Tenor seiner Rede bei der gemeinsamen Sitzung von Bundestag und Bundesrat: Etwas mehr Optimismus und die Bereitschaft, schwere Bürden auch als Herausforderungen zu begreifen stünden einem Volk wie dem unsrigen gut zu Gesicht. Und das gelte auch angesichts solcher Zumutungen wie "Harz IV" und Gesundheitsreform.


Uns allen bleibt nur die Hoffnung, dass Köhlers Worte sich auch in Realpolitik umsetzen lassen. Und die Anstrengung, unseren eigenen Beitrag dafür zu leisten.