2017
 
 
 

Rezensionen

Editorial
Gästebuch
Archiv
Links
Kontakt

Suchmaschine

 
Weitere Artikel nach
Autor
Weitere Artikel nach
Titel

 

 

Drucken | Kommentar erstellen

_____________________________

Erschienen
Talk mit Töpel in Hockenheim: Im Anfang stand das Wort
10/2004
"Im Anfang war das Wort – steht am Ende die Talkshow?" Diese Frage stand als zentraler Anspruch der Auftaktveranstaltung zu einer neuen Reihe mit dem beliebten Kabarett-Meister Arnim Töpel Ende September im Hockenheimer Kulturzentrum "Pumpwerk" im Mittelpunkt des Besucherinteresses.

Mit "Talk mit Töpel" kehrt der Jurist, der dem Anwaltdasein zugunsten der ganz großen Kleinkunst den Rücken gekehrt hat, zurück an die Wurzeln: "Im letzten Jahrhundert" hatte er im Heidelberger "Zieglers" die legendäre "Töpels Talk-Show" aufgezogen, danach beim Südwestfunk mit den Gesprächssendungen "Nachtradio" und "Acht Plus" für Aufsehen gesorgt.

Jetzt talkt er wieder. Ganz anders als Kerner und Co., vor allem authentischer, aufrichtiger und einfühlsamer. Nicht umsonst hat der Ausnahmekünstler 1999 den "Robert-Geisendörfer-Preis", einen Medienpreis der Evangelischen Kirche in Deutschland und der Akademie Tutzing "für einfühlsame Gesprächsführung" erhalten. Töpel machte vor allem mit seinen Gästen den Unterschied: Die waren noch nie bei Beckmann oder Christiansen, die versuchten nichts zu verkaufen und vor allem blieb den Zuhörern die Chance, sich das anzusehen, was sie ansehen wollten – ohne vorherige Zensur durch eine Bildregie.

"Je weniger zugehört wird, desto mehr wird geredet", so brachte Töpel in einem eigenen Showblock als Opener die derzeitige Inflation in der Talkbranche auf den Punkt; wo man früher mühevoll an der Wand lauschen musste, um etwas aus dem Privatleben des Nachbarn zu erfahren, braucht man heute nur noch das Fernsehen anzuschalten. "Wir brauchen einen Talkshow-Retter. Wer könnte das besser, als einer von uns: Ein Kurpfälzer."

Die Premiere servierte denn auch gleich vier sehr unterschiedliche Kurpfälzer Urgesteine.

Der langjährige Gemeinderat, Bürgermeisterstellvertreter und Fraktionsvorsitzende Rolf Hoppner plauderte aus seinem Leben. Eigentlich sei er "keen Hoggemer Bu" gewesen, sondern als junger Lehrer nach Hockenheim versetzt worden – und "als Heidelberger hatte man von Hockenheim wenig gehört". Nach 33 Jahren im Gemeinderat hat der Realschulrektor a.D. nun die "öffentliche Person" zu Grabe getragen – Malen, Zeichnen und Reisen sollen nun seinen Ruhestand ausfüllen. In wohlgesetzten, bisweilen einen Deut zu weise wirkenden Worten berichtete der Vollblut-Politiker über die schwierige Zeit zwischen den "zwei Feuern" von Kopfnickern und Wahlschleimern.

Den Vorsitzenden des MGV "Liedertafel", Karl Laier befragte Töpel sowohl zu seiner Vereinsarbeit, als auch zu seinem Privatleben. Als Chef des größten kulturtragenden Vereins in Hockenheim mit 600 Mitgliedern, von denen 200 in verschiedenen Chören (seit 1980, als man "die Zeichen der Zeit" erkannt habe, darunter auch ein Frauenchor) aktiv sind, investiert der gebürtige Dielheimer, der 1989 in den Verein kam und bereits 1997 zum 1. Vorsitzenden gewählt wurde, viel Zeit in die Chorarbeit, obwohl er "eigentlich kein Vereinsmensch, zumindest kein Vereinsmeier" sei.

