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Erschienen
Rassiges und liebevolles "for the weekend" mit Paul Millns
12/2004
Endlich stand wieder einmal der Flügel auf der Bühne des Hockenheimer Kulturzentrums "Pumpwerk", endlich saß wieder der kleine, auf den ersten Blick so unscheinbar wirkende grauhaarige Mann an den Tasten, der Glamour und alle Show so gar nicht nötig hat – endlich wieder Paul Millns "Home for the weekend".

Bereits zum dritten Mal gastierte Ende Oktober der englische Singer und Songwriter mit der markanten Stimme, den gefühlvollen Liedern und den heißen Rhythmen. Bereits seit den späten 1960ern steht Millns mit seiner ganz eigenen Mischung aus Blues, Boogie, Soul, Rock und Pop auf der Bühne, jedoch erst seit seinem Durchbruch 1979 wurde er auch in Deutschland so recht zur Kenntnis genommen. Seit er damals seine Solokarriere in die Hand nahm wird er von frenetischen Fans gefeiert, von der Kritik geradezu geliebt und von seinen Kollegen sehr geschätzt; Künstler wie Elkie Brooks, Bonnie Tyler oder jüngst Nana Mouskouri haben seine Songs gecovert – dennoch fehlte stets der eine Titel, der den ganz großen Durchbruch zum Star gebracht hätte. Und das, obwohl Paul Millns Konzerte vor solchen "einen Titeln" geradezu strotzen. So brachte er auch in der Rennstadt ein so abwechslungsreiches, sowohl mitreißendes als auch gefühlvolles Programm auf die Bühne, dass die Begeisterung seiner Gäste fast mit den Händen zu greifen war.

Da wechselten sich rassige Sounds wie "Happy go lucky Joe", der Blues-Reißer "Gasoline heart" oder der in bester Saloon-Pianoman-Manier gehaltene Titel "Another sunset ride" ab mit fast zarten, oft liebevoll-zärtlich angelegten balladenhaften Liedern wie "World on your shoulders", "The middle of the Stream" oder "Martha". Mit der bewegenden Geschichte einer Freundin, die in der Psychiatrie endet, streichelte Millns mit sanften Tönen die Seelen seiner Zuhörer – und vermochte es dennoch, sofort danach mit "Old enough" wieder angeheizte Stimmung in die Bude zu bringen.

Man darf mit Fug und Recht behaupten, der Mann, der in den "Footsteps" eines Bob Dylan und eines Ray Charles gewandelt ist, der gemeinsam mit Weltstars wie Alexis Korner und Eric Burdon auf der Bühne stand, bescherte seinen Gästen einen unvergesslichen musikalischen Abend, dessen Tiefgang mit jedem Ton, mit jeder Textzeile eindrücklicher wurde.

Ihren Teil dazu beigetragen haben auch seine beiden Begleiter: Einen bemerkenswert sanften, immer unaufdringlichen, fast immer dezenten Bass spielte Ingo Rau, Vladi Kempf saß hinter Drums, die sich ihren Platz durchaus nahmen, die dabei aber Millns am Flügel stets unterstützend akzentuierten.

Dazwischen plauderte Millns in typisch britischer – meinst sehr humorvoller -Art über seine Lieder, wenngleich das Reden seine Sache nicht ist: Er muss sich nicht verstecken hinter einer ausgefeilten Show und großen Worten. Ganz im Gegenteil tritt er am liebsten einen Schritt zurück und lässt an seiner Stelle ausschließlich seine Musik sprechen. So kommt er mit seinem Publikum weitaus besser in Kontakt, als manch ein Musiker, der jede Textzeile seiner Lieder erklären muss – Paul Millns muss sich nicht erklären, er wirkt aus sich selbst heraus, aus seinen Gedanken, die er perfekt in Töne kleiden kann.


So wurde es ein Abend feinster Tunes, begeisternder Rhythmen, atemberaubender Emotionen und unvergesslicher Geschichten – "Who can really tell?"



Weitere Informationen im Internet unter www.paulmillns.com.