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Erschienen
Geraldine MacGowan: Zartes und kraftvolles at the "dimming of the day"
11/2004
Weit greift die melancholische Frauenstimme in den Raum, durchflutet auch den letzten Winkel des Kulturzentrums, schafft sich ihren Platz ohne dabei aufdringlich oder gewaltsam sein zu müssen – man fühlte sich ein wenig an die sphärischen Meisterwerke der irischen Sängerin Enya erinnert, wenn man Anfang Oktober im Hockenheimer "Pumpwerk" die Augen schloss. Auf der Bühne stand aber nicht die mit "Echo" und "Grammy" hochdekorierte Sängerin des "Herr der Ringe"-Soundtracks, sondern die aus einem Dubliner Vorort stammende Geraldine MacGowan. Sie ist in der Rennstadt längst keine Unbekannte mehr und hat ganz ohne Zweifel ihre Fans gefunden.

In einem zweieinhalbstündigen Programm ließ sie die unendlichen Weiten der irischen Landschaft auferstehen und es ist ihr gelungen, was den Zauber eines Irish-Folk-Abends ausmacht: Sie versteht es meisterhaft, die immer gleiche und dabei doch immer wieder faszinierende ganz spezielle Art, von Liebe, Glück, Whiskey und Schicksal zu erzählen, in einer hautnah authentischen Version zu präsentieren. Dabei verzichtet MacGowan auf alle Allüren, auf jede unnütze Show. Das kann sie sich auch ganz beruhigt leisten, denn sie wirkt alleine durch Gesang und Musik – und das mit jedem einzelnen Ton.

Ob sie das völlig a capella mit "I wish my love" macht, einem zauberhaft sanften, fast zärtlichen Liebeslied, oder aber zusammen mit ihrer Band in dem schmissigen Mitmacher "Hey Daughter" spielt gar keine Rolle: Wenn sie gefühlvoll sein will, dann gelingt Geraldine MacGowan das ebenso, wie wenn sie kraftvoll und bestimmt in den Saal hinausakklamiert.

Ihr großes Talent ist eine weitgreifende, emotionale Stimme, die in den Raum hinein direkt auf die Herzen der gebannten Zuhörer zu wirken scheint, die aber auch mit Power und Esprit aufwartet. Dabei mag sie nicht ganz so clean und hochglanzpoliert daherkommen, wie ihre Landsmännin, auf der selben Wellenlänge liegt sie aber in jedem falle - und den selben Wirkungsgrad erreicht sie ebenfalls spielend.

Dabei kann sie auch mit ihren Musikern problemlos punkten: Eamonn de Barra liefert an den Keys das Fundament für gefühlvolle Stimmung, greift aber auch gerne einmal zur Flöte, Brian O’Connor an der tinwhistle versteht zu akzentuieren und der Gitarrist Shane MacGowan (nicht zu verwechseln mit dem Ex-Pogues-Sänger, der Geraldine MacGowans Onkel ist) mischt kleine verspielte Passagen dazu, die sich wie zufällig untermischen, den Gesamteindruck aber maßgeblich mit beeinflussen.

Der alte Song "Go from my window" wird in diesem Gemisch aus Traditionals, "jungen Wilden" und unverkennbarer Hingabe ebenso wie "Dimming of the day" oder "Back smiling again" zu einem Reigen wahrer Herzstücke. Atemberaubende Begeisterung waberte durch das Publikum, lange Beifallsstürme waren der Beweis dafür: MacGowan und Band sind ebenso, wie deren Lieder perfekte "Ankommer".

Die Sängerin hatte übrigens seit Mitte der Neunzehnachtziger Jahre ein vielbeachtetes Pub in Hannover. Seit 2001 ist sie wieder in ihre Heimat Irland zurückgekehrt.


Am Schluss des zu recht vielbeklatschten Konzerts mischte sich im Publikum die Begeisterung mit einem Gefühl der echten Zuneigung. Oder, um es frei nach einem Titel der begnadeten Sängerin zu sagen: "I remember my love in Ireland".



Weitere Informationen im Internet auf einer wirklich einfallsreich und perfekt gemachten Seite unter www.geraldinemacgowan.com.