Unangefochtenes Highlight der Talkrunden war der Auftritt des langjährigen Leiters des Kurpfalzradios, Hannes Liebenstein. In einer erstaunlich echten, unverblümten und offenen Art und Weise ließ der seine 35 Jahre beim SWR Revue passieren, wo sich die Arbeitsweise "so geändert hat, dass ich meinen Ruhestand genieße": Während man früher sehr viel ausprobieren konnte, sei heutzutage das gesamte Programm sehr viel "formatierter" - "Als ich angefangen habe, hatte Format noch etwas mit Menschen zu tun, heute meint es nur noch die Abfolge von Musiktiteln". Deshalb habe er sich nach der "Optimierung" zum 25. Jubiläum des Kurpfalzradios "vom Acker gemacht".

Sowohl als Talkgast, als auch als musikalischen Beitrag hatte Töpel die in unserer Region überaus bekannte und beliebte Chansonette Julie André eingeladen. Die Tochter aus einer Artistenfamilie, die selbst lange als Artistin arbeitete und erst mit 30 Jahren zur öffentlichen Musik fand, sieht ihre Heimat zwar immer noch in Südfrankreich, wo sie aufgewachsen ist, "aber Deutschland ist natürlich auch ein Zuhause". "Ich bin auf die Bühne gekommen, um ehrlich zu sein und dem Publikum etwas zu schenken" – diesen Leitspruch setzte sie an diesem Abend zusammen mit ihrem Pianisten Hans Jörg Wittmer und Laurent Leroi am Akkordeon auch praktisch um – ebenso, wie die durchaus wichtige Feststellung, dass Chanson mehr ist als Jacques Brel und Edith Piaf: Mit eigenen Liedern, darunter auch das mitreißende "Mer de vacance".

Nach rund zweieinhalb Stunden "Talk mit Töpel" setzte sich trotz einer gewissen Begeisterung für die Art, mit der die Gespräche in vertraulicher und doch kontrollierbarer Weise geführt wurden, doch eine deutliche Ernüchterung beim Publikum durch. Das Volk wünscht sich zwar durchaus Talk, aber eben auch Töpel.



Nebenbei bemerkt: Das Volk will Talk, aber auch Töpel



Rund 70 Gäste waren zum ersten "Talk mit Töpel" im „Pumpwerk“ erschienen – eigentlich beachtlich angesichts eines neuen Angebotes, angesichts der frühen Platzierung im Saison-Programm, und angesichts der Tatsache, dass eben gerade nicht Kevin Costner auf der Rednerliste stand. Dünn aber für Arnim Töpel, der mit seinem letzten Programm "Rechtzeitig gehen" kurz vor dem bundesweiten Durchbruch stand, der ein knallvolles "Pumpwerk" gewöhnt ist und der großen Zuspruch verdient hat.

Nach der ersten Talkrunde mit Julie André, Rolf Hoppner, Karl Laier und Hannes Liebenstein allerdings gingen die Diskussionen im Publikum in seltener Heftigkeit von statten. Man hatte spannendere Gespräche erwartet, auf "Kracher" unter den Gästen gewartet und vor allem mehr von Töpel selbst erhofft.

Insgesamt wird man, wenn man die Reihe aufrecht erhalten will, nicht umhin kommen, das Konzept noch einmal zu überdenken: Spritziger sollten die Gespräche werden. Keineswegs so, wie man das von den inflationären Talksendungen im Fernsehen kennt, aber eben auch nicht in wohlgesetzten, weisen Worten wie man das beim ersten "Talk mit Töpel" erleben konnte. Da fehlte der Witz, das Interessante und das Markante, das den Talk mit dem erfahrenen Gesprächsmanager Töpel vom privaten Gespräch am Rande eines Waldfestes unterschieden hätte.

Fast zwangsläufig deshalb auch der Wunsch nach potenteren Gesprächspartnern. Natürlich ist die Lebensgeschichte von Polit-Urgestein Rolf Hoppner nicht eben langweilig, aber ein deutlich häufiger gehandelter Name wäre beispielsweise der neue Oberbürgermeister Dieter Gummer gewesen, den die Gäste auch im Hinblick auf die Zukunft gerne kennengelernt hätten.

Vor allem aber war das Verlangen nach mehr Töpel laut geworden. Der hatte sich außer dem Opener und einem kurzen Schmankerl im zweiten Programmblock völlig zurückgenommen.


"Talk mit Töpel" ist für das Publikum aber mit einer klaren Ansage verbunden: Natürlich Talk, aber mindestens ebenso natürlich auch viel mehr Töpel.



Weitere Informationen im Internet unter www.toepel-online.de.