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Erschienen
Beatles-Comeback in Hockenheim mit den "Barons"
10/2004
Sie sind Legenden der internationalen Musikgeschichte, die erfolgreichste Pop-Band des letzten Jahrhunderts, sie interpretierten und prägten die 1960er, haben eine unglaubliche Erfolgsstory hinter sich und gehören noch heute unangefochten zu den am besten verkauften Oldies.
Kreischende Mädels und griesgrämig dreinblickende Polizisten waren ihre ständigen Begleiter, die von Astrid Kirchherr eigens zugedachten "Pilzköpfe" ihr Markenzeichen.

Einen Hauch der "Beatlemania", die die ganzen Sechziger des 20. Jahrhunderts prägte, brachte am vergangenen Freitag die Showband "The Barons" nach Hockenheim zurück. Zwar flogen bei deren Auftritt im gut gefüllten Kulturzentrum "Pumpwerk" weder Unterwäsche noch sackweise Teddybären auf die Bühne, doch darf man das dem Umstand zusprechen, dass die meisten Gäste in Anstand gereifte Beatles-Fans der ersten Stunde gewesen sein dürften, die inzwischen zu anderen Formen der Beifallsbekundung gefunden haben.

In einem rund zweistündigen Programm ließen Anselm Fedel (Sologitarre), Zbyndo Sekot (Gitarre), Thorsten Lichtinger (Bass) und Walt Bender (Schlagzeug)die großen Zeiten der "Fab-Four" Wiederauferstehung feiern: Dabei standen gar nicht so sehr die "Klassiker" zum mitsingen wie "Yesterday", "Back in the US" und "Yellow Submarine" im Vordergrund, die die vier Barone selbverständlich auch im Gepäck hatten. Vielmehr versuchten sie sich an einer globalen, an historischen Ereignissen orientierten Zeitschau auf den unnachahmlichen Erfolgsweg der Vier aus Liverpool zu konzentrieren. Dass dabei die Letzten Jahre vor der offiziellen Auflösung der "Beatles" 1970 etwas kurz kamen, lag vor allem an der Tatsache, dass John, Paul, George und Ringo sich selbst seit 1966 schwer zurückhielten mit Live-Auftritten, in denen das technisch hochgerüstete Musikmaterial kaum mehr wiedergegeben werden konnte.

So rankte sich der von einem nostalgischen Freudentaumel geprägte Glanz in den Augen der begeisterten Zuhörer und Mitmacher um den Harrison-Song "Something", den Show-Veteran Frank Sinatrah einstens als schönsten Livesong der "Beatles" klassifizierte, um den rassigen Einheizer "We can work it out", den Lennon-Klassiker "Nowhereman" und - aus der psychedelischen Phase – um "Daytrip". Bedenkt man die Beatles-Manie, die auch lange nach dem Auseinanderbrechen der legendären Band anhielt, so verwundert es kaum, wenn im Publikum nicht eben wenige Kenner saßen, die tatsächlich jeden Song mitsingen konnten – und das auch taten, wenngleich ansonsten eine eher etwas statische Stimmung herrschte, die nur wenig an den ausgerasteten Vorbildern, die bei den Liveacts der Originale reihenweise vor Erschöpfung zusammenbrachen, erinnerte.

Die Barone sind seit mehr als zwanzig Jahren ein unübersehbarer Meilenstein in der Oldies-Landschaft: 1995 gewannen sie in einem vom ZDF ausgelobten Beatles-Revival-Wettbewerb mit 4,4 Millionen TED-Stimmen den ersten Platz. Dennoch mussten auch eingefleischte „Barons“-Fans eingestehen, dass der Auftritt in der Rennstadt sicherlich nicht zu den besten des Vierergespanns gehörte. Das mag daran gelegen haben, dass man zwar nach wie vor hart am Original zu segeln versucht, dass aber bisweilen das I-Tüpfelchen zu fehlen scheint. Und daran, dass der Sound insgesamt etwas zu wünschen übrig ließ. Zwar kann man bei einer Beatles-Show immer argumentieren, der Sound sei nur dann authentisch, wenn man, wie bei den meisten Auftritten aus der Erfolgszeit der Vorbilder, nichts verstünde – damals war die Tontechnik noch nicht ausgereift genug, um in großen Veranstaltungsstätten 50.000 kreischende Fans zu übertönen. Heute sollten wir aber ein kleines Schrittchen weiter sein. Nostalgischen Sound darf man gerne – wie die „Fab-Four“ - dadurch produzieren, dass man vor einen Verstärker ein Mikrofon stellt und dieses noch einmal verstärkt. Daran hat es nicht gelegen, wenn sich Lichtinger, der sicherlich nahe am Original zu singen vermag, mit seinem Bass selbst übertünchte.


Dennoch, es tat dem Abend zumindest insofern absolut keinen Abbruch, als die Fans begeistert und beseelt waren. So wurde durch die "Barons" in Hockenheim noch einmal Tatsache, was John Lennon mit seinen Mannen schon 1964 ankündigte: "I’ll be back".



Weitere Informationen im Internet unter www.thebarons.de.