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Erschienen
Topklasse-Künstler Billy Goodman trifft sein spezielles Publikum
10/2004
Ein ganz außerordentlicher, ein fast nicht beschreibbarer Musiker machte am vergangenen Wochenende Station beim "Sonntagsfrühschoppen" im Neulußheimer Kulturzentrum "Alter Bahnhof": Die Vier-Sterne-Gemeinde hatte sich den Vier-Sterne-Gitarristen (Fachmagazin "Rolling Stone" über dessen CD "Crooked Smile") und Sänger Billy Goodman eingeladen – mit seinem Besuch wurde ihr eine seltene Ehre zuteil, denn der begnadete Gitarrist mit der unkonventionell beeindruckenden Stimme macht sich seit einigen Jahren deutlich rarer auf den Bühnen der Nation; obwohl der heute in Neckargemünd lebende Goodman schon für Showgrößen wie Van Morrison, Leon Russell und John Hammond auftrat und zuletzt mit den "Hooters" tourte, ist er in Deutschland kaum zu hören. Das liegt nicht am mangelnden Interesse – auch in Neulußheim waren rund 200 Gäste in den Bahnhofsgarten geströmt -, sondern allein daran, dass Goodman ganz bewusst wenig Termine vereinbart.

Das ist umso bedauerlicher, je mehr man seine außerordentliche Qualität zu schätzen weiß: Irgendwo zwischen Folk, Blues und Rock produziert er mit einer sehr traditionellen und damit inzwischen fast einzigartigen Musik so etwas wie sein alter ego – was Billy auf sein Publikum rieseln lässt ist keine Show, kein aufgesetztes Gehabe, sondern feinster Esprit von fast unglaublicher Authentizität. Dabei bietet er vor allem den Traditionalisten einen unverfälschten Sound, der heute in einem Meer von Mainstream kaum noch zu hören ist.

Was zunächst ohrenfällig ist, das ist eine perfekt beherrschte, dabei aber enorm vitale Slide-Gitarre. Der typische Sound, den er mit exquisiten Riffs aufwertet, lässt den Eindruck entstehen, der agile Mann irischer Herkunft sei bereits mit dem Saitenkasten in der Hand geboren worden. In unschlagbarer Harmonie gesellt sich zur brillant gespielten Gitarre eine schlanke, markante, vielseitige Stimme, die mit ihrer schmeichlerisch-weichen Grundfärbung sofort sympathisch ist, die aber über ausreichend Charakter verfügt, um auch nach dem zehnten Lied nichts von der Spannung, die sie beim Zuhörer auslöst, einzubüßen.

So verbreitete Goodman rund zwei Stunden ein musikalisches Feuer, das keinen Besucher unberührt ließ. Mit Titeln wie "Hellride" provozierte er eine Ergriffenheit, die für eine Veranstaltung am Morgen als absoluter Ausnahmezustand angesehen werden darf. Aber nicht nur Bedächtiges, auch rassige Rhythmen kamen ihm über Finger und Lippen. Dazwischen mischte der humorige Mann Geschichten und Geschichtchen, die ihn die Herzen der Gäste im Sturm erobern ließen – so bodenständig, so normal, so charmant und dabei gar nicht borniert kann ein Künstler eigentlich gar nicht sein.


Begeisterter Applaus nach einem jeden einzelnen Titel, frenetischer Jubel am Schluss des Konzertes und die vehemente Forderung nach Zugaben dürfen in diesem Falle als Beweis dafür gelten, dass hier ein Topklasse-Künstler auf sein ganz spezielles Publikum getroffen ist. Nur diese Mischung lässt das Gefühl entstehen, das in Neulußheim zum greifen spürbar war: "The music never ends".



Weitere Informationen im Internet unter www.billygoodman.com.