2017
 
 
 

Rezensionen

Editorial
Gästebuch
Archiv
Links
Kontakt

Suchmaschine

 
Weitere Artikel nach
Autor
Weitere Artikel nach
Titel

 

 

Drucken | Kommentar erstellen

_____________________________

Erschienen
Beherzt und beseeltes Konzert "OrgelPlus" mit Henning Wiegräbe
11/2004
Beim zweiten Konzert des diesjährigen Dreiteilers "OrgelPlus" gastierte Anfang Oktober der renommierte Posaunist Henning Wiegräbe in der Hockenheimer Evangelischen Stadtkirche mit einem Programm für "Sinfonische Posaune" mit romantischen Solo- und Kammermusikwerken von Bach, Holst und Larsson.

Der eloquente junge Musiker ist längst kein unbeschriebenes Blatt mehr: Über das Landesjugendorchester Rheinland-Pfalz, das Bundesjugendorchester, und das Staatsorchester Hamburg führte ihn sein musikalischer Weg inzwischen als Soloposaunist an die Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz; daneben leitet er als Professor die Posaunenklasse an der Musikhochschule Saarbrücken und gibt internationale Meisterkurse für Posaune auf der ganzen Welt. Ein Meilenstein seiner Entwicklung war ohne Frage die seit 1990 gepflegte Zusammenarbeit mit drei weiteren Spitzenposaunisten im Ensemble "Trombonissimo".

Um es klar zu sagen: Einen derart gefeierten und begnadeten Musiker zu einem eher überschaubaren Konzert in eine Kirche einer mittleren Stadt zu bekommen, ist eine Glanzleistung für sich, zu der man den Organisator der Konzertreihe "OrgelPlus", Christian H. Bühler nur beglückwünschen kann.

In eineinhalb Stunden präsentierte sich Wiegräbe mit Johann Ernst Galliards "Sonata Nr. 1", Lars-Erik Larssons "Concertino" und Jean Francois Michels "Hommage à Jean Tinguely".

Seinen kraftvollen Ton, den raumgreifenden Klang seines Instruments und den beeindruckenden Duktus in der Tonführung stellte Wiegräbe daneben mit Félix-Alexandre Guilmants "Morceau symphonique" unter Beweis.Den Abschluss des Konzerts machte er mit Gustav Holsts "Duett in c-moll": Leichtfüßig flog die Posaune über die Einführung, der Ausnahmemusiker überzeugte durch eine fein dosierte Dynamik, einen sehr phantasievollen Umgang mit der Tonfarbe seines Instruments und eine persönliche, markante Interpretation mit besonders liebevollen Ausmalungen auch der nur leicht angestoßenen Tonfragmente. Auch bei den leisesten Tönen vermochte Wiegräbe nicht nur, das gesamte Kirchenschiff bis in den letzten Winkel auszufüllen, sondern dabei auch noch eine ganz bemerkenswerte Spannung zu erzeugen – vom Pianissimo bis ins dramatische Finale.

An der Seite des Posaunisten zeigte sich Christian H. Bühler wie bereits beim letzten "OrgelPlus"-Konzert mit der Sopranistin Anette Postel und dem Trompeter Axel Thirolf als perfekte Begleitung: Selbstbewusst nahm er seinen Platz ein, ohne dabei seinen Mitspieler auch nur im geringsten zu dominieren.

Mit Bachs "Fantasie und Fuge in c-moll" und Guilmants "Offertoire & Fughetta" unterstrich er daneben erneut sein Können als Solist: Sanft, fast malerisch nahm er den Einstieg in Guilmants Werk, das auf das Hockenheimer Instrument gut abgestimmt schien. Feinste Klangnuancen und ein beeindruckendes Spiel gerade in den abgedämpft und flüsternd wirkenden Registern verliehen so den kaum akzentuierten langen Motivreihen einen spannungsgeladenen Reiz. Dabei konnte Bühler sich aber auch als brillanter Techniker präsentieren, der die verschränkten Läufe mit einer bewundernswerten Präzision bringt; gerade in der "Fughetta" stieß er dabei allerdings immer wieder an das Problem, dass die Orgel in vollen Passagen an ihre klanglichen Grenzen zu stoßen pflegt.


Gemeinsam schenkten die beiden Musiker ihrem Publikum einen Sonntagabend, der gegen das Chaos, das zeitgleich auf den Straßen rings um Hockenheim als "Nachwehen" des DTM-Finales herrschte, einen ruhigen, fast besinnlichen Kontrapunkt setzte: Beherzt und beseelt.



Weitere Informationen im Internet unter www.henning-wiegraebe.de.