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Otsuichi / Kendi Oiwa
Erschienen
Goth
08/2004
EMA, Köln
224 Seiten / EURO 6,50
Goth erzählt von verdammt kranken Menschen. Durchgeknallte Psychos die Vergnügen am grausamen Tod anderer Menschen haben. Dieses Manga lässt den Leser nicht kalt und wenn man über die Geschichte diskutiert hat das Ganze dann auch einen Sinn. Reine Unterhaltung darf eine morbide Geschichte um Geisteskranke einfach nicht sein.

Doch beginnen wir am Anfang und das ist bei einem Buch der Umschlag. Der ist EMA super gelungen. Ein graues Messer und der Schriftzug GOTH beherrschen den Titel. Darunter liegt eine Strichzeichnung die vom Titel durchgehend bis zum Backcover geht. Hinten in dunkelgrau/schwarz, vorne als Prägung die mit Glanzlack veredelt wurde. Einfach toll!

Dann die Zeichnungen. Große schwarze Flächen dominieren die Panels. Grau oder Rasterflächen sind eher selten. Das passt super zur düsteren Grundstimmung die hier vermittelt werden soll.

Dann die Geschichte. Goth handelt von Itsuki Kamiyama und Yoru Morino. Im Umfeld der beiden geschehen immer wieder Überfälle, bei denen ein Irrer den Opfern Hände abtrennt. Und Itsuki beginnt davon zu träumen, Morinos Hände zu besitzen.

Nachdem der Händedieb gefasst wurde geht es mit anderen seltsamen Mordfällen. Und dann wird es richtig Hardcore. Zarte Gemüter werden sicher das eine Panel mit der verstümmelten Leiche nicht so schnell vergessen können. Wer sich solche Bilder ohne Probleme oder sogar mit Lust anschaut muss zum Psychiater. Über diese Bilder muss man sprechen, es cool finden ist krank!

Es geht weiter mit kranken Menschen und auch die beiden Hauptpersonen sind natürlich nicht unbefleckt.

Goth wirkt und kann den Leser nicht unberührt lassen. Die Frage stellt sich, ob man solche Geschichte überhaupt publizieren darf oder ob es eine Altersbeschränkung geben sollte. Solche Diskussionen sind meist müßig, denn die Wirklichkeit war und ist schon immer menschenfeindlicher gewesen, als es eine Geschichte sein kann. Kein Mensch kann etwas „unmenschliches“ erfinden – und das sollte uns Angst machen. Doch Horror ist kein modernes Phänomen und Goth zeigt auch nichts schlimmeres als die blutgeilen Medien, die geschändete Leichen zur besten Sendezeit als Nachrichten verkaufen wollen. Warum sollte man Goth verbieten und Ausschwitz für wichtig halten? Beide Geschichten erzählen von dem, was in uns Menschen steckt wenn wir nicht aufpassen. Aber um zu erkennen, dass der Abgrund in uns liegt und das nur der bewusste Umgang mit diesem Wissen uns zur Menschlichkeit führt, muss man über diese Dinge sprechen. Alleine ist der Mensch mit seiner dunklen Seite verloren, aber gemeinsam können wir mit unserem Tier leben.


Wenn Goth als Anstoß zum miteinander Reden aufgefasst wird ist es ein tolles Manga, für sich alleine genommen oder als Unterhaltung verstanden ist es das Symptom einer durch und durch kranken Gesellschaft.