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Erschienen
"Nachtigallen" mit unverkrampft neuem Programm in Neulußheim
12/2004
Seit elf Jahren touren sie durch die Welt und haben sich in dieser Zeit einen gewissen Kultstatus erarbeitet: Das charmante Ensemble "Nachtigallen" gastierte Ende Oktober wieder einmal im Neulußheimer Kulturzentrum "Alter Bahnhof" mit einem völlig neuen Programm, das einmal mehr den legendären Mix aus augenzwinkernder Rock-Parodie und bemerkenswerter musikalischer Tiefe zu reproduzieren vermochte.

Damit gelang es ihnen, das altersmäßig durchaus durchwachsene Publikum für sich zu begeistern: Lautes Johlen und frenetische Zwischenrufe vor allem aus den Reihen einer als Fanclub angereisten Damengruppe stellten es eindrücklich unter Beweis.

Was den Erfolg der "Nachtigallen" ausmacht: Ihr so gar nicht zum Namen passender Mix aus völlig neu interpretierten Perlen der Rock- und Popgeschichte, eine bewundernswerte musikalische Klasse und die ungezwungene, völlig unverkrampfte Art, diese eigenen Versionen auf die Bühne zu bringen. Wenn Jutta Werbelow, Martin Haaß und Rolf Schaude sich um das längst zur Legende avancierte Pappkarton-Schlagzeug versammeln, dann ist da immer ein Übermaß an Spielfreude, ein mit den Händen greifbarer Enthusiasmus an der Musik und eine wirkliche Hingabe an das Publikum zu spüren.

Da drehen sie den Grease-Klassiker "Summerdreams" durch ihren Rock-Fleischwolf und lassen den "Boardwalk" der "Drifters" im Chorus Wiederauferstehung feiern. Natürlich nicht, ohne dem ganzen eine frech-unverschämte Note zu geben, wenn die Herren im Falsett intonieren, während Werbelow den Bass gibt. Gerade in den Stücken, die ohne Drums auskommen, das sei nur nebenbei bemerkt, um die ganz ausgezeichnete musikalische Begabung der "Nachtigallen" noch einmal zu unterstreichen, brillieren sie in einer perfekten Harmonik, die manch wohligen Schauer über den Rücken jagen kann.

Dabei lieben die drei Ausnahmemusiker Kontraste: "Unser gesamtes Programm ist voll Kontrasten", so resümierten sie nicht ganz unzutreffen. Hinter die 50-er- und 60-er-Jahre-Hymnen klemmten sie deshalb dann auch härtere Musikalische Ausflüge in Richtung "Nirvana" und "Steppenwolf", nur um zum "Leib- und Magenkomponisten" James Taylor und dem sanft-kuscheligen Songwriter-Titel "Shower the people" zurückzukehren.

Wenngleich sie neben dem Pappkarton-Schlagzeug nun auch technisch aufgerüstet haben und mit einem Casio-Keyboard "für Einsneunundneunzig bei Ebay" den schmachtend durchwirkten selbstkomponierten Popfetzen "Tears in a paperback" präsentierten und damit auch manchen Lacher ernteten, machen die "Nachtigallen" nicht musikalischen Klamauk, wie er sich in unseren Tagen so gut verkaufen lässt, sondern eine erfrischend unverblümte und augenzwinkernde, aber durchaus ernstzunehmende Musik, die von innerer Auseinandersetzung kündet.

Dabei litten sie in Neulußheim allerdings unter dem in dem kleinen Raum etwas zu dominanten Schlagzeug, das Hand in Hand mit den Instrumenten bisweilen den Gesang überdeckte.


Das Publikum schiens nicht so sehr zu stören: Ausgelassen feierte man mit den "Nachtigallen" einen aufgeheizten, anmutigen, wilden und beschaulichen Musikabend, der sich gewaschen hatte.



Weitere Informationen im Internet unter www.nachtigallen.de.